Me­di­zi­ner im Hö­hen­rausch

Blau­beu­rer Arzt war mit dem Kom­man­do Spe­zi­al­kräf­te auf Tour. Im Hi­ma­la­ya.

Schwaebische Zeitung (Alb-Donau) - - ERSTE SEITE -

(sz) - Sein All­tag dreht sich um sei­ne Pa­ti­en­ten im Blau­beu­rer Alb-Do­nau Kli­ni­kum, vie­le St­un­den ver­bringt der lei­ten­de Ober­arzt der Ab­tei­lung All­ge­mein­und Vis­zer­al­chir­ur­gie, Mar­kus Tann­hei­mer, am Ope­ra­ti­ons­tisch. Doch als Re­ser­vist der Bun­des­wehr nimmt er von Zeit zu Zeit an Ex­pe­di­tio­nen des Kom­man­do Spe­zi­al­kräf­te teil. Dort kom­men sei­ne Fä­hig­kei­ten als aus­ge­bil­de­ter Ex­pe­di­ti­ons­arzt und Hee­res­berg­füh­rer zum Ein­satz. En­de ver­gan­ge­nen Jah­res war er bei der Ex­pe­di­ti­on zum 8163 Me­ter ho­hen Ma­naslu in Ne­pal da­bei.

Für das Kom­man­do Spe­zi­al­kräf­te (KSK) der Bun­des­wehr hat der Ein­satz im Ge­bir­ge ei­ne gro­ße Be­deu­tung. Des­halb führt es für sei­ne Hee­res­berg­füh­rer re­gel­mä­ßig die Aus­bil­dung „Tak­ti­sche Hö­hen­phy­sio­lo­gie“im Hochgebirge durch. 2016 soll­te ge­tes­tet wer­den, ob da­heim – in künst­li­cher Hö­he – er­folg­reich „vor­ak­kli­ma­ti­siert“wer­den kann. Über­prüft wur­de der Er­folg die­ser Vor­ak­kli­ma­ti­sa­ti­on dann bei ei­ner Ex­pe­di­ti­on zum 8163 Me­ter ho­hen Ma­naslu in Ne­pal.

Hy­po­xie­zelt zur Vor­be­rei­tung im Kel­ler

Für die me­di­zi­ni­sche Be­treu­ung wäh­rend ei­ner sol­chen Ex­pe­di­ti­on wird ein er­fah­re­ner Arzt be­nö­tigt, der sich mit Hö­hen­me­di­zin gut aus­kennt und sich auch in schwie­ri­gem Ge­län­de selb­stän­dig be­we­gen kann. Mar­kus Tann­hei­mer hat schon zahl­rei­che Ex­pe­di­tio­nen durch­ge­führt und war des­halb als er­fah­re­ner Hee­res­berg­füh­rer mit da­bei. „Zwei Wo­chen vor­her ha­be ich mit der Vor­ak­kli­ma­ti­sa­ti­on be­gon­nen. In mei­nem Kel­ler stand ein so­ge­nann­tes Hy­po­xie­zelt, in dem ich stu­fen­wei­se im­mer hö­her bis in ei­ner Hö­he von 4900 Me­tern über­nach­te­te. Tags­über ha­be ich mit Atem­mas­ke auf bis zu 6400 Me­tern trai­niert“, be­rich­tet er. Die­se Vor­ak­kli­ma­ti­sa­ti­on ha­be aus­ge­zeich­net funk­tio­niert.

Hö­hen­krank­heit blieb aus

Von Kath­man­du (1400 Me­ter) flog die Grup­pe dann per Hub­schrau­ber di­rekt nach Sa­mer­gaun (3510 Me­ter) und stieg nach ei­ner dor­ti­gen Ak­kli­ma­ti­sa­ti­ons­tour am über­nächs­ten Tag in das Ba­sis­la­ger (4880 Me­ter) auf. Nach zwei Ta­gen im Ba­sis­la­ger konn­te be­reits das Hoch­la­ger I in 5600 Me­tern Hö­he auf­ge­baut und nach wei­te­ren zwei Ta­gen so­gar schon in die­ser Hö­he über­nach­tet wer­den. Zehn Ta­ge nach Ab­flug aus Kath­man­du wur­de tags­über be­reits das Hoch­la­ger III in 6850 Me­tern Hö­he er­reicht. Kei­ner der sie­ben Ex­pe­di­ti­ons­teil­neh­mer wur­de da­bei hö­hen­krank. Dies wä­re oh­ne durch­ge­führ­te Vor­ak­kli­ma­ti­sa­ti­on un­mög­lich ge­we­sen.

Wäh­rend die ers­ten bei­den Ex­pe­di­ti­ons­wo­chen bes­tens funk­tio­nier­ten, war im wei­te­ren Ver­lauf das Wet­ter­glück der Grup­pe nicht hold. Vor al­lem der star­ke Wind und Schnee­fäl­le mach­ten der Ex­pe­di­ti­on zu schaf­fen.

Am Ma­naslu wer­den in der Re­gel drei Hoch­la­ger ein­ge­rich­tet. Vom Ba­sis­la­ger ging es auf ei­nem zwar zer­klüf­te­ten, aber re­la­tiv fla­chen Glet­scher zum Hoch­la­ger I (5600 Me­ter). Der Weg zum Hoch­la­ger II (6275 Me­ter) führ­te durch ei­nen Glet­scher­bruch mit teil­wei­se senk­rech­ten Steil­stu­fen und tie­fen Glet­scher­spal­ten. Zu­sam­men­ge­kno­te­te Alu­lei­tern wur­den hier als Brü­cken ver­wen­det. Ei­ne ge­fähr­lich in­sta­bi­le Lei­ter­brü­cke re­pa­rier­te die Grup­pe bei ei­nem ih­rer Auf­stie­ge. Der Weg zum Hoch­la­ger III führ­te dann über wei­te, teil­wei­se bis 40 Grad stei­le Schnee­flan­ken. Mit dem Hoch­la­ger III wur­de der Gip­fel­grat er­reicht, der sehr wind­ex­po­niert ist. Von hier nah­men der Arzt aus Blau­beu­ren und das KSK die letz­te Etap­pe zum Gip­fel in An­griff.

Wind und Schnee­fäl­le ver­hin­dern Gip­fel­sturm

Die Sol­da­ten star­te­ten meist mit­tags, um in 7400 Me­tern Hö­he noch ein letz­tes La­ger für ei­ne kur­ze sechs- bis acht­stün­di­ge Ver­pfle­gungs­rast auf­zu­bau­en und sich dann um kurz nach Mit­ter­nacht wei­ter in Rich­tung Gip­fel auf­zu­ma­chen. So wa­ren sie et­wa 24 St­un­den auf dem Gip­fel­grat un­ter­wegs. Drei Mal er­reich­ten die Teil­neh­mer das Hoch­la­ger III – um es auf­zu­bau­en und für den Ma­te­ri­al­trans­port. Beim Gip­fel­ver­such konn­te durch ein­set­zen­den Sturm mit Wind­stär­ken von bis zu 70 St­un­den­ki­lo­me­tern nicht wei­ter hoch­ge­stie­gen wer­den. Die nächs­ten Ta­ge ver­hin­der­ten ein­set­zen­de Schnee­fäl­le je­de wei­te­re Ak­ti­vi­tät am Berg, auch war die La­wi­nen­ge­fahr am Ma­naslu an den wei­ten, aus­ge­setz­ten Schnee­flan­ken nicht zu un­ter­schät­zen.

Von der Ex­pe­di­ti­on blie­ben trotz des aus­ge­blie­be­nen Gip­fel­er­folgs un­ver­gess­li­che Ein­drü­cke zu­rück. Al­le Teil­neh­mer der Ex­pe­di­ti­on ka­men ge­sund und wohl­auf wie­der zu­rück. Mar­kus Tann­hei­mer hat­te in­des kaum et­was zu tun, die KSK-Sol­da­ten wa­ren gut vor­be­rei­tet. Hil­fe be­nö­tig­te hin­ge­gen ein an­de­rer Berg­stei­ger: ein Teil­neh­mer ei­ner Ex­pe­di­ti­on der bri­ti­schen Spe­zi­al­kräf­te.

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Rast im Ma­naslu-La­ger I mit dem Ost­gip­fel im Hin­ter­grund: Auf die Ex­pe­di­ti­on in meh­re­ren tau­send Me­tern Hö­he be­rei­te­te sich der Arzt Mar­kus Tann­hei­mer vor, in dem er zu­hau­se in ei­nem spe­zi­el­len Zelt schlief und tags­über mit Atem­mas­ke auf ei­nem Fahr­rad trai­nier­te.

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Als Re­ser­vist der Bun­des­wehr war Arzt Mar­kus Tann­hei­mer für die Ge­sund­heit der Son­der­ein­heit der Bun­des­wehr zu­stän­dig. Hier zo­gen sie vom La­ger I zu La­ger II – durch ei­nen Glet­scher­bruch.

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Tags­über be­rei­te­te sich Mar­kus Tann­hei­mer, Re­ser­vist der Bun­des­wehr, auf das Kli­ma in ex­tre­mer Hö­he mit Atem­mas­ke und auf ei­nem Fahr­rad vor.

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