Dif­fe­ren­zen in Han­dels­fra­gen

G20-Fi­nanz­mi­nis­ter rin­gen in Ba­den-Ba­den um Kom­pro­miss im Han­dels­streit mit den USA

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Wirtschaft -

(AFP/dpa) - Die Su­che der G20-Fi­nanz­mi­nis­ter nach ei­nem Kon­sens in der Han­dels­po­li­tik ge­stal­tet sich wei­ter schwie­rig: Zum Auf­takt ih­res Tref­fens in Ba­den-Ba­den am Frei­tag sperr­te sich die USDe­le­ga­ti­on nach An­ga­ben aus Ver­hand­lungs­krei­sen da­ge­gen, ei­ne kla­re Ab­sa­ge an Pro­tek­tio­nis­mus in die ge­mein­sa­me Er­klä­rung auf­zu­neh­men. Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) zeig­te sich aber „zu­ver­sicht­lich, dass wir nach dem Stand der Vor­be­rei­tung in ei­ner nicht ein­fa­chen Dis­kus­si­on mit auch neu­en Part­nern doch zu ei­nem gu­ten Er­geb­nis kom­men“.

Dem Ver­neh­men nach po­chen Län­der wie Frank­reich, Ita­li­en, Chi­na und Bra­si­li­en wei­ter dar­auf, in das Ab­schluss­kom­mu­ni­qué den üb­li­chen Ver­weis auf ei­ne „re­gel­ba­sier­te“und „mul­ti­la­te­ra­le“Han­dels­ord­nung auf­zu­neh­men. Der­zeit kur­sier­ten meh­re­re Al­ter­na­tiv­vor­schlä­ge. Deutsch­land ma­che sich für die Kom­pro­miss­for­mu­lie­rung von „fai­ren“Han­dels­be­zie­hun­gen stark. Nicht aus­ge­schlos­sen sei, dass die Fi­nanz­mi­nis­ter der 20 füh­ren­den In­dus­trie­und Schwel­len­län­der das The­ma am En­de aus­klam­mern könn­ten.

Streit­punkt Kli­ma­schutz

Die Fi­nan­zie­rung des Kamp­fes ge­gen den Kli­ma­wan­del sei ein wei­te­rer of­fe­ner Punkt der ge­mein­sa­men Er­klä­rung, die am Sams­tag ver­ab­schie­det wer­den soll. In Ver­hand­lungs­krei­sen hieß es, dass die USDe­le­ga­ti­on in die­sem Punkt noch auf Vor­ga­ben aus Wa­shing­ton war­te. Der neue US-Prä­si­dent Do­nald Trump hat­te den mensch­li­chen Ein­fluss auf den Kli­ma­wan­del wie­der­holt in Zwei­fel ge­zo­gen und be­hält sich ei­nen Rück­zug sei­nes Lan­des aus dem UN-Kli­ma­schutz­ab­kom­men von Pa­ris vor.

Schäu­b­le sag­te vor Be­ginn des Tref­fens, dass es un­ter­schied­li­che Sicht­wei­sen über die „rich­ti­ge For­mu­lie­rung über die Of­fen­heit des Welt­han­dels“ge­be. In ei­nem In­ter­view mit dem Süd­west­rund­funk er­klär­te der Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter, sein US-Kol­le­ge Ste­ven Mnu­ch­in ha­be deut­lich ge­macht, dass auch die Ver­ei­nig­ten Staa­ten für Frei­han­del und ei­ne ge­mein­sa­me Fest­le­gung in Ba­den-Ba­den sei­en. „Jetzt gibt es noch ein biss­chen ei­ne Dis­kus­si­on, ob wir die For­mu­lie­rung von frü­he­ren Tref­fen neh­men oder ob wir sie leicht ver­än­dern.“Er hof­fe, dass man sich ei­ni­gen kön­ne.

Die Sor­ge um die in­ter­na­tio­na­len Han­dels­be­zie­hun­gen und Be­den­ken, die Ame­ri­ka­ner könn­ten die nach der Fi­nanz­kri­se 2007/08 in­ter­na­tio­na­le ver­schärf­ten Re­geln für Ban­ken ein­sei­tig wie­der lo­ckern, über­la­ger­ten die of­fi­zi­el­le Agen­da, die Deutsch­land als G20-Gast­ge­ber ge­setzt hat: Stär­kung der Wi­der­stands­kraft der Volks­wirt­schaf­ten et­wa durch ein trag­fä­hi­ges Schul­den­ni­veau, In­ves­ti­ti­ons-Part­ner­schaf­ten mit Afri­ka, Chan­cen und Ri­si­ken der Di­gi­ta­li­sie­rung, Kampf ge­gen Geld­wä­sche.

Der Prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des deut­scher Ban­ken (BdB), Han­sWal­ter Pe­ters, mahn­te in ei­ner Er­klä­rung, die Er­run­gen­schaf­ten in­ter­na­tio­nal ab­ge­stimm­ter Re­ge­lun­gen für die Fi­nanz­märk­te nicht zu op­fern, „denn nur in­ter­na­tio­nal ab­ge­stimmt las­sen sich Re­geln wirk­sam und oh­ne Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen um­set­zen“.

US-Fi­nanz­mi­nis­ter be­schwich­tigt

Trump ist An­hän­ger ei­ner pro­tek­tio­nis­ti­schen Wirt­schafts­po­li­tik. In­ter­na­tio­nal wird be­fürch­tet, dass sei­ne Re­gie­rung im Welt­han­del ei­ne Ära der Han­dels­schran­ken ein­läu­tet. Sein Fi­nanz­mi­nis­ter Mnu­ch­in wies nach ei­nem Tref­fen mit Schäu­b­le am Don­ners­tag in Ber­lin Be­fürch­tun­gen vor ei­ner welt­wei­ten Ab­schot­tungs­spi­ra­le zu­rück. „Es ist nicht un­ser An­lie­gen, in Han­dels­krie­ge zu ge­ra­ten“, sag­te er bei ei­ner ge­mein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz.

Wa­shing­ton wol­le „ei­ne Füh­rungs­rol­le spie­len, wenn es um das welt­wei­te Wirt­schafts­wachs­tum geht“, sich da­bei aber auch „für ei­nen aus­ge­wo­ge­nen Han­del un­se­rer Volks­wirt­schaf­ten ein­set­zen“. Trumps Re­gie­rung hat­te Deutsch­land wie­der­holt we­gen sei­nes Han­dels­über­schus­ses kri­ti­siert und Straf­zöl­le ins Spiel ge­bracht. Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Bri­git­te Zy­pries (SPD) warn­te am Frei­tag im Deutschlandfunk, dass die Bun­des­re­gie­rung in die­sem Fall die USA bei der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on (WTO) ver­kla­gen könn­te. Nam­haf­te Öko­no­men wie Ifo-Chef Cle­mens Fu­est hat­ten zu­letzt Ber­lin und Brüs­sel ge­ra­ten, ei­ne sol­che Kla­ge schon ein­mal vor­zu­be­rei­ten.

Schäu­b­le sprach im SWR von ei­ner „freund­schaft­li­chen, of­fe­nen Be­geg­nung“mit Mnu­ch­in. Nach dem of­fi­zi­el­len Ge­spräch ha­be er mit sei­nem US-Kol­le­gen noch zwei St­un­den „pri­vat un­ter vier Au­gen beim Abend­es­sen ver­bracht“und sich „über die Welt­pro­ble­me“aus­ge­tauscht. Zu den Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten bei den Han­delsun­gleich­ge­wich­ten sag­te der Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter: „Wir wer­den das in al­ler Ru­he und oh­ne Kon­fron­ta­ti­on in den nächs­ten Mo­na­ten dis­ku­tie­ren.“

Frank­reichs Fi­nanz­mi­nis­ter Mi­chel Sa­pin be­klag­te, dass Wa­shing­ton kei­ne schlüs­si­ge Po­si­ti­on in der Han­dels­po­li­tik ver­tre­te. „Es ist mög­lich, dass die USA nicht in der La­ge sind, über die ver­ein­fa­chen­den Er­klä­run­gen in ei­nem Tweet hin­aus zu sa­gen, was sie pla­nen“, sag­te Sa­pin mit Blick auf Trumps re­gel­mä­ßi­ge Äu­ße­run­gen im On­li­ne­dienst Twit­ter.

FO­TO: DPA

IWF-Che­fin Chris­ti­ne La­g­ar­de und Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) zum Auf­takt des Tref­fens der G20-Fi­nanz­mi­nis­ter in Ba­denBa­den.

FO­TO: IMA­GO

Ste­ven Mnu­ch­in

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.