„Ich bin ei­ne Ath­le­tin“

Die Süd­afri­ka­ne­rin Cas­ter Se­me­nya wird wie­der von der De­bat­te um ho­he Tes­to­ste­ron­wer­te ein­ge­holt. Welt­ver­band setzt auf wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chung

Schwabmuenchner Allgemeine - - Sport - Lon­don (1:1) 1:0 Bucht­mann (22.), 1:1 Hart­mann (29.), 2:1 Bucht­mann (69.), 2:2 Rö­ser (73.) 28 699 Burch­ert (Fürth) hält Foul­elf me­ter von Be­ki­rog­lu (89.) 247

Han­na Klein und Cas­ter Se­me­nya stan­den nach dem 1500-Me­ter-Fi­na­le in den Ka­ta­kom­ben des Lon­do­ner Olym­pia­sta­di­ons nicht weit von­ein­an­der ent­fernt. Die zier­li­che Deutsche und die ro­bus­te Süd­afri­ka­ne­rin tren­nen aber Wel­ten. Was sie al­lein ver­eint, ist ihr De­büt über die­se Dis­tanz bei der Leicht­ath­le­tik-WM in Lon­don – und der ge­gen­sei­ti­ge Re­spekt. „Sie geht an den Start, ob­wohl sie so in der Kri­tik steht“, mein­te die 20-jäh­ri­ge ge­bür­ti­ge Bon­ne­rin. „Da­für soll­te man sie auch be­wun­dern. Und das tue ich.“

Die Dop­pel-Olym­pia­sie­ge­rin über 800 Me­ter ge­wann bei ih­rem WM-Ein­stand über 1500 Me­ter in 4:02,90 Mi­nu­ten hin­ter Faith Chepn­ge­tich Ki­py­e­gon (Äthio­pi­en/4:02,59) und Jen­ni­fer Simpson (USA/4:02,76) Bron­ze – und wur­de da­nach von der De­bat­te um ihr Ge­schlecht ein­ge­holt. „Ich bin ei­ne Ath­le­tin. Das ist mein Job“, ant­wor­tet die 26-Jäh­ri­ge auf ent­spre­chen­de Fra­gen. Der Welt­ver­band IAAF steht da­ge­gen vor der schwe­ren Auf­ga­be, Chan­cen­gleich­heit im Wett­kampf und die Wür­de von Ath­le­tin­nen mit ho­hen männ­li­chen Tes­to­ste­ron­wer­ten zu wah­ren. Ei­ne von der IAAF in Auf­trag ge­ge­be­ne Stu­die zum so­ge­nann­ten Hy­peran­dro­ge­nis­mus hat­te er­ge­ben, dass Frauen mit ho­hen Tes­to­ste­ron­wer­ten ei­nen Vor­teil un­ter an­de­rem über 800 Me­ter von 1,8 bis 4,5 Pro­zent ge­gen­über Frauen mit nor­ma­len An­dro­gen­spie­gel ha­ben. Dies wür­de über 800 Me­ter un­ge­fähr ei­nen Un­ter­schied von zwei Se­kun­den aus­ma­chen, über 1500 Me­ter mehr. Der In­ter­na­tio­na­le Sport­ge­richts­hof (CAS) hat­te im Ju­li 2015 ei­ne IAAF-Re­gel mit Tes­to­ste­ron­grenz­wer­ten für zwei Jah­re auf­ge­ho­ben und ei­ne wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chung ge­for­dert, um ei­ne fun­dier­te Ent­schei­dungs­grund­la­ge zu ha­ben. Nach der WM muss der CAS nun ent­schei­den, ob Cas­ter Se­me­nya – die seit ih­rem WMSieg 2009 in Ber­lin von die­ser De­bat­te be­glei­tet wird – wei­ter ge­gen Frauen lau­fen darf. Nach An­sicht des frü­he­ren US-Welt­re­kord­läu­fers Micha­el John­son wird es nicht ein­fach sein, da­bei auch Se­me­nya und an­de­ren ähn­lich ver­an­lag­ten Sport­lern ge­recht zu wer­den: „Es ist nicht Cas­ter Se­me­nyas Feh­ler, und man kann ihr das Recht zu star­ten nicht ein­fach neh­men.“Die Süd­afri­ka­ne­rin hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die 800 Me­ter do­mi­niert. Für Han­na Klein war im WM-Fi­na­le über 1500 Me­ter das Se­me­nya-The­ma („Sie soll ei­ne sehr net­te Da­me sein“) und die Kon­kur­renz noch ganz weit weg. Den­noch war sie glück­lich und zu­frie­den mit dem vor­letz­ten Platz und 4:06,22 Mi­nu­ten. „Ich bin nicht Letz­te ge­wor­den und ha­be die frü­he­re Welt­meis­te­rin Gen­ze­be Di­ba­ba ge­schla­gen“, sag­te sie. „Da­mit ha­be ich es auch ver­dient, im Fi­na­le ge­we­sen zu sein.“ 2. BUN­DES­LI­GA VOM MON­TAG RE­GIO­NAL­LI­GA BAY­ERN V. DI­ENS­TAG

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