Ge­dan­ken um das Fleisch ma­chen

Schwaebische Zeitung (Biberach) - - LESERBRIEFE - Ver­brau­cher spielt ei­ne Rol­le Schwä­bi­sche Zei­tung Karl­stra­ße 16 88212 Ra­vens­burg Fax-Nr. 0751 / 295599-1499 Leserbriefe@schwa­ebi­sche-zei­tung.de

Zum Ar­ti­kel „Un­ter Gän­sen“(11.11.): Die Mar­tins­gans ist wohl nur ein Vor­kos­ten auf den Fest­tags­bra­ten, oh­ne Über­le­gung über das oft düs­te­re und schmerz­haf­te Le­ben die­ser Tie­re, wel­ches von kur­zer Dau­er ist.

Vor­aus­bli­ckend auf den Fest­tags­bra­ten soll­te sich der Ver­brau­cher mal Ge­dan­ken ma­chen, wo­her er Fleisch aus art­ge­rech­ter Hal­tung auf den Fest­tags­tisch be­kom­men kann.

Mal we­ni­ger für Ge­schen­ke aus­ge­ben, da­für aber ein gro­ßes Ge­schenk für al­le beim Fest­es­sen: „Fleisch aus art­ge­rech­ter Hal­tung. Wis­sen, wo­her es kommt und vom Metz­ger vor Ort ge­schlach­tet.“

Ver­tret­ba­re Mehr­kos­ten mit gro­ßem Obo­lus für Mensch und Tier. Das muss uns der Fest­tags­bra­ten ein­fach wert sein, ob Ge­flü­gel, Schwein, Rind, Ha­se etc. pp.

Nicht der an­geb­li­che Ver­rat von Mar­tin hat den Mensch zur Mar­tins­gans ge­bracht. Es wa­ren und sind die Ge­lüs­te des Men­schen, ei­nen def­ti­gen Gän­se­bra­ten mit Rot­kohl und Knö­del zu ver­zeh­ren; so­zu­sa­gen ei­ne Ali­bi­gans, die Mar­tins­gans!

Der ganz gro­ße Ren­ner sind die Ha­fer­mast­gän­se (Po­len, Un­garn), denn dort wer­den die Gän­se noch mit Trich­tern ge­stopft, um ein schnel­les, sehr schmerz­haf­tes Wachs­tum der Le­ber schnells­tens zu er­rei­chen, um dann als Gän­se­le­ber­pas­te­te ge­nüss­lich vom Fein­schme­cker Mensch ver­zehrt zu wer­den.

So­wohl das Stop­fen als auch das Dau­nen­rup­fen von Gän­sen sind tier­quä­le­ri­sche Ak­te.

So wie den Gän­sen der an­geb­li­che Ver­rat Mar­tins an­ge­las­tet wird, müss­te der Mensch­heit die Qua­len am Tier und die Ver­nich­tung von Na­tur zur Last ge­legt wer­den.

Kaum vor­zu­stel­len, was da dann noch auf die Mensch­heit zu­kommt! Edel­traud Fürst, Wein­gar­ten Zum Ar­ti­kel „Rät­sel­ra­ten ums In­sek­tenster­ben“(3.11.):

Wenn die Bie­ne ein­mal von der Er­de ver­schwin­det, hat der Mensch nur noch vier Jah­re zu le­ben. Kei­ne Bie­nen mehr, kei­ne Be­stäu­bung mehr, kei­ne Pflan­zen mehr, kei­ne Tie­re mehr, kei­ne Men­schen mehr. Vie­le hal­ten die­ses (Pseu­do)-Zi­tat von Al­bert Ein­stein für über­trie­ben und un­vor­stell­bar. Doch lei­der ist es in Chi­na schon jetzt Rea­li­tät. In Chi­na feh­len be­reits die be­stäu­ben­den Bie­nen und In­sek­ten. Als Fol­ge muss nun der Mensch selbst dies über­neh­men, er klet­tert dort auf die Bäu­me und be­stäubt die Blü­ten mit Pol­len aus der Apo­the­ke von Hand. Wenn sich nun bei uns das In­sek­tenster­ben in die­sem ra­san­ten Tem­po wie in dem be­trach­te­ten Zei­t­raum von et­wa 25 Jah­ren fort­setzt, sind un­se­re (Obst-)Bau­ern in we­ni­gen Jahr­zehn­ten eben­falls bei der hän­di­schen Be­stäu­bung an­ge­langt. Was folgt nun auf die­se nicht zu leug­nen­den Fak­ten? Es wird ab­ge­wie­gelt und auf Zeit ge­spielt, auf Zeit die so­mit un­ge­nutzt ver­geu­det wird.

Der Land­wirt­schafts­mi­nis­ter sieht kei­nen wei­te­ren Hand­lungs­be­darf, für H. Krüs­ken vom Bau­ern­ver­band ver­bie­ten sich vor­ei­li­ge Schlüs­se in Rich­tung Land­wirt­schaft und er kri­ti­siert die Er­fas­sung nur in so­ge­nann­ten Schutz­ge­bie­ten – aber wo sonst will er we­sent­lich mehr In­sek­ten denn fin­den. Es ist so­mit nie­mand Schuld an die­ser Mi­se­re. Zur Ur­sa­chen­fra­ge müs­sen wir wohl selbst ei­nen Mix zu­sam­men­stel­len. Da­zu ge­hö­ren: Agrar­fa­bri­ken, Tau­sen­de Kü­he in „Milch­fa­bri­ken“, Eier und Fleisch aus tier­quä­len­der Mas­sen­tier­hal­tung, groß­flä­chi­ge Mo­no­kul­tu­ren, gif­ti­ge Spritz­mit­tel, Dün­ge­mit­tel und zu viel Gül­le. Hier spielt auch der Gei­zist-geil-Ver­brau­cher ei­ne ent­schei­den­de Rol­le, der den Ge­winn für die Pro­du­zen­ten und Händ­ler erst mög­lich macht, in­dem er die bil­li­gen Eier, das bil­li­ge Fleisch und so wei­ter kauft. Da­mit si­chert der Ver­brau­cher selbst „das Wei­ter so“.

Joe Do­bler, Wan­gen

Wäh­ler­vo­tum ernst neh­men

Zum Ar­ti­kel „Ja­mai­ka-Ge­sprä­che ge­hen in den End­spurt“(13.11.): Be­reits nach den ers­ten Son­die­rungs­ge­sprä­chen wird von nicht we­ni­gen Ab­ge­ord­ne­ten an­ge­sichts schwie­ri­ger Ver­hand­lun­gen schon jetzt der Worst Ca­se be­schrie­ben, sprich: Neu­wah­len. Dies ist schlicht ei­ne Ge­ring­schät­zung des Vo­tums un­ge­fähr 46,5 Mil­lio­nen ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ter Wäh­ler. Das Wäh­ler­vo­tum liegt vor, ist Fakt, und das gilt es um­zu­set­zen. Im Par­la­ment sit­zen sechs ko­ali­ti­ons­taug­li­che Par­tei­en mit 615 von ins­ge­samt 709 Man­da­ten. Und wenn es der Po­li­tik nicht ge­lingt, hier­aus ei­ne Ko­ali­ti­on zu bil­den, dann hat sie schlicht ver­sagt.

Weg von Fan­ta­si­en und hin zu le­bens­na­hem In­ter­es­sen­aus­gleich, ist die Lo­sung. Die „Schau­kämp­fe“im Vor­feld und die, ja mit­un­ter schon ze­le­brier­te Ernst­haf­tig­keit in­ter­es­siert kaum mehr. Denn schluss­end­lich wird Frau Mer­kel die „ja­mai­ka­ni­schen“Par­tei­vor­sit­zen­den „ein­fan­gen“und ent­spre­chen­de Ses­sel und Zu­ge­ständ­nis­se be­reit­hal­ten. Sie ist schon zu lan­ge im po­li­ti­schen Ge­schäft, als dass ihr das nicht ge­läu­fig wä­re.

Neu­wah­len hie­ße, po­li­ti­sches Un­ver­mö­gen ein­ge­ste­hen, die Bür­ger­schaft ir­ri­tiert zu­rück­las­sen und für ihr „wid­ri­ges“Wäh­ler­vo­tum „per Nach­wahl“zu be­stra­fen. Was tun? Das Vo­tum be­stä­ti­gen, wä­re die rich­ti­ge Ant­wort. Tak­tisch wäh­len, nicht mehr wäh­len oder aus Frust „rechts“wä­re Glücks­spiel und das Er­geb­nis könn­te bö­se über­ra­schen. Al­so kei­ne Al­ter­na­ti­ve, auch wenn die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on noch so kom­pli­ziert er­scheint.

Im Üb­ri­gen über­schät­zen die Par­tei­en ih­re „Ro­ten Li­ni­en“, Ideo­lo­gi­en und Dok­tri­nen. Sie tau­gen hier nicht und auch sonst be­schei­den. Der Ka­ba­ret­tist Die­ter Hil­de­brand hat einst die „Macht der Po­li­tik“ex­zel­lent auf den Punkt ge­bracht. „Po­li­tik ist der Spiel­raum, den die Wirt­schaft ihr lässt“. Wei­se, wahr und zeit­los.

Neu­wah­len wird es nicht ge­ben, weil sie al­le an den Ka­bi­netts­tisch wol­len. Die So­zi­al­de­mo­kra­tie sieht es ge­las­sen, aber zur Not ...

Gün­ter Kal­lis, Aa­len

Nicht för­der­lich für In­te­gra­ti­on

Zum Ar­ti­kel „De Mai­ziè­re fühlt sich falsch ver­stan­den“(14.10.):

In die­sen Ta­gen fei­er­ten die ka­tho­li­schen Chris­ten Al­ler­hei­li­gen und die evan­ge­li­schen Chris­ten den Re­for­ma­ti­ons­tag an­läss­lich des 500. Jah­res­tags des Re­for­ma­tors Mar­tin Lu­ther und sei­ner 95 The­sen, die er da­mals an die Schloss­kir­che zu Wit­ten­berg an­schlug. In­mit­ten die­ser Fei­er­lich­kei­ten brach­te aus hei­te­rem Him­mel der CDU-Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re die Idee zur Ein­füh­rung ei­nes mus­li­mi­schen Fei­er­tags ins Spiel.

Und ob­wohl kein Mus­lim ihn dar­um ge­be­ten hat­te, lös­te der CDUMann da­mit ei­ne höchst un­nö­ti­ge Phan­tom­de­bat­te aus. Denn man darf sich wohl zu Recht fra­gen: Was ist mit den Ju­den, Bud­dhis­ten, Hin­dus und Sin­ti und Ro­ma? Nach­dem wir in Deutsch­land ja be­reits ka­tho­li­sche, evan­ge­li­sche, Bun­des- und re­gio­na­le Fei­er­ta­ge ha­ben, wä­re ein wei­te­rer Fei­er­tag, der nur für ei­nen Tag der Be­völ­ke­rung gilt, si­cher nicht sehr in­te­grie­rend.

Karl Mai­er, Un­ter­ko­chen

Lie­be Le­se­rin­nen, lie­be Le­ser,

wir freu­en uns über Ih­re Brie­fe. Bit­te ha­ben Sie aber Ver­ständ­nis da­für, dass wir für die Ver­öf­fent­li­chung ei­ne Aus­wahl tref­fen und uns auch Kür­zun­gen vor­be­hal­ten müs­sen. Le­ser­zu­schrif­ten stel­len kei­ne re­dak­tio­nel­len Bei­trä­ge dar. An­ony­me Zu­schrif­ten kön­nen wir nicht ver­öf­fent­li­chen. Ih­re Re­dak­ti­on

FO­TO: DPA

Ei­ne Le­se­rin ruft zum be­wuss­ten Kon­sum von Fleisch auf.

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