Eh­run­gen I: Ver­dienst im Eh­ren­amt

Eh­ren­bür­ger­recht für Franz Ro­mer, Bür­ger­me­dail­le für Ru­dolf Pret­zel.

Schwaebische Zeitung (Laupheim) - - ERSTE SEITE - Von Axel Pries

UNTERSULMETINGEN - Ei­ne vol­le Hal­le, mu­si­ka­li­sche Be­glei­tung, hoch­ran­gi­ge Eh­ren­gäs­te und viel Bei­fall vom Pu­bli­kum: In sol­chem Am­bi­en­te hat die Stadt Laupheim am Sonn­tag in Untersulmetingen zwei Män­ner ge­ehrt, die „im bes­ten Wort­sinn für das Eh­ren­amt ste­hen“. Das er­klär­te Ober­bür­ger­meis­ter Rai­ner Ka­pel­len, ehe er Ru­dolf Pret­zel mit der Bür­ger­me­dail­le und Franz Ro­mer mit dem Eh­ren­bür­ger­recht aus­zeich­ne­te – „zwei Semd­aen­ger Ur­ge­stei­ner, die sich ihr gan­zes Le­ben für Po­li­tik, Ver­ei­ne und Eh­ren­amt ein­ge­setzt ha­ben“.

In je­dem Jahr ehrt die Stadt in sol­chem Rah­men ver­dien­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die über lan­ge Zeit Ver­diens­te ge­sam­melt ha­ben. Dass OB Ka­pel­len da­bei auch dies­mal wie­der im rund 300-köp­fi­gen Pu­bli­kum ne­ben der Eh­ren­bür­ge­rin Bri­git­te An­ge­le, Kreis- und Ge­mein­de­rä­ten so­wie meh­re­ren Bür­ger­meis­ter-Kol­le­gen aus der Re­gi­on auch den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Jo­sef Rief so­wie den Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Tho­mas Dörf­lin­ger be­grü­ßen konn­te, ver­deut­licht den gro­ßen Stel­len­wert der Ver­lei­hung. Der Mu­sik­ver­ein „Riß­ta­ler“aus Untersulmetingen und der Kir­chen­chor St. Ul­rich aus Ober­sul­me­tin­gen ga­ben der Ver­an­stal­tung den mu­si­ka­li­schen Rah­men.

„Was treibt zu sol­chem Feu­er an?“, frag­te der Ober­bür­ger­meis­ter, ehe er die Ver­diens­te der bei­den Män­ner aus Un­ter- be­zie­hungs­wei­se Ober­sul­me­tin­gen auf­zähl­te. Scherz­haft zi­tier­te er den gro­ßen Volks­dich­ter Wil­helm Busch, der einst vor eh­ren­amt­li­chem Ein­satz ge­warnt ha­be, in­dem er dich­te­te: „Willst du froh und glück­lich le­ben, lass kein Eh­ren­amt dir ge­ben.“Ru­dolf Pret­zel und Franz Ro­mer be­her­zig­ten die­sen Rat nicht, son­dern wa­ren zu­sam­men 84 Jah­re eh­ren­amt­lich da­bei: vor al­lem in der Kom­mu­nal­po­li­tik, aber auch in Ver­ei­nen ih­rer Hei­mat­or­te – wo sie auch heu­te noch ak­tiv sind.

Seit 1975 ist der 1950 ge­bo­re­ne Ru­dolf Pret­zel im Ort­schafts­rat von Ober­sul­me­tin­gen ak­tiv, ist seit 1980 Mit­glied im Stadt­rat und seit 1999 auch Mit­glied im Kreis­tag in Bi­be­rach. Da­bei war Pret­zel, so hon der OB her­vor, von 1994 bis 2015 Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der Frei­en Wäh­ler im Ge­mein­der­rat. Au­ßer­dem übt er seit 1991 des stell­ver­tre­ten­den Orts­vor­ste­hers in Ober­sul­me­tin­gen aus. Dem Stadt­ver­band der Frei­en Wäh­ler ge­hört der Ge­ehr­te seit 1980 an – und wur­de dann 2004 mit der Eh­ren­me­dail­le des Lan­des­a­ver­ban­des aus­ge­zeich­net.

Aber nicht nur in der Po­li­tik kennt man ihn als Ak­tiv­pois­ten, sag­te OB Ka­pel­len: „Ihr Herz ge­hört auch dem SV Sul­me­tin­gen, dem Sie seit 56 Jah­ren an­ge­hö­ren“– als ak­ti­ver Fuß­ball­spie­ler, Pres­se­wart, Schrift­füh­rer. Le­gen­där sei der von Ru­dolf Pret­zel ge­hal­te­ne Lauf­re­kord übr 1500 Me­ter mit vier Mi­nu­ten und zehn Se­kun­den. Was das al­les be­deu­tet, fass­te Ka­pel­len in we­ni­gen Wor­ten zu­sam­men: 4 Bür­ger­meis­ter, 4 Ver­eins­vor­stän­de, 4 Pfar­rer, 4 Orts­vor­ste­her und vier Schul­lei­ter ha­be der Ge­ehr­te er­lebt. „Ganz schön viel!“Als ein „Mann mit Weit­blick“ha­be er da­bei stets agiert. „Sie ha­ben das Herz am rech­ten Fleck und das Ohr an der Ba­sis!“, er­klär­te der Ober­bür­ger­meis­ter mit dan­ken­den Wor­ten auch in Rich­tung von des­sen Ehe­frau The­re­sia, ehe er Ru­dolf Pret­zel die Bür­ger­me­dail­le mit­samt Na­del und Ur­kun­de über­reich­te und der Ge­ehr­te sich in das Gol­de­ne Buch der Stadt ein­trug.

Um zur Ge­schich­te von Franz Ro­mer über zu lei­ten, brauch­te Ka­pel­len nur ein Dorf wei­ter zu zie­hen: von Un­ter- nach Ober­sul­me­tin­gen, wo der Ge­ehr­te vor 75 Jah­ren ge­bo­ren wur­de, des­sen Le­ben er mit vier Sta­tio­nen über­spann­te: „Volks­schu­le, Mecha­ni­ker, Be­triebs­rat, Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter.“Mit 42 im Amt sei er dienst­äl­tes­tes Mit­glied im Stadt­rat, da­zu Orts­vor­ste­her und Mit­glied des Ort­schafts­ra­tes. In der Zeit ha­be Ober­sul­me­tin­gen sei­ne Be­völ­ke­rungs­zahl ver­dop­pelt., hät­ten sich zahl­rei­che Fir­men an­ge­sie­delt.

Gro­ße Be­kannt­schaft er­lang­te Franz Ro­mer na­tür­lich auch in den vie­len Jah­ren als Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter . Und da­bei sei er nicht ab­ge­ho­ben, be­ton­te das Stadt­ober­haupt: „Franz Ro­mer ist sich treu ge­blie­ben.“, sag­te Ka­pel­len: „Er ist ein Mann zum An­fas­sen, of­fen für Gro­ßes und je­der­zeit mit ei­nem of­fe­nen Ohr für die klei­nen An­lie­gen.“Auch Ro­mer trug sich nach der Ver­lei­hung der Eh­ren­bür­ger­wür­de in das Gol­de­ne Buch ein.

„Es war im­mer mein Ziel zu hel­fen.“Mit die­sen Wor­ten er­klär­te Franz Ro­mer selbst sein En­ga­ge­ment und er mein­te nicht nur die Po­li­tik. Sei­ne Ar­beit im Sport­ver­ein mt jun­gen Leu­ten ha­be ihm aber auch „viel Auf­trieb ge­ge­ben.“Er den­ke heu­te ger­ne an sei­ne Zeit in der gro­ßen Po­li­tik zu­rück – auch an die Kon­tak­te mit hoch­ge­stell­ten Per­sön­lich­kei­ten. Für den eins­ti­gen „Bau­ern­bua aus Ober­sul­me­tin­gen“sei das et­was Be­son­de­res ge­we­sen. Sein Dank galt auch sei­ner Ehe­frau Pau­la:. Dank an die­se Adres­se rich­te­te auch Ru­dolf Pret­zel in ei­nem lau­ni­gen Rück­blick auf sein Wir­ken: „Oh­ne sie wä­re das al­les nicht mög­lich ge­we­sen.“Und er fass­te als Er­kennt­nis zu­sam­men: „Ich wür­de es wie­der so ma­chen – das meis­te!“

„Da­mals gab es oft di­cke Luft: Die größ­te Frak­ti­on wa­ren die Rau­cher.“Ru­dolf Pret­zel er­in­nert an sei­ne An­fän­ge im Ge­mein­de­rat

„Wir sind nicht wich­ti­ge, aber ge­wich­ti­ge Leu­te“Franz Ro­mer scherz­haft zu Ru­dolf Pret­zel in An­spie­lung an bei­der Lei­bes­fül­le.

FO­TO: AXEL PRIES

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Franz Ro­mer trägt sich in das Gol­de­ne Buch ein, be­ob­ach­tet von OB Ka­pel­len.

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Im Pu­bli­kum wa­ren auch der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Jo­sef Rief (r.) und sein Land­tags­kol­le­ge Tho­mas Dörf­lin­ger (3.v.r). Zwi­schen ih­nen der Kreis­spar­kas­sen-Re­gionakldi­rek­tor Ha­rald Jegg­le.

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Ru­dolf Pret­zel be­kam die Bür­ger­me­dail­le ver­lie­hen.

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Mu­si­ka­li­sche Um­rah­mung bo­ten der Kir­chen­chor St. Ul­rich und der Mu­sik­ver­ein „Riß­ta­ler“.

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