Kar­stadt-Kauf­hof-Fu­si­on: Kom­mu­nen fürch­ten Ver­ödung der In­nen­städ­te

Die Wett­be­werbs­hü­ter ha­ben kei­ne Be­den­ken ge­gen den Zu­sam­men­schluss – Bei Be­schäf­tig­ten und in Stadt­ver­wal­tun­gen ist das an­ders

Schwaebische Zeitung (Friedrichshafen) - - WIRTSCHAFT - Von Erich Rei­mann

KÖLN/ES­SEN (dpa) - Das Bun­des­kar­tell­amt hat grü­nes Licht für den Zu­sam­men­schluss der bei­den letz­ten gro­ßen deut­schen Wa­ren­haus­ket­ten Kar­stadt und Kauf­hof ge­ge­ben. Was be­deu­tet das für Kun­den, Mit­ar­bei­ter und die deut­schen In­nen­städ­te?

Was be­deu­tet der Zu­sam­men­schluss für den deut­schen Han­del?

Die Über­nah­me von Kauf­hof durch Kar­stadt setzt den Schluss­punkt in der Kon­so­li­die­rung der deut­schen Wa­ren­haus­land­schaft. Wo einst Kar­stadt, Kauf­hof, Her­tie, Hor­ten und Co um die Kun­den­gunst kämpf­ten, bleibt nur noch ein Platz­hirsch üb­rig. Durch den Zu­sam­men­schluss der bei­den Wa­ren­haus­ket­ten ent­steht ein neu­er Ein­zel­han­dels­rie­se mit eu­ro­pa­weit 243 Stand­or­ten und rund 32 000 Mit­ar­bei­tern. Die da­mit ein­her­ge­hen­de Bün­de­lung von Ein­kaufs­macht dürf­te es Kauf­hof und Kar­stadt er­mög­li­chen, bes­se­re Kon­di­tio­nen von den Lie­fe­ran­ten zu be­kom­men. Au­ßer­dem könn­ten nach Ein­schät­zung von Bran­chen­ken­nern in der Ver­wal­tung, Da­ten­ver­ar­bei­tung und Lo­gis­tik be­trächt­li­che Sum­men ge­spart wer­den.

Spa­ren, spa­ren: Ist das al­les?

Na­tür­lich nicht. Der künf­ti­ge Mehr­heits­ei­gen­tü­mer Re­né Ben­ko hofft, dank der zen­tra­len La­ge der Wa­ren­häu­ser auch vom Trend zur Ver­schrän­kung von On­line- und Of­f­line­an­ge­bo­ten pro­fi­tie­ren zu kön­nen. „Rei­ne On­li­ne­an­bie­ter su­chen mitt­ler­wei­le hän­de­rin­gend Prä­sen­ta­ti­ons­flä­chen und Lo­gis­tik- be­zie­hungs­wei­se Ser­vice-Hubs in To­p­la­gen – wir ha­ben sie“, be­schrieb Ben­ko in ei­nem „Han­dels­blatt“-In­ter­view sein Zu­kunfts­sze­na­rio.

Was be­deu­tet der Zu­sam­men­schluss für die Mit­ar­bei­ter?

Fest steht wohl, es wird nach dem Zu­sam­men­schluss zu ei­nem Ab­bau von Ar­beits­plät­zen kom­men. Schließ­lich braucht das neue Un­ter­neh­men kei­ne zwei Kon­zern­zen­tra­len mehr. Auch bei IT und Lo­gis­tik dürf­te es er­heb­li­che Ein­spar­po­ten­zia­le ge­ben. Of­fen ist, wie vie­le Stel­len weg­fal­len wer­den. Spe­ku­la­tio­nen, nach de­nen bis zu 5000 Jobs be­droht sei­en, be­zeich­ne­te Ben­ko als „un­ver­ant­wort­lich“.

Was be­deu­tet der Zu­sam­men­schluss für die In­nen­städ­te?

In vie­len Städ­ten herrscht Un­ru­he. Be­fürch­tet wer­den Fi­li­al­schlie­ßun­gen und da­mit ver­bun­den ei­ne Ver­ödung der In­nen­städ­te. Of­fi­zi­el­le An­ga­ben zu ge­plan­ten Schlie­ßun­gen gibt es nicht. Doch mit ei­ner Schlie­ßungs­wel­le gleich nach der Über­nah­me ist wohl nicht zu rech­nen. Die Kos­ten da­für wä­ren nach Ein­schät­zung von Han­dels­ex­per­ten an­ge­sichts der oft über Jahr­zehn­te lau­fen­den Miet­ver­trä­ge ein­fach zu hoch. Es könn­te al­ler­dings ein­zel­ne Schlie­ßun­gen ge­ben, wenn Miet­ver­trä­ge aus­lau­fen.

Ben­ko be­müh­te sich zu­letzt, Be­fürch­tun­gen zu dämp­fen: „Na­tür­lich müs­sen wir sa­nie­ren, aber wir wer­den wie bis­her um je­de Fi­lia­le kämp­fen und ver­su­chen, sie in die schwar­zen Zah­len zu brin­gen“, be­ton­te er. Als er vor ei­ni­gen Jah­ren Kar­stadt über­nom­men ha­be, sei­en von 25 Wa­ckel­kan­di­da­ten am En­de nur drei Wa­ren­häu­ser tat­säch­lich ge­schlos­sen wor­den.

Was be­deu­tet der Zu­sam­men­schluss für die Ver­brau­cher?

Das muss sich noch her­aus­stel­len. Die bei­den Mar­ken Kar­stadt und Kauf­hof sol­len nach dem Wil­len von Ben­ko er­hal­ten blei­ben. Das Pro­blem da­bei: In vie­len Be­rei­chen ist das An­ge­bot der bei­den Ket­ten nach ei­ner Ana­ly­se des Bran­chen­fach­blatts „Tex­til­wirt­schaft“weit­ge­hend aus­tausch­bar. Nach der Fu­si­on wä­re es na­he­lie­gend, hier für grö­ße­re Un­ter­schie­de zu sor­gen.

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