Dann halt in Chi­na und Ka­tar

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Erste Seite - Von Jo­chen Schlos­ser j.schlos­ser@schwa­ebi­sche.de

Olym­pi­sche Win­ter­spie­le in Pe­king? Schon wie­der in Chi­na? Nein, das darf nicht sein! Ei­ne Fuß­ball-WM in Ka­tar? Geht gar nicht! Igit­ti­gitt! Es wur­de und wird in Deutsch­land viel ge­schimpft über die Ver­ga­be von Sportveranstaltungen an Län­der, de­ren Macht­ha­ber mit De­mo­kra­tie we­nig bis gar nichts am Hut ha­ben. An Län­der, de­ren Kli­ma nur be­dingt für die be­trof­fe­nen Spit­zen­sport­ler ge­eig­net ist.

Ge­nau wie die Münch­ner vor zwei Jah­ren, ha­ben am Sonn­tag nun auch die Ham­bur­ger Bür­ger ge­gen die Be­wer­bung ih­rer Stadt um Olym­pi­sche Spie­le ge­stimmt. Das ist eben­so nach­voll­zieh­bar wie är­ger­lich. Na­tür­lich ging nach den Ter­ror­an­schlä­gen von Pa­ris die Angst um, dass auch Olympia an der El­be zum Ziel von An­schlä­gen wer­den könn­te. Na­tür­lich hat der Do­ping­skan­dal um die rus­si­schen Leicht­ath­le­ten ein schlech­tes Licht auf ei­ne olym­pi­sche Kern­sport­art ge­wor­fen. Na­tür­lich lei­det der Spit­zen­sport un­ter den Kor­rup­ti­ons­af­fä­ren, die ans Licht kom­men. Und auch, wenn der ak­tu­ells­te Skan­dal aus dem Be­reich des Fuß­ball stammt, dürf­te die Som­mer­mär­chen-Af­fä­re der Sarg­na­gel für Ham­burgs Be­wer­bung ge­we­sen sein. Wie ge­sagt: Es gibt Grün­de, ge­gen Olympia zu sein.

Und den­noch: Al­les ab­zu­leh­nen, was zu­nächst ei­ne grö­ße­re In­ves­ti­ti­on er­for­dert, ist der fal­sche Weg. So schnell dürf­te es kei­ne deut­schen Be­wer­bun­gen um Olympia oder Fuß­ball­tur­nie­re mehr ge­ben. Doch soll Deutsch­land zum Land der Be­den­ken­trä­ger wer­den? Darf gar nicht mehr groß ge­baut und ge­dacht wer­den? Ge­gen je­de Start­bahn wird ge­kämpft, ge­gen je­den Bahn­hof und dem­nächst, po­le­misch ge­sagt, ge­gen je­de Bus­hal­te­stel­le.

Und im­mer, auch bei Olympia, wird die­ses fürch­ter­lich de­struk­ti­ve und zu­kunfts­feind­li­che „Es gibt Wich­ti­ge­res zu tun“-Ar­gu­ment ins Feld ge­führt. Doch sich heu­te zu ver­wei­gern, be­deu­tet eben auch, in der Zu­kunft nicht mehr vor­ne da­bei zu sein. An­statt zu be­wei­sen, dass Deutsch­land es bes­ser ma­chen wür­de als an­de­re, lässt man es halt sein.

Zur De­mo­kra­tie ge­hört, ei­ne Mehr­heits­ent­schei­dung zu re­spek­tie­ren. Trau­rig ist sie trotz­dem.

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