War­um Was­ser nicht knapp, aber ein The­ma ist

Was es mit dem Ab­koch­ge­bot in Bobingen auf sich hat und war­um ei­ni­ge Men­schen nun ein gro­ßes Pro­blem ha­ben. Nach­bar­schafts­hil­fe tut Not

Schwabmuenchner Allgemeine - - Raum Bobingen | Stauden -

Bobingen Stil­les Mi­ne­ral­was­ser war am Mon­tag­abend und am Di­ens­tag­vor­mit­tag nicht nur in Bo­bin­gens Su­per­märk­ten ge­fragt. Die La­ger zeig­ten sich zu­nächst stark ge­lich­tet. So­gar in Groß­ait­in­gen spür­te der dor­ti­ge Ede­ka ei­nen plötz­li­chen An­sturm auf ei­ne gro­ße Pa­let­te mit Sech­ser­packs der 1,5-Li­ter-Fla­schen. Am Mon­tag um 19 Uhr ging die letz­te Pa­ckung weg. Spru­deln­des Was­ser war noch ge­nü­gend da. Al­di in Bobingen zeig­te gleich nach dem Ein­gang, dass Was­ser­man­gel je­doch kein The­ma ist. Pa­let­ten­wei­se wur­den Was­ser­pa­ke­te nach vor­ne ge­rückt. Für die Lo­gis­tik­ket­ten der gro­ßen Märk­te ist ein Zu­satz­be­darf auf ei­nem be­grenz­ten Markt wie Bobingen kein Pro­blem. Zu­mal die Stadt­ver­wal­tung die Lä­den schon am Mon­tag­nach­mit­tag in­for­miert hat­te, da­mit sie nach­be­stel­len kön­nen. Denn wer Trink­was­ser nicht ab­ko­chen will, greift ein­fa­cher zur Fla­sche.

Kon­trol­len wur­den wei­ter ver­schärft

Auch im Lei­tungs­netz von Bobingen herrscht kein Was­ser­man­gel. Der in ei­ner Pro­be vom Frei­tag ent­deck­te Keim zwingt al­ler­dings vor­sorg­lich zur Vor­sicht. Am Sams­tag war die Was­ser­pro­be wie­der lu­pen­rein. Seit­her wur­den die Kon­trol­len je­doch stark ver­schärft.

Ent­nom­men wer­den sie nicht nur am Hoch­be­häl­ter bei Straß­berg, son­dern zu­nächst an vier wei­te­ren Stel­len im Netz, in­zwi­schen so­gar an al­len zehn End­punk­ten der gro­ßen Äs­te in Bo­bin­gens Lei­tungs­netz. Es ist ins­ge­samt hun­dert Ki­lo­me­ter lang. Nir­gends darf ein Keim sein. Dar­um harrt die Stadt den täg­li­chen La­bor­be­fun­den ent­ge­gen.

Das lan­ge War­ten auf La­bor­wer­te

Gibt es in Bo­bin­gens Trink­was­ser ein ers­tes An­zei­chen für bal­di­ge Ent­war­nung und da­mit ein En­de der Ab­ko­ch­emp­feh­lung? Am Di­ens­tag­vor­mit­tag blieb im Rat­haus in Bobingen ein er­hoff­tes La­bo­r­er­geb­nis da­zu aus. Grund: Fei­er­tag in Augs­burg, Frie­dens­fest. Bür­ger­meis­ter Bernd Mül­ler kün­dig­te an, ei­ne Än­de­rung der La­ge um­ge­hend be­kannt zu ge­ben.

Hin­ter­grund: Die Stadt Bobingen lie­fert täg­lich Was­ser­pro­ben an ein La­bor in Augs­burg. Die Ana­ly­se dau­ert et­wa 18 St­un­den. So­mit soll­te täg­lich ge­gen 10 Uhr der La­bor­wert zur Vor­ta­ges­pro­be vor­lie­gen. Aus­nah­men sind Wo­che­n­en­den und Fei­er­ta­ge, was nach An­sicht Be­tei­lig­ter kei­ne Zeit­ver­zö­ge­rung bringt, weil ein ein­zel­nes gu­tes Er­geb­nis nicht reicht, son­dern vier Ta­ge hin­ter­ein­an­der der Be­fund für co­li­for­me Bakterien Null be­tra­gen muss. Au­ßer­dem muss En­de der Wo­che die in ei­ner Re­vi­si­on be­find­li­che Kam­mer im Hoch­be­häl­ter ge­füllt und auf Keim­frei­heit ge­tes­tet wer­den, ehe die Ab­ko­ch­emp­feh­lung zu­rück­ge­nom­men wird. Das wird wei-

te­re drei Ta­ge dau­ern, so ei­ne Kal­ku­la­ti­on der Stadt­wer­ke.

Das fra­gen nun die Bür­ger

An der Hot­li­ne der Stadt, auf der Face­book-Sei­te un­se­rer Zei­tung und per An­ruf an die Re­dak­ti­on stel­len ver­un­si­cher­te Bür­ger ih­re Fra­gen. Ei­ni­ge da­von soll­te das Ge­sund­heits­amt be­ant­wor­ten. Die­ses war je­doch ges­tern in Augs­burg nicht er­reich­bar: Frie­dens­fest.

Doch es gibt all­ge­mei­ne Hin­wei­se, die vie­les klä­ren hel­fen. Zu­nächst: Den ge­sun­den Men­schen­ver­stand nut­zen. Na­tür­lich kann man den Gar­ten wei­ter­hin aus dem Schlauch wäs­sern. Au­ßen am Schlauch, auf dem Bo­den und in der Er­de sind mehr Bakterien, als je­mals ins Trink­was­ser ge­lan­gen kön­nen. Glei­ches gilt für Tier­trän­ken. Und

je­des Hand­tuch ist voll da­von. Glaubt man Ar­chiv­bei­trä­gen zu ver­gleich­ba­ren Zwi­schen­fäl­len, gilt das ganz spe­zi­ell auch für co­li­for­me Kei­me.

Was sind ei­gent­lich co­li­for­me Kei­me?

So wird ei­ne gan­ze Fa­mi­lie an Bakterien be­zeich­net, um was es sich je­weils im Ein­zel­fall ganz ge­nau han­delt, ist nur mit viel Auf­wand zu er­mit­teln. Im Grund hat al­les sei­nen Ur­sprung im Darm von Mensch oder Tier.

Laut ei­ner Ver­öf­fent­li­chung des In­sti­tuts für Hy­gie­ne und Um­welt­me­di­zin an der Cha­rité in Ber­lin ent­schei­det, wie so oft die Do­sis. Ein ein­zel­ner Keim kann ei­nem ge­sun­den Men­schen nicht scha­den, sehr vie­le in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner Krank­heit oder Im­mun­schwä­che schon. Co­li­for­me Bakterien ma­chen die Ar­beit in un­se­rer Ver­dau­ung. Oh­ne sie könn­ten wir nicht le­ben. Doch wenn sie in an­de­re Kör­per­tei­le ge­lan­gen, et­wa ins Blut, kön­nen sie ge­fähr­lich wer­den.

Im Nor­mal­fall, so ist nach­zu­le­sen, lan­den ge­trun­ke­ne co­li­for­me Bakterien im Darm und ver­las­sen ihn von dort auf na­tür­li­chem Weg. Im ex­tre­men Fall al­ler­dings sehr be­schleu­nigt. Mehr dürf­te heu­te vom Ge­sund­heits­amt zu er­fah­ren sein, falls De­tails über den Keim be­kannt sind.

War­um nicht ein­fach chlo­ren?

Be­sit­zer von Swim­ming­pools ver­mei­den die­ses Pro­blem mit ei­ner Chlor­ta­blet­te im Be­cken. Kei­nes die­ser Bakterien über­lebt das. Doch die che­mi­sche Keu­le wä­re die al­lerauch letz­te Op­ti­on bei ei­ner Ve­r­un­rei­ni­gung im Lei­tungs­netz, sa­gen die Stadt­wer­ke. Da­nach wä­re das Was­ser schließ­lich auch kein Genuss.

Je­der kann jetzt hel­fen

Ei­ne Wo­che mit Ab­koch­ge­bot zu le­ben, ist für die meis­ten Men­schen wohl kein Pro­blem. Für ei­ni­ge je­doch sehr. Ei­ne An­ru­fe­rin zeig­te dies schüch­tern auf: Sie ist alt, ge­brech­lich, kauft ab und zu mit ei­nem klei­nen Wä­gel­chen ein. Schwe­re Was­ser­fla­schen kann sie nicht schlep­pen. Nach­barn will sie nicht fra­gen: „Ich will nie­man­dem zur Last fal­len.“Ähn­li­che Sor­gen dürf­ten Al­lein­ste­hen­de ha­ben, die krank sind oder mit Han­di­cap le­ben. Wenn je­der schaut, ob sein Nach­bar solch ein Pro­blem ha­ben könn­te, wä­re das ei­ne gu­te Tat.

Fo­tos: Pitt Schu­ri­an

In die­sem Hoch­be­häl­ter na­he am Grill­platz von Straß­berg ist zu­min­dest ein Keim ins Trink­was­ser ge­langt. Die Fol­gen sind sehr groß.

Am Was­ser­werk der Stadt Bobingen bei Straß­berg ist für In­ter­es­sen­ten sche­ma­tisch dar­ge­stellt, wel­chen Weg das Trink­was­ser nimmt.

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