IHK: nicht ro­si­ge, aber po­si­ti­ve Zei­ten für ak­ti­ven Ein­zel­han­del

Vor­stel­lung der neu­en Da­ten­er­he­bung im Land­kreis – Lob für Lauphei­mer Händ­ler – „Aus­rei­ßer“beim The­ma Par­ken

Schwaebische Zeitung (Laupheim) - - LAUPHEIM - Von Axel Pries

LAUPHEIM - Ein­zel­han­del in ei­ner In­nen­stadt zu be­trei­ben, bleibt ei­ne Her­aus­for­de­rung, die An­pas­sung und En­ga­ge­ment ver­langt. Aber es gibt Bei­spie­le, wie es auch in mo­der­nen Zei­ten funk­tio­nie­ren kann. Das sind zwei The­sen, mit de­nen Ver­tre­ter der IHK Ulm am Frei­tag in Bi­be­rach das ak­tu­el­le Ein­zel­han­dels­kom­pen­di­um vor­stell­ten. Heißt: Nach fünf Jah­ren schau­te man wie­der ge­nau hin, was sich in den In­nen­städ­ten der Re­gi­on ge­tan hat. Und sie­he: Laupheim kommt als auf­stre­ben­de Stadt gut weg, für die Händ­ler und de­ren Wer­be­ge­mein­schaft gibt es Lob – mit der Fest­stel­lung aber auch, dass noch Kle­in­stadt-Denk­wei­sen exis­tier­ten.

Nach fünf Jah­ren hat­te die In­dus­trie­und Han­dels­kam­mer wie­der die Zäh­ler los­ge­schickt, er­läu­ter­ten der IHK-Vi­ze­prä­si­dent Fried­rich Ko­lesch, Haupt­ge­schäfts­füh­rer Ot­to Sälz­le und IHK-Be­triebs­wirt Jo­sef Röll in ei­nem Pres­se­ge­spräch. Ziel wa­ren die In­nen­städ­te, je­ner Teil ei­ner Stadt, der die Viel­falt und Le­ben­dig­keit wie­der­gibt, so­mit für Iden­ti­fi­ka­ti­on sorgt – wenn der Ein­zel­han­del funk­tio­niert. Der Hin­ter­grund da­bei sei, so er­klär­te Ko­lesch, ein bun­des­wei­ter Trend zu ge­rin­ge­rer „Pas­san­ten­fre­quenz“auch in bes­ten La­gen mit ent­spre­chen­der „Ero­si­on“ in den Ne­ben­stra­ßen: das La­denster­ben. Ei­ne Ur­sa­che sei der On­line­han­del. „Der Ku­chen wird klei­ner.“Da sei es nö­tig, dass in der Stadt­po­li­tik ein „in­nen­stadt­freund­li­ches“Kli­ma herrscht – wie es in Bi­be­rach, Ehin­gen und auch Laupheim der Fall sei.

Die für Laupheim er­mit­tel­ten Wer­te wei­sen in po­si­ti­ve Rich­tung: Bei der „durch­schnitt­li­chen Pas­san­ten­fre­quenz“in den Ein­kaufs­stra­ßen liegt Laupheim knapp über dem Durch­schnitt der 16 er­forsch­ten Städ­te: an vier­ter Stel­le hin­ter Ulm, Bi­be­rach und Ehin­gen. Vor al­lem aber auch mit stei­gen­der Ten­denz.

Zu­wäch­se bei der Be­su­cher­fre­quenz wur­den auch wo­an­ders re­gis­triert, et­wa in Bi­be­rach, Ehin­gen, Il­ler­tis­sen, Laichin­gen, Blau­beu­ren, Wei­ßen­horn und Sen­den. Das sei be­mer­kens­wert, heißt es in der Stu­die. Die Stei­ge­run­gen könn­ten „Fol­ge ei­ner mög­li­chen Trend­wen­de sein“, lau­tet ein Deu­tungs­ver­such – aber viel­leicht auch nur ei­ne Fol­ge der schwie­ri­gen Bau­stel­len-Si­tua­ti­on in Ulm.

Vie­le Fre­quenz­brin­ger

Mög­li­cher­wei­se ist der Bran­chen­mix in der Lauphei­mer In­nen­stadt ei­ne Ur­sa­che für die po­si­ti­ven Wer­te, denn die wich­tigs­ten drei Wa­ren­sor­ten sind in Laupheim ver­gleichs­wei­se mit am stärks­ten ver­tre­ten: Die Fre­quenz­brin­ger Mo­de, Schu­he und Sport als „Bum­mel­fak­to­ren“mach­ten 24 Pro­zent des Ein­zel­han­dels­an­ge­bots un­ter 116 La­den­lo­ka­len aus. Nur Bi­be­rach und Ulm sei­en in der Hin­sicht stär­ker. Laupheim pro­fi­tie­re ak­tu­ell von ei­ner Schwä­che Ulms, aber vor al­lem von Ein­zel­händ­lern mit Wur­zeln in der Stadt, die sich en­ga­gie­ren – und in­ves­tie­ren. „Die In­ha­ber der Ge­schäf­te ha­ben viel auf die Zu­kunft ge­setzt“, er­läu­tert Ot­to Sälz­le. „Laupheim hat ak­ti­ve Händ­ler und ei­ne sehr gu­te Wer­be­ge­mein­schaft“, lobt Jo­sef Röll. Die 16 Pro­zent, die Fi­lia­len von Ein­zel­han­dels­ket­ten am Ku­chen aus­ma­chen, lie­gen an der Un­ter­gren­ze: Da dürf­te es durch­aus auch das ei­ne oder an­de­re Ge­schäft mehr sein.

Lohn der Mü­hen sei ins­ge­samt ei­ne Stei­ge­rung der „Ta­schen­trä­ger“un­ter den Pas­san­ten der Mit­tel­stra­ße: Am Don­ners­tag wur­den neun Pro­zent mehr ge­zählt, am Sams­tag da­für sechs Pro­zent we­ni­ger. Die Leer­stands­quo­te steht un­ver­än­dert bei neun Pro­zent, mit de­nen Laupheim nicht in der Spit­ze, aber in der po­si­ti­ve­ren Hälf­te der Ver­gleich­s­ta­bel­le an­ge­sie­delt ist.

Mit sie­ben Pro­zent Leer­stand schnei­det Bi­be­rach im Land­kreis am bes­ten ab; dort gibt es auch deut­li­che Zu­wäch­se bei der Fre­quenz der „Ta­schen­trä­ger“. In Bi­be­rach wer­de wohl al­les rich­tig ge­macht, lau­tet der Schluss der IHK-Ver­tre­ter. Die Ein­kaufs­stra­ßen sind gut er­reich­bar, bie­ten ei­ne gu­ten Bran­chen­mix und er­zie­len da­mit ei­ne gu­te Ver­weil­dau­er.

Trotz der eher po­si­ti­ven Wer­te fin­det sich Laupheim in ei­ner Ver­gleich­s­ta­bel­le fast ganz un­ten wie­der: bei der Zuf­rie­den­heit der Händ­ler mit dem Park­an­ge­bot. Da­von sei er et­was über­rascht, meint Ko­lesch. An­de­re Städ­te, in de­nen Fuß­gän­ger­zo­nen den Be­su­chern meist län­ge­re We­ge ab­ver­lan­gen, schnei­den bes­ser ab, ob­wohl Laupheims Ge­schäf­te in den Ein­kaufs­stra­ßen di­rekt an­ge­fah­ren werden könn­ten. „Das ist ein Aus­rei­ßer“, meint Ko­lesch, viel­leicht er­klär­bar da­durch, dass Händ­ler in Bi­be­rach oder Fried­richs­ha­fen ih­re Stadt eher als groß be­grei­fen. We­ge, die in grö­ße­ren Städ­ten üb­lich sind, gel­ten in der „sub­jek­ti­ven Wahr­neh­mung“Lauphei­mer Händ­ler als zu weit.

Viel­leicht, so wa­gen die IHK-Ver­tre­ter ei­nen Aus­blick, sei auch der Peak beim On­line-Han­del er­reicht, und die Men­schen be­sin­nen sich wie­der der Ge­schäf­te vor Ort. Da­für ge­be es An­zei­chen. Si­cher sei aber, so Ko­lesch: „Als ers­tes gilt: nicht jam­mern, son­dern in­ves­tie­ren!“

Kunster­zie­her To­bi­as Wed­ler (Bild links) hat sich die Ak­ti­on aus­ge­dacht. Die Ober­flä­che der Zie­gel wird ge­glät­tet und ge­stem­pelt, dann ritzt der je­wei­li­ge Pro­du­zent sei­nen Na­men ein.

FO­TO: AXEL PRIES

Prä­sen­tie­ren die neue Stu­die: IHK-Be­triebs­wirt Jo­sef Röll, Vi­ze­prä­si­dent Fried­rich Ko­lesch und Haupt­ge­schäfts­füh­rer Ot­to Sälz­le (von links).

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.