Au­len­dorfs Hof­gar­ten­treff star­tet 2018

In­te­gra­ti­ons­ma­nage­ment, Kr­ab­bel­grup­pe und Be­ra­tung un­ter ei­nem Dach.

Schwaebische Zeitung (Bad Waldsee / Aulendorf) - - ERSTE SEITE - Von Pau­li­na Stumm

AU­LEN­DORF - Au­len­dorf be­kommt ein Fa­mi­li­en- und In­te­gra­ti­ons­zen­trum. Es soll im kom­men­den Jahr im Erd­ge­schoss des ehe­ma­li­gen Al­ten­und Pfle­ge­heims ein­ge­rich­tet wer­den. Jetzt hat die Ca­ri­tas Bo­den­seeOber­schwa­ben De­tails der in­halt­li­chen und fi­nan­zi­el­len Kon­zep­ti­on vor­ge­stellt. Rund ei­ne Mil­li­on Eu­ro sind für die kom­men­den drei Jah­re für das Pro­jekt ver­an­schlagt, das auch aus dem „Pakt für In­te­gra­ti­on“des Lan­des Ba­den-Würt­tem­berg mit­fi­nan­ziert wird. Der Ge­mein­de­rat hat der Kon­zep­ti­on am Mon­tag­abend mehr­heit­lich zu­ge­stimmt.

Hof­gar­ten­treff, so soll das künf­ti­ge Fa­mi­li­en- und In­te­gra­ti­ons­zen­trum hei­ßen. Un­ter sei­nem Dach wird es all­ge­mei­ne Be­ra­tungs- und Be­schäf­ti­gungs­an­ge­bo­te für Fa­mi­li­en in un­ter­schied­li­chen Le­bens­pha­sen, auch für äl­te­re Men­schen, aber auch spe­zi­el­le An­ge­bo­te für Men­schen mit Flucht- und Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund ge­ben. Da­bei sol­len die An­ge­bo­te nicht iso­liert für sich ste­hen, son­dern im Treff ver­netzt wer­den. Das Fa­mi­li­en- und In­te­gra­ti­ons­zen­trum soll ein Ort der Be­geg­nung, Be­ra­tung, Be­tei­li­gung, Bil­dung, Be­we­gung und Be­treu­ung sein, heißt es in der Sit­zungs­vor­la­ge. Was ge­nau das be­deu­tet, er­läu­ter­ten An­ge­li­ka Hipp-Strei­cher und Stefan Fi­scher von der Ca­ri­tas Bo­den­see-Ober­schwa­ben.

Sprach­li­che De­fi­zi­te bei Au­len­dor­fer Kin­dern be­män­gelt

Im Fa­mi­li­en­treff will die Ca­ri­tas ne­ben ei­ge­nen An­ge­bo­ten auch Raum für selbst or­ga­ni­sier­te Grup­pen bie­ten. Das kön­nen et­wa El­tern-Kin­dG­rup­pen sein, An­ge­bo­te zur Stär­kung der Er­zie­hungs­kom­pe­tenz, Spiel­ak­tio­nen, Tref­fen von Selbst­hil­fe­grup­pen, aber auch die Ver­net­zung mit der So­zi­al- und Le­bens­be­ra­tung, der Schwan­ger­schafts­be­ra­tung oder der Ta­ges­müt­ter­ver­mitt­lung. Die heu­ti­gen Flücht­lin­ge, spann­te Hip­pStrei­cher den Bo­gen zum In­te­gra­ti­ons­zen­trum, wer­den künf­tig die Mi­gran­ten in Au­len­dorf sein und da­her im Hof­gar­ten­treff die Mög­lich­keit ha­ben, ei­ge­ne An­ge­bo­te ein­zu­brin­gen. Auch die Sprach­för­de­rung von Klein­kin­dern, et­wa in Kr­ab­bel- oder Be­ra­tungs­grup­pen, ver­bin­det ei­ne In­te­gra­ti­ons­auf­ga­be mit der Fa­mi­li­en­för­de­rung im Hof­gar­ten­treff. „Wir mer­ken, dass bei Kin­dern aus un­ter­schied­li­chen Bil­dungs­mi­lieus De­fi­zi­te da sind“, be­fand Hipp-Strei­cher.

Sprach­för­der­an­ge­bo­te für Fa­mi­li­en mit Mi­gra­ti­ons- und Flucht­hin­ter­grund sind zu­dem ein Kern­punkt des In­te­gra­ti­ons­zen­trums. Kin­der in Au­len­dorf brin­gen, so geht es aus der Sit­zungs­vor­la­ge her­vor, bei Schul­ein­tritt schlech­te sprach­li­che Vor­aus­set­zun­gen mit. Das ge­he aus ei­nem Be­richt des Land­krei­ses zur Si­tua­ti­on der Sprach­kom­pe­tenz der Kin­der mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund und Kin­dern aus bil­dungs­be­nach­tei­lig­ten Fa­mi­li­en her­vor.

„Au­len­dorf hat Nach­hol­be­darf bei der Sprach­för­de­rung“, be­fand ent­spre­chend Hipp-Strei­cher. Das Fa­mi­li­en- und In­te­gra­ti­ons­zen­trum soll da­her die frü­he Sprach­för­de­rung von Klein­kin­dern in den Blick neh­men, aber auch die Sprach­för­de­rung in Ko­ope­ra­ti­on mit Kin­der­gär­ten und Schu­len aus­wei­ten. „Wir hal­ten es für unabdingbar, dass die El­tern mit in die Ver­ant­wor­tung ge­nom­men wer­den“, stell­te Fi­scher da­zu klar. Auch die sprach­li­che För­de­rung et­wa von Müt­tern mit Klein­kin­dern, die bis­lang nicht an Sprach­kur­sen teil­neh­men konn­ten, soll im Hof­gar­ten­treff in den Blick ge­nom­men wer­den.

Un­ter­stüt­zung beim Fa­mi­li­en­nach­zug ist Auf­ga­be

Ei­ne spe­zi­fi­sche Auf­ga­be des In­te­gra­ti­ons­be­reichs wird das In­te­gra­ti­ons­ma­nage­ment sein – im Prin­zip ei­ne Fort­set­zung der bis­he­ri­gen Flücht­lings­so­zi­al­ar­beit, ge­för­dert mit Mit­teln aus dem „Pakt für In­te­gra­ti­on“ des Lan­des. Die­se wird, so hat es der Ge­mein­de­rat nun be­schlos­sen, die Ca­ri­tas Bo­den­seeOber­schwa­ben über­neh­men. Ziel­grup­pe sind zu­ge­wan­der­te Men­schen mit ge­si­cher­tem und ge­dul­de­tem Auf­ent­halts­sta­tus in der An­schluss­un­ter­brin­gung in Au­len­dorf. Da­bei geht es dar­um, die ein­zel­nen Ge­flüch­te­ten per­sön­lich zu be­ra­ten und ei­nen In­te­gra­ti­ons­plan mit kon­kre­ten Zie­len aus­zu­ar­bei­ten. Da­bei geht es so­wohl um Fra­gen des all­täg­li­chen Le­bens als auch um Ar­beits­markt­in­te­gra­ti­on, ge­sund­heit­li­che Fra­ge­stel­lun­gen im Zu­sam­men­hang mit Trau­ma­ti­sie­run­gen oder die Ein­bin­dung in so­zia­le Netz­wer­ke. Die Ar­beit ge­sche­he, so Fi­scher, in Ab­stim­mung mit dem Job­cen­ter und soll ei­ne Schnitt­stel­len­funk­ti­on ha­ben, et­wa zur kirch­li­chen Wohn­raum­of­fen­si­ve oder der ge­plan­ten Lern­werk­statt. „Ein Au­len­dor­fer Spe­zi­fi­kum“sieht Fi­scher in der Tat­sa­che, dass nach Au­len­dorf fast aus­schließ­lich Sy­rer ge­kom­men sei­en, wes­halb ei­ne ho­he Zahl an Fa­mi­li­en­nach­zü­gen zu er­war­ten ist. Die Un­ter­stüt­zung des Fa­mi­li­en­nach­zugs ist da­her ei­ne wei­te­re Säu­le des Pro­jekts.

Aus den Rei­hen des Ge­mein­de­rats gab es vor­nehm­lich zu­stim­men­de Wor­te. „Es ist gut in­ves­tier­tes Geld“, be­fand et­wa BUS-Rä­tin Ka­rin Hal­der. Nach­fra­gen gab es vor al­lem im Zu­sam­men­hang mit der Fi­nan­zie­rung. Le­dig­lich CDU-Stadt­rat Kurt Harsch stell­te sich als Ein­zi­ger ge­gen das Fa­mi­li­en- und In­te­gra­ti­ons­zen­trum: „Wir sind hier nicht Ber­lin. Ich bin skep­tisch, ob wir das hier brau­chen.“Er äu­ßer­te Be­den­ken, dass die be­trof­fe­nen Fa­mi­li­en über­haupt er­reicht wür­den und dass die Stadt sich ei­ne In­sti­tu­ti­on an­schaf­fe, die sie nicht be­treut be­kom­me.

FO­TO: PAU­LI­NA STUMM

FO­TO: PAU­LI­NA STUMM

Im Erd­ge­schoss des ehe­ma­li­gen Al­ten- und Pfle­ge­heims wird im kom­men­den Jahr ein Fa­mi­li­en- und In­te­gra­ti­ons­zen­trum ein­zie­hen.

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