Lan­des­mu­se­um zeigt Son­der­schau

Aus­stel­lung „Zu Gast bei Ju­den. Le­ben in der mit­tel­al­ter­li­chen Stadt“star­tet am 8. April

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Veranstaltungen - Aus­stel­lung

(sz) - Die Son­der­aus­stel­lung „ Zu Gast bei Ju­den. Le­ben in der mit­tel­al­ter­li­chen Stadt“öff­net am Sams­tag, 8. April, im Archäo­lo­gi­schen Lan­des­mu­se­um Ba­den-Würt­tem­berg ih­re Pfor­ten und ge­währt Ein­bli­cke in die far­ben­fro­he Welt jü­di­schen Le­bens im Um­feld des Bo­den­sees. Die Ex­po­na­te sind bis zum 29. Ok­to­ber zu se­hen.

Wer im spä­ten Mit­tel­al­ter die Städ­te im Bo­den­see­raum be­such­te, traf wie selbst­ver­ständ­lich im bun­ten Tru­bel auch auf de­ren jü­di­sche Be­woh­ner. Über 250 Jah­re lang, von et­wa 1200 bis et­wa 1450, wa­ren jü­di­sche Fa­mi­li­en Teil der städ­ti­schen Kul­tur des Mit­tel­al­ters. Die Ju­den pfleg­ten Be­zie­hun­gen zu Kle­ri­kern, Rit­tern und Kauf­leu­ten, be­trie­ben theo­lo­gi­sche Stu­di­en und wa­ren kos­mo­po­li­tisch ver­netzt bis nach Frank­reich, Ita­li­en und Böh­men. Die städ­ti­sche Kul­tur des Mit­tel­al­ters am Bo­den­see war – in die­ser Hin­sicht der Ge­gen­wart nicht un­ähn­lich – von ei­nem mul­ti­re­li­giö­sen und mul­ti­kul­tu­rel­len All­tag ge­prägt.

Ge­mein­sa­me Ge­schich­te ge­rät in Ver­ges­sen­heit

Ab dem Be­ginn des 14. Jahr­hun­derts sei das Zu­sam­men­le­ben durch bru­ta­le Ver­fol­gungs­wel­len aber im­mer wie­der un­ter­bro­chen wor­den, schreibt das Lan­des­mu­se­um in der Pres­se­vor­schau. Schließ­lich ha­be die Ver­trei­bung der Ju­den aus den Städ­ten im 15. Jahr­hun­dert die ge­mein­sa­me Kul­tur be­en­det, das jü­di­sche Er­be wur­de weit­ge­hend zer­stört. Durch die­se ge­ziel­te Ver­nich­tung ist die ge­mein­sa­me Ge­schich­te fast ver­ges­sen. Fal­sche Vor­stel­lun­gen ha­ben sich un­ter Ju­den wie Nicht­ju­den über die­se Epo­che aus­ge­brei­tet. An­ders als an­ge­nom­men leb­ten die Ju­den der Bo­den­see­re­gi­on zum Bei­spiel kei­nes­wegs in Ghet­tos, son­dern oft im Zen­trum der Städ­te und hat­ten christ­li­che Nach­barn.

Die Er­for­schung der be­deu­ten­den Kul­tur­re­gi­on Bo­den­see fand bis­her na­he­zu oh­ne Be­rück­sich­ti­gung ih­rer jü­di­schen An­tei­le statt. Die Son­der­schau hin­ge­gen prä­sen­tiert das ge­mein­sa­me kul­tu­rel­le Er­be von Ju­den und Chris­ten im er­wei­ter­ten Bo­den­see­ge­biet im Rah­men des Pro­gramms zum „Jahr der Re­li­gio­nen“der Kon­stan­zer Kon­zils­fei­er­lich­kei­ten 2017. Da­mit soll der jü­di­sche Aspekt die­ser Kul­tu­ren zum ei­nen in der Kul­tur­ge­schich­te des Bo­den­see­rau­mes und zum an­de­ren in der Ge­schich­te der Ju­den in Eu­ro­pa ver­an­kert wer­den. Da­für wur­de die For­schung zu­sam­men­ge­tra­gen und die we­ni­gen und zer­streu­ten Spu­ren des jü­di­schen Er­bes ge­si­chert. Vie­le der ra­ren Zeug­nis­se sind bis­her schlecht er­forscht. Ge­mein­sam mit Stu­die­ren­den der Uni­ver­si­tät Kon­stanz hat die Pro­fes­so­rin für die Ge­schich­te der Re­li­gio­nen, Prof. Dr. Do­ro­thea Welte­cke, die­se Hin­ter­las­sen­schaf­ten in­ten­siv un­ter­sucht und stellt nun erst­mals die neu­en For­schungs­er­geb­nis­se vor.

Die Be­su­cher be­geg­nen vor al­lem der Bil­der­welt der Ju­den am Bo­den­see als dem be­son­ders her­aus­ra­gen­den Zeug­nis der mit­tel­al­ter­li­chen jü­di­schen Kul­tur der Re­gi­on. Bild­quel­len wur­den bis­her vor al­lem da­zu ge­nutzt, um den dis­kri­mi­nie­ren­den und ag­gres­si­ven Blick auf Ju­den im Mit­tel­al­ter zu ver­ste­hen. Da­ge­gen wer­den erst seit we­ni­gen Jah­ren von Ju­den in Auf­trag ge­ge­be­ne Bil­der ge­wür­digt. Die­se Per­spek­ti­ve wird hier zum ers­ten Mal in ei­ner Aus­stel­lung er­fahr­bar.

Ge­öff­net ist die diens­tags bis sonn­tags zwi­schen 10 und 18 Uhr.

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