Je­de Sze­ne kann so oder auch ganz an­ders aus­se­hen

LAG Thea­ter­päd­ago­gik Ba­den-Würt­tem­berg stellt in Meers­burg Ab­schluss­ar­bei­ten vor

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg/Überlingen/Daisendorf - Von Hel­mut Voith

- Zu ei­nem un­ge­wöhn­li­chen Thea­ter­abend hat die Lan­des­ar­beits­ge­mein­schaft (LAG) Thea­ter­päd­ago­gik Ba­den-Würt­tem­berg am Frei­tag- und Sams­tag­abend ins Dros­te-Hüls­hoff-Gym­na­si­um Meers­burg ein­ge­la­den. Da die An­zahl der Gäs­te weit grö­ßer war als die der Plät­ze, herrsch­te zu­min­dest am Sams­tag­abend ei­ne En­ge, wie sie sich Thea­ter­ma­cher nur wün­schen kön­nen.

Be­rufs­be­glei­tend fin­den in Reut­lin­gen, Kon­stanz, Schwä­bisch Hall, Stuttgart, Ulm und Frei­burg drei­jäh­ri­ge Kur­se statt, auf die ein zwei­jäh­ri­ger Kurs am Haupt­sitz in Reut­lin­gen fol­gen kann. Das An­ge­bot rich­tet sich an al­le, die sich für Thea­ter­ar­beit, spe­zi­ell für Thea­ter­päd­ago­gik in­ter­es­sie­ren, bei­spiels­wei­se an Leh­rer, die an ih­rer Schu­le ei­ne Thea­ter­grup­pe auf­bau­en wol­len. Die Teil­neh­mer ler­nen al­le Be­rei­che ken­nen, vom Schmin­ken bis zur Licht­ge­stal­tung, von der Dra­ma­tur­gie bis zur Re­gie, und sie müs­sen auch selbst spie­len. Re­gie und Spie­len la­gen an die­sem Abend in Meers­burg im Zen­trum. Vier Sze­nen wur­den in je­weils zwei un­ter­schied­li­chen Ins­ze­nie­run­gen ge­zeigt, die Ab­schluss­ar­bei­ten des drit­ten Aus­bil­dungs­jah­res in Kon­stanz. Je­der Teil­neh­mer muss­te ein­mal Re­gie füh­ren und in drei Sze­nen mit­spie­len. Sze­nen und Spie­ler wa­ren von der Lei­te­rin Uschi Fa­mers vor­ge­ge­ben, der Spiel­ort durf­te ge­wählt wer­den. Da­mit der Über­gang funk­tio­nier­te, wan­der­ten die Zu­schau­er von Spiel­ort zu Spiel­ort durch das gast­li­che Haus.

Er­schwer­ter Ver­gleich

Ei­ne ers­te Run­de zeig­te al­le vier Sze­nen, ei­ne zwei­te die glei­chen Sze­nen in an­de­rer Re­gie und Be­set­zung. Scha­de, dass die ers­te Run­de von der zwei­ten durch ei­ne halb­stün­di­ge Pau­se ab­ge­trennt wur­de. Um­so mehr scha­de, dass sich da­mit die Ein­drü­cke über­la­ger­ten, da zwi­schen den je­wei­li­gen Ins­ze­nie­run­gen der­sel­ben Sze­ne an­de­re la­gen, vom Klas­si­ker über mo­der­ne Stü­cke zum Kin­der­stück. Das er­schwer­te den Ver­gleich sehr. Um das An­ge­bot wirk­lich aus­schöp­fen zu kön­nen, soll­te man den je­wei­li­gen Text le­sen kön­nen und die ver­schie­de­nen In­ter­pre­ta­tio­nen durch die Schau­spie­ler, die un­ter­schied­li­chen An­sät­ze der Re­gie soll­ten di­rekt auf­ein­an­der fol­gen.

So aber er­leb­te man die Sze­nen für sich, Sze­nen frei nach An­ton Tsche­chov, Ge­or­ge Ta­bo­ri, Mar­tin Heck­manns und Paul Maar. Selbst wenn man bei­spiels­wei­se Tsche­chovs „Drei Schwes­tern“und Ta­bo­ris „Mein Kampf“schon ei­ni­ge Ma­le auf der Büh­ne ge­se­hen hat, kann man sich nach Jah­ren nicht mehr an De­tails er­in­nern. Und ge­nau das wä­re nö­tig, um die Ar­beit, die hier von den acht Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern ge­leis­tet wur­de, rich­tig ein­schät­zen zu kön­nen. Da ist es für Thea­ter­freaks span­nen­der, bei ei­ner Pro­be mit­zu­er­le­ben, wie an De­tails ge­feilt wird. Was in Meers­burg ge­bo­ten wur­de, war sehr en­ga­gier­tes Spiel, das an­ste­ckend wirk­te. Man spür­te die Be­geis­te­rung der Ak­teu­re, aber letzt­lich wur­de sehr viel ver­schenkt, scha­de drum.

FO­TO: HEL­MUT VOITH

Thea­ter­päd­ago­gik BW zeigt Ab­schluss­ar­bei­ten: In in­ten­si­vem Spiel be­geg­nen sich in der Sze­ne aus Ta­bo­ris „Mein Kampf“der Ju­de Herzl und der Tod, hier Frau Herzl und Frau Tod.

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