De­bat­te um Mi­li­tär­aus­ga­ben

US-For­de­rung spal­tet die deut­sche Po­li­tik

Schwaebische Zeitung (Alb-Donau) - - ERSTE SEITE -

(dpa) - Wi­der­stand und Un­ter­stüt­zung – die von der US-Re­gie­rung ge­for­der­te Er­hö­hung der Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben sorgt für Dis­kus­sio­nen. Der Wehr­be­auf­trag­te des Bun­des­tags, Hans-Pe­ter Bar­tels, be­für­wor­tet die An­kün­di­gung von Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU), sich da­für ein­zu­set­zen. Dies sei „wich­tig und be­mer­kens­wert“, sag­te der SPD-Po­li­ti­ker. Von der Ley­en hat­te die For­de­run­gen „plau­si­bel“ge­nannt. In sei­ner Par­tei steht Bar­tels aber al­lei­ne da. Ver­tei­di­gungs­ex­per­te Rai­ner Ar­nold nann­te das Zwei-Pro­zent-Ziel im Par­tei­or­gan „Vor­wärts“„uto­pisch“, „un­nö­tig“und „nicht sach­ge­recht“. Deutsch­land müs­se dann 66 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr in­ves­tie­ren. 2014 hat­ten sich die Na­to-Part­ner das Ziel ge­setzt, ih­re Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben bis 2024 auf zwei Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts zu stei­gern. Deutsch­lands Quo­te lag zu­letzt bei 1,2 Pro­zent.

- Der Kampf der Po­li­tik ge­gen Fal­sch­nach­rich­ten im Wahl­jahr dür­fe nicht in Zen­sur oder ein ge­ne­rel­les „Lü­ge­ver­bot“aus­ar­ten, fin­det der frü­he­re Bun­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te Pe­ter Schaar. Im Ge­spräch mit Ale­xei Ma­kart­sev for­dert er die so­zia­len Netz­wer­ke da­zu auf, der Ver­brei­tung von Fa­ke News und So­ci­al Bots ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Die Bun­des­re­gie­rung will bald ge­gen die Fal­sch­nach­rich­ten im In­ter­net ge­setz­lich vor­ge­hen. Ist ein sol­ches Ge­setz not­wen­dig?

Nein, denn ein Lö­schungs­an­spruch von un­zu­läs­si­gen In­hal­ten be­steht be­reits nach dem heu­ti­gen Tele­me­di­en­ge­setz. Al­ler­dings könn­te ich mir in ei­ni­gen Be­rei­chen Ge­set­zes­ver­schär­fun­gen vor­stel­len, et­wa in der Fra­ge, in wel­cher Frist das Netz­werk die Be­schwer­den prü­fen muss. Heu­te heißt es „un­ver­züg­lich“, aber die­ser Be­griff bie­tet zu viel In­ter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum. Statt­des­sen müss­te man ei­ne kla­re Frist – et­wa 24 St­un­den – set­zen. Zwei­tens könn­te der „Be­schwer­de­but­ton“, mit dem man In­hal­te mar­kie­ren und an den Be­trei­ber der Platt­form sen­den kann, ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben wer­den. Mann soll­te die­se Pro­ble­ma­tik auch im EU-Recht auf­grei­fen, et­wa in der ge­plan­ten eP­ri­va­cy-Ver­ord­nung. Denn es nützt we­nig, wenn wir wei­ter sehr un­ter­schied­li­che na­tio­na­le Re­ge­lun­gen ha­ben.

Wä­ren am En­de Buß­gel­der das wirk­sams­te Mit­tel, um das aku­te Pro­blem der Fa­ke News in den Griff zu be­kom­men?

Buß­gel­der set­zen kla­re Re­geln vor­aus, auch au­ßer­halb des Straf­rechts. Wir müs­sen uns aber fra­gen: Muss man wirk­lich ge­gen je­den vor­ge­hen, der wis­sent­lich die Un­wahr­heit ver­brei­tet? Ein ge­ne­rel­les „Lü­ge­ver­bot“hiel­te ich für un­sin­nig.

Face­book hat Fak­ten­checks mit dem Re­cher­che­zen­trum Cor­rec­tiv ein­ge­führt. Ist das ei­ne gu­te Idee?

Ei­ne sol­che Ko­ope­ra­ti­on ist sinn­vol­ler als die Kon­trol­le durch ei­ne Be­hör­de. In den öf­fent­li­chen De­bat­ten wer­den häu­fig Din­ge be­haup­tet, die falsch sind. Wenn wir je­doch das Auf­de­cken sol­cher Un­wahr­hei­ten dem Staat über­lie­ßen, wä­re das Zen­sur­ri­si­ko groß. Ein „Wahr­heits­mi­nis­te­ri­um“brau­chen wir nicht. Un­ab­hän­gi­ge Re­cher­cheu­re kön­nen das bes­ser, in­dem sie et­wa den Fal­sch­nach­rich­ten ih­re Be­wer­tun­gen an­fü­gen, die der Nut­zer zur Kennt­nis neh­men kann. Gra­vie­ren­de Fal­sch­mel­dun­gen, die in schä­di­gen­der Ab­sicht ge­pos­tet wer­den, soll­ten die Netz­wer­ke aber lö­schen.

Ist die Furcht der Po­li­tik in Deutsch­land vor Des­in­for­ma­ti­on und Fal­sch­nach­rich­ten im Wahl­jahr 2017 ge­ne­rell über­trie­ben?

Nein, ich hal­te ih­re Be­fürch­tun­gen für be­rech­tigt. Dar­um brau­chen wir ein ge­ord­ne­tes und trans­pa­ren­tes Ver­fah­ren, wie man fal­sche Nach­rich­ten kenn­zeich­net oder ver­hin- dert. Die Be­trei­ber der Netz­wer­ke ste­hen hier in der Ver­ant­wor­tung.

Die Uni­on und SPD fa­vo­ri­sie­ren die Ein­füh­rung ei­ner spe­zi­el­len Rechts­schutz­stel­le bei den Netz­wer­ken. Ist das sinn­voll?

Face­book könn­te sich ei­ne Rechts­schutz­stel­le pro­blem­los leis­ten. Man muss aber prü­fen, wie sinn­voll sie bei neu­en An­bie­tern wä­re, die mit we­nig Ka­pi­tal auf dem Markt star­ten. Es ist wich­tig, dass die Netz­wer­ke ih­re An­sprech­part­ner be­nen­nen, die Be­schwer­den von Usern über­prü­fen. Wie man das ge­nau ge­stal­tet, ist letzt­lich zweit­ran­gig.

Muss man Face­book da­zu zwin­gen, die Iden­ti­tä­ten von po­ten­zi­el­len Straf­tä­tern, die et­wa der Volks­ver­het­zung ver­däch­tigt wer­den, an die Jus­tiz her­aus­zu­ge­ben?

Sol­che Ver­pflich­tun­gen gibt es heu­te schon bei lau­fen­den Straf­ver­fah­ren. Manch­mal wird dann aber be­haup­tet, die Da­ten sei­en im Aus­land. Das fin­de ich in­ak­zep­ta­bel. Wenn Face­book in Deutsch­land tä­tig ist, muss es ent­spre­chen­de Da­ten her­aus­ge­ben und hier ei­nen Ver­tre­ter für zeu­gen­schaft­li­che Ver­neh­mun­gen be­nen­nen, selbst wenn sein Haupt­sitz in Ir­land liegt.

Wie wahr­schein­lich ist es, dass im Bun­des­tags­wahl­kampf die So­ci­al Bots zum Ein­satz kom­men?

Auch die­se Ge­fahr ist re­al. Die Bots kön­nen die Mecha­nis­men der Netz­wer­ke zur Selbst­kon­trol­le von In­hal­ten un­ter­lau­fen. Sie ma­ni­pu­lie­ren die Wahr­heit und er­zeu­gen ei­nen fal­schen An­schein der Öf­fent­lich­keit. Wenn es nur dar­um geht, wer bes­ser pro­gram­miert und die Ro­bo­ter am skru­pel­lo­ses­ten ein­setzt, dann ent­wer­tet und zer­stört das nicht nur die so­zia­len Netz­wer­ke, son­dern ge­fähr­det auch un­se­re De­mo­kra­tie.

Wie geht man al­so ge­gen die Ro­bo­ter im Netz am bes­ten vor?

Die Par­tei­en, die bei der Wahl an­tre­ten, müs­sen sich ver­pflich­ten, sie nicht ein­zu­set­zen. Es ge­hört aber auch zu den Pflich­ten der Un­ter­neh­men, die die so­zia­len Netz­wer­ke be­trei­ben, Maß­nah­men zu tref­fen, dass Nach­rich­ten von So­ci­al Bots er­kannt, ge­kenn­zeich­net und ge­ge­be­nen­falls ge­löscht wer­den. Es gibt heu­te Me­tho­den, au­to­ma­ti­sier­te Ma­ni­pu­la­tio­nen im Be­reich In­ter­net­wer­bung zu er­ken­nen und her­aus­zu­fil­tern. Die­se Tech­no­lo­gi­en könn­te man auch ge­gen die Mei­nungs­ro­bo­ter nut­zen.

FO­TO: DPA

So­zia­le Netz­wer­ke ste­hen in der Kri­tik, zu we­nig ge­gen Fa­ke News zu un­ter­neh­men.

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