Thea­ter­don­ner ge­hört da­zu

Schwaebische Zeitung (Friedrichshafen) - - ERSTE SEITE - Von Sa­bi­ne Lenn­artz

Nie­mand hat er­war­tet, dass es leicht wird. Al­lein die gro­ße Zahl der Ja­mai­ka-Ver­hand­ler ist eher ein Zei­chen des Miss­trau­ens und der Schwä­che als der Stär­ke. Die Ner­vo­si­tät ist auf al­len Sei­ten hoch. Doch man soll­te sich nichts vor­ma­chen las­sen: Das of­fe­ne Zer­würf­nis und die Dro­hung mit dem Schei­tern der Ver­hand­lun­gen ge­hört zur Dra­ma­tur­gie sol­cher Run­den wie der Kä­se zum Wein und der Ab­schluss tief in der Nacht.

Auf­fäl­lig ist, dass sich bis­lang Grü­ne, FDP und CSU wie die Pfau­en kräf­tig sprei­zen und da­bei ge­gen­sei­tig ins Ge­he­ge kom­men, wäh­rend die CDU da­durch auf­fällt, dass die Kanz­le­rin mo­de­rie­rend ein­greift und das Gan­ze zum Ge­lin­gen zu brin­gen ver­sucht. Das ist ei­ner­seits eh­ren­wert, be­inhal­tet aber an­de­rer­seits die Ge­fahr, dass die CDU ih­re ei­ge­nen Kern­the­men wie In­nen­po­li­tik, Fa­mi­lie und Wirt­schaft noch zu sehr im Hintergrund lässt.

Die Grü­nen se­hen sich in ei­ner Min­der­hei­ten­po­si­ti­on ge­gen­über ei­ner Art von schwarz-gel­bem Block und müs­sen ih­re The­men be­son­ders be­to­nen. Sie ha­ben mehr Kon­troll­freaks – sie selbst nen­nen es Ba­sis­de­mo­kra­ten – in ih­ren Rei­hen als die an­de­ren Par­tei­en und müs­sen ih­nen be­reits das Son­die­rungs­er­geb­nis vor­le­gen. Schwarz auf weiß und mit grü­nen Er­fol­gen, vor al­lem für den Kli­ma­schutz. Auch beim Fa­mi­li­en­nach­zug für Flücht­lin­ge stre­ben sie ein Si­gnal in ih­re Rei­hen an. Wenn sie sich mit Uni­on und FDP auf ei­ne ins­ge­samt re­strik­ti­ve Flücht­lings­po­li­tik ei­ni­gen, die den Zu­zug be­grenzt, ha­ben sie da­zu gu­te Chan­cen.

Die CSU will ne­ben der Flücht­lings­po­li­tik ihr Pro­fil als Par­tei der klei­nen Leu­te schär­fen und das So­zia­le be­to­nen. Hier wird ein Ja­mai­kaBünd­nis, wenn es denn ge­lingt, spä­ter von SPD und Lin­ken die schärfs­ten An­grif­fe zu er­war­ten ha­ben.

Die FDP wirkt da­ge­gen ver­gleichs­wei­se cool, möch­te nicht zu viel ver­spre­chen wie 2009, aber kla­re Spu­ren im Be­reich Wirt­schaft und Di­gi­ta­li­sie­rung hin­ter­las­sen. Fall­stri­cke gibt es noch ge­nug. Haupt­sa­che, je­de Par­tei über­zeugt am En­de ih­re ei­ge­nen Leu­te, sehr hart ver­han­delt und al­les ge­tan zu ha­ben.

s.lenn­artz@schwa­ebi­sche.de

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.