Schön, ein Schwabmünchner zu sein

Mit ei­ner Se­re­na­de im Luit­pold­park fei­ern die Lie­der­ta­fel, die Sing-Gol­dies und das Blä­ser­quin­tett Blos mer was Le­bens­freu­de und Sorg­lo­sig­keit

Schwabmuenchner Allgemeine - - Raum Schwabmünchen | Lechfeld - VON UWE BOLTEN

Es weht kein Wind, das Ther­mo­me­ter klet­tert auf mehr als 20 Grad, und die Abend­son­ne blin­zelt durch die al­ten Bäu­me des Luit­pold­parks auf gut ge­laun­te Gäs­te. Die Sän­ger be­gut­ach­ten noch ein­mal ih­re Kra­wat­ten, hier und da wird die Gar­de­ro­be kor­ri­giert. Im hin­te­ren Be­reich des Fest­plat­zes sind hel­fen­de Hän­de da­bei, wei­te­re Bier­tisch­gar­ni­tu­ren auf­zu­stel­len, um der Nach­fra­ge an Plät­zen ge­recht zu wer­den. Ge­füll­te Wein­glä­ser, Was­ser­fla­schen so­wie Kä­se­und Schmalz­bro­te fin­den Platz auf den mit Efeu de­ko­rier­ten Ti­schen: Es ist wie­der Se­re­na­den­zeit im Luit­pold­park.

Ne­ben dem Hei­mat­fest am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de (wir be­rich­te­ten) stellt die Se­re­na­de der Lie­der­ta­fel in Ver­bin­dung mit den Sin­gGol­dies und des Blä­ser­quin­tetts Blos mer was den Hö­he­punkt der ru­hi­gen, ge­fühl­vol­len Ver­an­stal­tun­gen in der Per­le Schwab­mün­chens dar. „Lasst uns das Le­ben ge­nie­ßen“, rät Wolf­gang We­wi­or, Vor­sit­zen­der der Lie­der­ta­fel, den mehr als 500 Be­su­chern. „Wir ha­ben uns auf die­se Se­re­na­de na­tür­lich vor­be­rei­tet, Ex­tra­pro­ben wa­ren aber nicht not­wen­dig. Es ist für je­den Sän­ger ei­ne Freu­de, die­se Tra­di­ti­ons­ver­an­stal­tung durch­zu­füh­ren“, sagt We­wi­or nach den ers­ten sechs Lie­dern des Män­ner­chors un­ter Lei­tung von In­grid Jür­ges.

Ein ähn­li­ches Mot­to liegt auch den Lie­dern der Sing-Gol­dies, eben­falls ge­lei­tet von In­grid Jür­ges, zu­grun­de. Un­ter dem Leit­satz „Le­ben ist mehr als Ra­ckern und Schuf­ten“prä­sen­tie­ren die Da­men flot­te Wei­sen so­wie ro­man­ti­sche Klang­wol­ken, wie bei­spiels­wei­se beim Lied „Ele­ni“. Sehr au­then­tisch und nach­voll­zieh­bar be­schrei­ben die Sän­ge­rin­nen im Lied „Ein Li­kör­chen“die Zeit un­mit­tel­bar nach ei­ner Chor­pro­be. Der ge­mein­sam von den Sing-Gol­dies und der Lie­der­ta­fel in­to­nier­te „Zot­tel­marsch“wird vom be­geis­ter­ten Pu­bli­kum so in­ten­siv mit Ap­plaus be­dacht, dass der er­neu­te Vor­trag des Stü­ckes die zwin­gen­de Kon­se­quenz ist.

Bür­ger­meis­ter Lo­renz Mül­ler wech­selt häu­fig sei­nen Platz. Nä­her am Chor zeigt er sich zu­frie­den: „Je nä­her man kommt, des­to an­ge­neh­mer emp­fin­de ich den Ge­sang. Da brau­chen die kei­ne Ver­stär­kung“, ist sein kur­zer Kommentar. Den Gäs­ten, die von den Künst­lern ent­fernt in den hin­te­ren Rei­hen Platz fan­den, kön­nen die­sen Ge­nuss lei­der nicht tei­len.

Die Se­re­na­de ist noch nicht ei­ne St­un­de alt, da er­reicht dort die Ge­räusch­ku­lis­se durch Ge­sprä­che ei­ne Laut­stär­ke, wel­che die Lie­der in ih­rer mehr­stim­mi­gen In­ter­pre­ta­ti­on nur er­ah­nen las­sen. Die tech­ni­schen Hilfs­mit­tel der Laut­spre­cher­an­la­ge kön­nen dies lei­der auch nicht be­sei­ti­gen.

Beim „Alo­ha Oe“, dem „Fah­re wohl“kom­po­niert von der letz­ten ha­waii­ani­schen Herr­sche­rin, brei­tet sich dann ein war­mer Klang­tep­pich über den Fest­platz aus. Ge­lei­tet vom Ge­sang der Lie­der­ta­fel sin­gen und sum­men vie­le Zu­hö­rer mit. Da­zu passt eben­so der leich­te küh­le West­wind, der auf sei­nem Weg durch die dich­te Ve­ge­ta­ti­on des Parks zu den Gäs­ten fin­det. Die Se­re­na­de er­lebt ih­ren emo­tio­na­len Hö­he­punkt wäh­rend der mu­si­ka­li­schen Ur­laubs­rei­se mit dem Män­ner­chor. Wenn auch der ein oder an­de­re Gast sich von der Lie­der­ta­fel mehr von klas­si­schen Wein- oder Trink­lie­dern wünscht, sind die Be­su­cher be­geis­tert. „End­lich mal ei­ne Ver­an­stal­tung, die uns Se­nio­ren an­spricht. In der Stadt wird so viel für Fa­mi­li­en und Ju­gend­li­che ge­macht, da blei­ben wir Äl­te­ren oft un­be­rück­sich­tigt“, sagt ei­ne 70-jäh­ri­ge Schwab­münch­ne­rin. Mit ei­nem sei­ner be­kann­ten Steh­grei­frei­men lässt Heinz Schwar­zen­ba­cher, Vor­sit­zen­der des Ver­schö­ne­rungs­ver­eins, sei­nen Ge­dan­ken zur Se­re­na­de frei­en Lauf. Un­ter ju­beln­dem Bei­fall ruft er den Be­su­chern im Schluss­reim zu: „Es gibt nichts Schö­ne­res als ein Schwabmünchner zu sein!“

Das Blä­ser­quin­tett Blos mer was rund um Wolf­gang Sie­gert un­ter­malt die Se­re­na­de nicht nur ge­konnt bei den Chor­wech­seln. Nach En­de der of­fi­zi­el­len Ver­an­stal­tung pa­cken er und sei­ne Mu­si­kan­ten die In­stru­men­te und po­si­tio­nie­ren sich eben­er­dig, um in­mit­ten der im­mer noch sehr zahl­rei­chen Gäs­te bis in die Nacht hin­ein die­se Se­re­na­de mit viel Ge­fühl aus­klin­gen zu las­sen.

Fotos: Uwe Bolten

Der ge­mein­sa­me Auf­tritt bei­der Chö­re war der Hö­he­punkt der Se­re­na­de.

Als zu­sätz­li­che Mit­wir­ken­de er­freu­ten die Sing Gol­dies bei der Se­re­na­de der Lie­der ta­fel Hun­der­te von Be­su­chern.

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