Ab­ge­schwäch­tes De­kret

Sechs statt bis­her sie­ben Län­der trifft Do­nald Trumps neu­er Bann­strahl

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Nachrichten & Hintergrund - Von Frank Herr­mann

- Do­nald Trump hat zum zwei­ten Mal An­lauf ge­nom­men, um ei­nen von der Jus­tiz ge­kipp­ten Ein­rei­sestopp für Men­schen aus be­stimm­ten is­la­misch ge­präg­ten Staa­ten durch­zu­set­zen. Nach­dem ein Ge­richt in San Fran­cis­co die ers­te Ver­si­on sei­ner Sper­re für rechts­wid­rig er­klärt hat­te, un­ter­zeich­ne­te er am Mon­tag ein neu­es, hier und da ab­ge­schwäch­tes De­kret.

Nach der ak­tu­el­len Re­ge­lung steht der Irak nicht mehr auf der Lis­te je­ner ur­sprüng­lich sie­ben Län­der, de­ren Bür­ger un­ter das Ein­rei­se­ver­bot fal­len soll­ten. So­wohl das Sta­te De­part­ment als auch das Pen­ta­gon, hieß es in Wa­shing­ton, hät­ten zu die­sem Schritt ge­ra­ten. Ira­ker, die nach der In­va­si­on des Jah­res 2003 für die Ame­ri­ka­ner ar­bei­te­ten, so die Be­grün­dung, könn­ten sich heu­te in ih­rer Hei­mat nicht mehr si­cher füh­len. Au­ßer­dem soll Bag­dad zu­ge­si­chert ha­ben, Staats­an­ge­hö­ri­ge rasch zu­rück­zu­neh­men, falls sie ab­ge­scho­ben wer­den. Der Irak sei ein wich­ti­ger Ver­bün­de­ter im Kampf ge­gen die Ter­ror­mi­liz „Is­la­mi­scher Staat“, sag­te Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son.

Erst nach ei­ner Über­gangs­zeit

En­de Ja­nu­ar hat­te ei­ne ers­te Ver­si­on des De­krets Ira­nern, Ira­kern, Je­me­ni­ten, Li­by­ern, So­ma­li­ern, Su­da­ne­sen und Sy­rern für drei Mo­na­te das Be­tre­ten ame­ri­ka­ni­schen Bo­dens un­ter­sagt. Nun ist der Irak zwar aus­ge­nom­men, die sechs an­de­ren Staa­ten blei­ben al­ler­dings auf dem In­dex. Nach den Wor­ten von Jus­tiz­mi­nis­ter Jeff Ses­si­ons sei­en drei von ih­nen staat­li­che Spon­so­ren des Ter­ro­ris­mus. Die drei an­de­ren, of­fen­bar sind der Je­men, Li­by­en und So­ma­lia ge­meint, bö­ten Ter­ro­ris­ten ei­nen si­che­ren Ha­fen, weil ih­re Re­gie­run­gen die Kon­trol­le über wei­te Tei­le ih­res Ter­ri­to­ri­ums ver­lo­ren hät­ten.

Im Un­ter­schied zur ers­ten Fas­sung gilt die Sper­re dies­mal nicht für Per­so­nen, die be­reits im Be­sitz ei­nes Vi­sums sind, eben­so we­nig für In­ha­ber ei­ner Gre­en Card, die ei­nen un­be­fris­te­ten Auf­ent­halt in den USA ga­ran­tiert. Sie tritt nach ei­ner Über­gangs­zeit am 16. März in Kraft. Oh­ne dass Trump ei­nen Feh­ler zu­ge­ben wür­de, ge­steht er da­mit in­di­rekt ein, dass er ein Cha­os auf den Flug­hä­fen her­auf­be­schwor, als er sei­nen ur­sprüng­li­chen „Tra­vel Ban“be­schloss. Hun­der­te Men­schen wa­ren da­mals be­reits auf dem Weg nach New York, Los An­ge­les, At­lan­ta, Hous­ton oder Wa­shing­ton. Bän­de spricht auch, in welch schar­fem Kon­trast zur Pu­b­li­ci­ty des ers­ten An­laufs das Wei­ße Haus den zwei­ten in­sze­nier­te: Ka­me­ras wa­ren nicht zu­ge­las­sen, Re­por­ter­fra­gen nicht ge­stat­tet, als Trump sei­ne Un­ter­schrift un­ter das Do­ku­ment setz­te. Im Üb­ri­gen will Wa­shing­ton, wie schon bei der ers­ten Va­ri­an­te, 120 Ta­ge lang kei­ne Flücht­lin­ge auf­neh­men, egal, wo­her sie stam­men. Da­ge­gen ent­fällt ein Pas­sus, nach dem Flücht­lin­ge aus Sy­ri­en auf un­be­stimm­te Zeit nicht mehr ins Land ge­las­sen wer­den.

Als ein ka­li­for­ni­sches Be­ru­fungs­ge­richt im Fe­bru­ar Trumps ers­ten Vor­stoß schei­tern ließ, zer­pflück­te es das Ar­gu­ment aku­ter Ter­ror­ge­fahr: Die Ad­mi­nis­tra­ti­on ha­be kei­ne Be­wei­se vor­ge­legt, nach de­nen ein Bür­ger der ge­nann­ten Staa­ten in den USA ei­nen An­schlag ver­üb­te. Nun spricht der Jus­tiz­mi­nis­ter, oh­ne De­tails zu nen­nen, von mehr als 300 Flücht­lin­gen, ge­gen die we­gen Ter­ror­ver­dachts er­mit­telt wer­de. Dass sich die Op­po­si­ti­on weh­ren wird, mach­te der frisch ge­wähl­te Vor­sit­zen­de der De­mo­kra­ti­schen Par­tei klar. „Lasst nicht zu, dass der zwei­te Ver­such eu­re ers­ten Ein­drü­cke rui­niert“, schrieb Tom Pe­rez vol­ler Sar­kas­mus

FO­TO: IM­A­GO

Do­nald Trump un­ter­nimmt ei­nen zwei­ten An­lauf, um ei­nen Ein­rei­sestopp für Men­schen aus be­stimm­ten Staa­ten durch­zu­set­zen.

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