Au­len­dor­fer Se­nio­rin er­kennt „En­kelt­rick“

Chris­tel Leh­mann wähnt sich im Te­le­fon­ge­spräch mit ih­rem Nef­fen – Bit­te um Bar­geld weckt Miss­trau­en

Schwaebische Zeitung (Bad Waldsee / Aulendorf) - - AULENDORF -

AU­LEN­DORF (pau) - Nie hät­te Chris­tel Leh­mann ge­dacht, dass sie ein­mal auf ei­nen te­le­fo­ni­schen Trick­be­trü­ger her­ein­fal­len wür­de. Und trotz­dem hat die Au­len­dor­fer Se­nio­rin jüngst ei­nen An­ru­fer für ih­ren Nef­fen ge­hal­ten. Erst als der An­ru­fer sie ein­dring­lich um Bar­geld bit­tet, ist sich die 74-Jäh­ri­ge si­cher: Hier ver­sucht sie je­mand mit dem so­ge­nann­ten „En­kelt­rick“her­ein­zu­le­gen. Leh­mann hat das Ge­spräch als Ge­dächt­nis­pro­to­koll nie­der­ge­schrie­ben und der „Schwä­bi­schen Zei­tung“den Vor­fall ge­schil­dert, um da­vor zu war­nen.

Der Trick mit dem Na­men

Es ist ein Frei­tag­nach­mit­tag, als Chris­tel Leh­mann auf ih­rem Bett liegt, et­was Gym­nas­tik macht und das Te­le­fon klin­gelt. „Ei­ne mir ganz ver­trau­te Stim­me sag­te: Hal­lo, grüß dich, wie geht es dir?“, be­rich­tet sie. Gut ge­launt rief sie „Guuut, ich ma­che ge­ra­de Gym­nas­tik auf dem Bett“in den Hö­rer. „Das ist sehr lo­bens­wert und gut“, ha­be die Stim­me auf der an­de­ren Sei­te der Lei­tung ge­ant­wor­tet. Chris­tel Leh­mann hält den Mann zu die­sem Zeit­punkt be­reits für ih­ren Nef­fen Lars, der in Ham­burg wohnt.

„Ich ha­be mich im­mer ge­wun­dert, wie man dar­auf rein­fal­len kann“, sagt sie, aber die Stim­me mit dem nie­der­säch­si­schen Hoch­deutsch ha­be eben ge­nau wie die ih­res Nef­fen ge­klun­gen. Leh­mann hält das für Zu­fall. Wä­re es ei­ne an­de­re Stimm­la­ge und Dia­lekt ge­we­sen, hät­te sie den An­ru­fer mög­li­cher­wei­se eben für ei­nen an­de­ren Be­kann­ten ge­hal­ten. Sie ha­be ei­nen gro­ßen Be­kann­ten­kreis.

Da­zu kommt, dass der An­ru­fer nach dem freund­li­chen Ein­stieg in das Ge­spräch es ihr über­ließ, sei­nen Na­men zu nen­nen. „Ich bin der ...“, ha­be der ver­meint­li­che Nef­fe an­ge­fan­gen, Leh­mann er­gänz­te im gut ge­laun­ten Über­schwang:

„Lars“. „Ich hät­te schwö­ren kön­nen, dass er es war“, sagt Leh­mann rück­bli­ckend. Ein „win­zi­ges in­ne­res Si­gnall­ämp­chen“leuch­te­te der 74-Jäh­ri­gen auf, als der Mann be­haup­te­te, in Ravensburg zu sein. „Mei­ne in­ne­re Stim­me sag­te: War­um hat er sich nicht wie üb­lich an­ge­mel­det, wenn er mal in die­se Ge­gend kommt“, be­rich­tet sie.

„Ich bin ein sehr wach­sa­mer Mensch und war gleich skep­tisch.“ Der „Nef­fe“ver­spricht, in den nächs­ten Ta­gen vor­bei­zu­kom­men, und kommt dann zum Punkt. In Leh­manns Pro­to­koll liest sich das so: „Ich ha­be ein Pro­blem und brau­che dei­ne Hil­fe.“– „Dann mal raus mit der Spra­che“, kon­te­re ich. „Du musst mir aber ver­spre­chen, dass du erst mal mit nie­man­dem dar­über re­dest.“– „Oh!“, den­ke ich, „nun kri­selt die Ehe doch wie­der und er hat viel­leicht ein Gs­pu­si hier in der Ge­gend. Das wür­de auch er­klä­ren, war­um er sich nicht vor­her ge­mel­det hat.“(...) „Ich ha­be Geld­pro­ble­me. Ha­be ex­tra bei der Bank nach­ge­fragt, und es sei al­les in Ord­nung, aber nun brau­che ich doch ei­ne Über­brü­ckung bis Mon­tag. Könn­test du mir da viel­leicht aus­hel­fen?“

In­ne­res Warn­lämp­chen geht an

Die Bit­te um Geld lässt das in­ne­re Warn­lämp­chen der Se­nio­rin hel­ler leuch­ten. Sie bit­tet den „Lieb­lings­nef­fen“, per­sön­lich vor­bei­zu­kom­men, um dar­über zu spre­chen, und er­klärt ihm, dass sie si­cher­ge­hen will, dass er auch wirk­lich ihr Nef­fe ist. We­der das an­geb­li­che Ver­ständ­nis noch die ein­dring­li­che Bit­te, ihm aus der Klem­me zu hel­fen, än­dern Leh­manns Mei­nung.

Zu­dem fällt ihr auf, dass der Mann häu­fig ein Wort be­nutzt, das ihr an ih­rem Nef­fen fremd vor­kommt. Be­reits ziem­lich miss­trau­isch, aber doch neu­gie­rig, hält sie das Ge­spräch am Lau­fen, bis der An­ru­fer ihr er­klärt, er be­nö­ti­ge 10 000 Eu­ro. „Was ein herz­lich schal­len­des Ge­läch­ter mei­ner­seits aus­löst – und der Kn­a­be hängt ein“, er­in­nert sie sich.

Chris­tel Leh­mann hat aus dem Vor­fall ge­lernt. Sie will sich künf­tig den voll­stän­di­gen Na­men ei­nes An­ru­fers nen­nen las­sen und auch dann wach­sam blei­ben.

FO­TO: DPA/JU­LI­AN STRATENSCHULTE

Ein an­geb­li­cher Nef­fe ist mit sei­nem Te­le­fon­an­ruf bei ei­ner Au­len­dor­fer Se­nio­rin mit dem „En­kelt­rick“auf­ge­flo­gen.

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