Flur­be­rei­ni­gung: 422 Grund­stü­cke blei­ben üb­rig

Das Ver­fah­ren in Altshausen, Eich­ste­gen und Boms wird nach 16 Jah­ren ab­ge­schlos­sen

Schwaebische Zeitung (Bad Saulgau) - - ALTSHAUSEN/OSTRACH - Von Bar­ba­ra Baur

ALTSHAUSEN - Die Flur­be­rei­ni­gung „Al­ter Wei­her“ist of­fi­zi­ell be­en­det, die Teil­neh­mer­ge­mein­schaft ist bei ei­ner Ab­schluss­sit­zung am Don­ners­tag im Sit­zungs­saal in der Al­ten Post auf­ge­löst wor­den. Pro­jekt­lei­ter Lothar All­gai­er lob­te den Zei­t­raum von 16 Jah­ren, in de­nen die Flur­be­rei­ni­gung ab­ge­ar­bei­tet wur­de. „Das ist zwar ei­ne lan­ge Zeit, aber wir ha­ben zü­gig dar­an ge­ar­bei­tet“, sag­te er. Das Ziel, grö­ße­re und wirt­schaft­li­che­re Ein­hei­ten zu schaf­fen und sie über We­ge zu er­schlie­ßen, sei er­reicht wor­den. Statt 793 gibt es jetzt noch 422 Flur­stü­cke.

„Im De­zem­ber 2001 fiel der Be­schluss für die Flur­be­rei­ni­gung“, sag­te All­gai­er in sei­nem Rück­blick. 2002 sei der Vor­stand ge­wählt wor­den, im glei­chen Jahr be­gon­nen Sach­ver­stän­di­ge mit der Wer­ter­mitt­lung. Denn um die Grund­stü­cke am En­de des Ver­fah­rens wie­der mög­lichst ge­recht zu ver­tei­len, muss auch die Qua­li­tät des Bo­dens be­rück­sich­tigt wer­den. Um den Wert ei­nes Grund­stücks zu er­mit­teln, wird ein Loch in den Bo­den ge­gra­ben – ein so­ge­nann­ter Stich.

„Über Bo­den­pro­ben wird kon­trol­liert, ob die Be­schrei­bung aus den 30er-Jah­ren noch passt“, er­läu­ter­te All­gai­er. Denn dies sei­en die Wer­te ge­we­sen, nach de­nen die Grund­stü­cke zu­letzt be­ur­teilt wor­den wa­ren. Pro­ben aus meh­re­ren Tau­send Sti­chen er­ga­ben, dass die­se Wer­te noch im­mer stim­men. Nach der Er­mitt­lung der Wer­te wur­den die Grund­stü­cke in Bo­den­klas­sen grup­piert. Über GPS wur­de do­ku­men­tiert, wo die Sti­che ge­macht wur­den. „Schon ein Jahr spä­ter, im Sep­tem­ber 2003, wur­de die Wer­tig­keit der al­ten Flä­chen fest­ge­stellt“, sag­te All­gai­er.

Zwei Jah­re lang wird ge­baut

An­schlie­ßend, 2004 und 2005, er­folg­te die We­ge- und Ge­wäs­ser­pla­nung. Im April 2005 wur­den die Pla­nun­gen ge­neh­migt. Au­ßer­dem wur­den die Kos­ten in Hö­he von ins­ge­samt 1,3 Mil­lio­nen Eu­ro be­wil­ligt. 77 Pro­zent der Kos­ten wur­den über Zu­schüs­se ge­deckt. Der Spa­ten­stich für den Wege­bau fand am 20. April 2006 statt. „In ei­ner zwei­jäh­ri­gen Bau­pha­se wur­de das We­ge­netz her­ge­stellt“, sag­te All­gai­er. „Die We­ge wer­den zwar den ak­tu­el­len An­for­de­run­gen ge­recht, aber sie könn­ten an man­chen Stel­len noch brei­ter sein“, sag­te er im Hin­blick auf die im­mer grö­ßer wer­den­den Land­ma­schi­nen. Po­si­tiv sei, dass nun al­le Fel­der über We­ge er­reich­bar sind. „Vor­her muss­ten man­che Land­wir­te über be­nach­bar­te Grund­stü­cke fah­ren, weil ihr Grund­stück nicht ans We­ge­netz an­ge­bun­den war“, be­rich­te­te All­gai­er.

Mit Blick auf zwei Luft­auf­nah­men – ei­ne stamm­te aus der Zeit vor der Flur­be­rei­ni­gung, die an­de­re zeig­te die ak­tu­el­le Ein­tei­lung der Grund­stü­cke – zeig­te All­gai­er die Vor­tei­le auf, die sich über das Ver­fah­ren für die Ei­gen­tü­mer er­ge­ben ha­ben. Zum ei­nen sei­en die Grund­stü­cke nun deut­lich grö­ßer. „Die Zu­sam­men­le­gung konn­te bis 7:1 er­fol­gen. Das heißt, dass aus bis zu sie­ben Grund­stü­cken ein Grund­stück wur­de“, sag­te er. Er ver­deut­li­che auch, dass die neu­en Zu­schnit­te den Land­wir­ten die Ar­beit er­leich­tern. „Sie sind schön ge­rad­li­nig ge­formt“, sag­te er. Zu­vor sei­en vie­le Fel­der krumm ge­we­sen oder hät­ten spitz zu­lau­fen­de Ecken ge­habt.

Un­fall­schwer­punkt ent­schärft

Im Rah­men des Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­rens sei au­ßer­dem Lit­zel­bach bes­ser an die L 286 an­ge­bun­den wor­den. Es wur­de ei­ne Links­ab­bie­ge­spur ge­baut und die Ge­mein­de­ver­bin­dungs­stra­ße so ver­legt, dass sie nicht mehr dia­go­nal durch die Fel­der ver­läuft. „Dort kam es frü­her im­mer wie­der zu Un­fäl­len. Die­ser Un­fall­schwer­punkt konn­te ent­schärft wer­den“, sag­te All­gai­er. Auch die Er­schlie­ßung von Ein­zel­hö­fen sei ver­bes­sert wor­den.

Ein wich­ti­ger Baustein sei auch der Na­tur­schutz ge­we­sen. „Es konn­ten elf Hekt­ar in den Rand­be­rei­chen er­wor­ben wer­den“, sag­te All­gai­er. Für den Na­tur­schutz sei­en dies hoch­wer­ti­ge Flä­chen. Vor al­lem am Rand des Alts­hau­ser Wei­hers ha­be man ver­sucht, die In­ter­es­sen der Land­wirt­schaft und des Na­tur­schut­zes zu ent­flech­ten. Schließ­lich ha­be Pro Re­gi­on ein Be­wei­dungs­kon­zept er­stellt. Auf­grund feh­len­der We­ge sei frü­her ein Um­run­den des Wei­hers für Fuß­gän­ger nicht mög­lich ge­we­sen. Im Rah­men der Neu­ord­nung sei nun ein Rund­wan­der­weg aus­ge­wie­sen wor­den. „Er be­fin­det sich zwi­schen in­ten­siv und ex­ten­siv be­wirt­schaf­te­ten Flä­chen.

Fünf Bän­ke für Wan­de­rer

Ein Re­gen­rück­hal­te­be­cken ist in den Be­sitz der Ge­mein­de Altshausen über­gan­gen. Au­ßer­dem wur­de 2015 in Lit­zel­bach ein Feld­kreuz ein­ge­weiht, das der aus Pfullendorf stam­men­de Künst­ler Pe­ter Klink aus al­ten ei­ser­nen Ra­drei­fen ge­stal­tet hat. Zu­sätz­lich wur­den auf die Flä­che des Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­rens ver­teilt fünf Sitz­bän­ke auf­ge­stellt, von de­nen aus Spa­zier­gän­ger oder Wan­de­rer bei ei­ner Pau­se ih­ren Blick über die ober­schwä­bi­sche Land­schaft schwei­fen las­sen kön­nen.

2017 wur­den nach ei­ni­gen Rest­ar­bei­ten noch die Grund­buch- und die Ka­tas­ter­be­rich­ti­gungs­un­ter­la­gen er­stellt so­wie das En­de des Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­rens fest­ge­stellt. Pe­ter Hil­sen­beck, der al­le Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren im Land­kreis Ra­vens­burg be­treut, be­dank­te sich bei den Teil­neh­mern, al­len vor­an bei Her­bert Nus­ser, dem Vor­sit­zen­den der Teil­neh­mer­ge­mein­schaft. „Oh­ne die eh­ren­amt­li­chen Ak­teu­re vor Ort wä­re solch ein Ver­fah­ren nicht mög­lich“, sag­te er. „Sie ha­ben sehr viel Zeit in­ves­tiert, um zu or­ga­ni­sie­ren.“Am En­de der Sit­zung über­reich­te er Ur­kun­den, die Pe­ter Hauk (CDU), Lan­des­mi­nis­ter für Länd­li­chen Raum und Ver­brau­cher­schutz, un­ter­zeich­net hat.

FO­TOS: BAR­BA­RA BAUR

Die­sen Som­mer ha­ben sich Ver­tre­ter der Flur­be­rei­ni­gungs­be­hör­de, der Teil­neh­mer, des Na­tur­schut­zes und der be­tei­lig­ten Ge­mein­den bei ei­nem Vo­r­Ort-Ter­min Aus­gleichs­flä­chen an­ge­se­hen, hier ei­ne so­ge­nann­te Bunt­bra­che, die be­son­ders ar­ten­reich ist.

Die Flur­be­rei­ni­gung en­det mit ei­ner Ab­schluss­sit­zung in Altshausen.

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