Ein Haus, das nicht mehr weg­zu­den­ken ist

Stadt und Kul­tur­schaf­fen­de fei­ern zehn Jah­re Me­di­en­haus und Kie­sel

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen - Von Gun­nar M. Flo­tow

- Seit zehn Jah­ren bie­ten das Me­di­en­haus und der Kie­sel der Kul­tur in Fried­richs­ha­fen ei­nen Hort. Mit­ar­bei­ter der Stadt­ver­wal­tung so­wie Kul­tur­schaf­fen­de ha­ben die­ses klei­ne Ju­bi­lä­um am Mitt­woch­abend ge­fei­ert. Eh­ren­gast war die Schrift­stel­le­rin Thea Dorn.

Wäh­rend an­dern­orts die Kraft­mei­er ih­re po­li­ti­schen Rund­um­schlä­ge ver­teil­ten, wa­ren am Mitt­woch im Kie­sel eher nach­denk­li­che Tö­ne (Vor­trag Thea Dorn), lei­se­re Tö­ne (Gi­tar­rist Eu­gen Trei­chel) oder auch ein­fach mal gar kei­ne Tö­ne (Pan­to­mi­me mit dem Duo Bo­de­cker & Ne­an­der) an­ge­sagt. Mit ei­nem klei­nen, aber fei­nen Fest­akt fei­er­ten die rund 100 Gäs­te zwei Ein­rich­tun­gen, die in Fried­richs­ha­fen nicht mehr weg­zu­den­ken sind: Me­di­en­haus und Kie­sel.

Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Brand er­in­ner­te in sei­ner Re­de noch ein­mal an die Um­ge­stal­tung des Hau­ses an der Karl­stra­ße 42, die durch­aus von kri­ti­schen Stim­men be­glei­tet wor­den sei. Der Stand­ort, die Funk­tio­na­li­tät, die feh­len­den Park­plät­ze – all dies sei da­mals, vor mehr als zehn Jah­ren, in Fra­ge ge­stellt wor­den. Und heu­te? „Es könn­te nicht bes­ser lau­fen“, stell­te Brand klar. „Die­ses Haus weckt Be­geis­te­rung.“

Um den Er­folg des Me­di­en­hau­ses zu un­ter­strei­chen, nann­te Brand ein paar Zah­len: Auf 2100 Qua­drat­me­tern Flä­che sind heu­te mehr als 105 000 Bü­cher, CDs, DVDs und On­line-Me­di­en ver­füg­bar. In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren sei es ge­lun­gen, die Zahl der Kun­den um 22 000 auf 26 000 zu er­hö­hen, zwei Mil­lio­nen Be­su­cher wur­den seit 2007 ge­zählt. Zum Mar­ken­zei­chen des Hau­ses und zum kul­tu­rel­len Treff­punkt ha­be sich der Kie­sel ent­wi­ckelt. Al­lein das Kul­tur­bü­ro hat 900 Ver­an­stal­tun­gen dort aus­ge­rich­tet und 65 000 Be­su­cher an­ge­lockt, be­rich­te­te Brand und be­schrieb auch, was den Kie­sel so ein­zig­ar­tig ma­che: „Die Zu­schau­er sind au­ßer­ge­wöhn­lich nah dran. Das Ge­sche­hen auf der Büh­ne wird greif­bar, spür­bar.“Am En­de sei­ner Re­de er­in­ner­te Brand da­ran, wem Fried­richs­ha­fen Me­di­en­haus und Kie­sel zu ver­dan­ken ha­be: der Zep­pe­lin-Stif­tung. Und die, ließ der OB wis­sen, fei­ert am 1. März üb­ri­gens auch ein Ju­bi­lä­um. Denn ge­nau seit 70 Jah­ren ge­hö­re die se­gens­rei­che Stif­tung zum Son­der­ver­mö­gen der Stadt. „Ei­ne klu­ge Ent­schei­dung da­mals“, be­fand Brand.

In ei­nem sehr per­sön­li­chen Vor­trag be­schrieb Au­to­rin, Jour­na­lis­tin und Fern­seh­mo­de­ra­to­rin Thea Dorn ih­re „Ge­dan­ken über Li­te­ra­tur als Hei­mat“. Sie ver­riet da­bei, wie sie mit dem Be­griff „Hei­mat" um­zu­ge­hen lern­te – und war­um Men­schen in ei­ner im­mer schnell­le­bi­ge­ren Zeit ei­ne Hei­mat brau­chen.

Thea Dorn gab zu, dass sie sich lan­ge Jah­re als Cos­mo­po­li­tin fühl­te und ein Hei­mat­ge­fühl nicht zu­ließ. War­um? Zu mie­fig, zu rück­wärts­ge­wandt. Die Au­gen auf­ge­gan­gen sei­en ihr erst, als sie bei ei­nem län­ge­ren Auf­ent­halt an ei­ner Uni­ver­si­tät in Ame­ri­ka von ei­nem Kol­le­gen mit fol­gen­den Wor­ten be­dacht wor­den war: „You are so Ger­man.“Die­se Be­mer­kung sei üb­ri­gens nicht ne­ga­tiv ge­meint ge­we­sen, er­klär­te Thea Dorn. Er ha­be nur aus­drü­cken wol­len, dass sie eben ge­wis­sen Vor­stel­lun­gen ent­spre­che, die Ame­ri­ka­ner von Deut­schen ha­ben. Noch in der Nacht ha­be sie schreck­lich Heim­weh be­kom­men – und sich in der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek ei­nen Ge­dicht­band von Ei­chen­dorff ge­holt, um es zu be­kämp­fen.

FO­TO: FLO

Thea Dorn ver­rät beim k42-Fest­akt, dass sie lan­ge Zeit kein Hei­mat­ge­fühl zu­ließ – seit ei­nem län­ge­ren Ame­ri­ka-Auf­ent­halt ist das an­ders.

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