Wohn­ge­mein­schaft für Jung und Alt

Jun­ge Men­schen hel­fen Se­nio­ren im All­tag und be­kom­men da­für güns­ti­ge Mie­ten

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen - Von Ja­ni­ne Na­pir­ca

- In Fried­richs­ha­fen ent­steht der­zeit die ers­te Wohn­ge­mein­schaft (WG) für Se­nio­ren und jun­ge Men­schen in Fried­richs­ha­fen. Im All­man­d­car­ré in der All­man­d­stra­ße 20 fin­den ab 1. Ju­ni acht Se­nio­ren und zwei Aus­zu­bil­den­de oder Stu­die­ren­de ein neu­es Zu­hau­se. Von die­ser Wohn­form sol­len so­wohl die äl­te­ren als auch die jün­ge­ren Men­schen pro­fi­tie­ren.

Mit zu­neh­men­dem Al­ter kön­nen sich die Le­bens­um­stän­de er­heb­lich ver­än­dern, all­täg­li­che Pflich­ten wie Wa­schen, Ko­chen oder Ein­kau­fen zur Her­aus­for­de­rung wer­den und auch mit Ein­sam­keit ha­ben zahl­rei­che Se­nio­ren zu kämp­fen. Das be­deu­tet aber nicht, dass man ei­ne Rund­um-Be­treu­ung be­nö­tigt: „Vie­len Se­nio­ren wird der Haus­halt zu viel, aber sie kön­nen ih­re Ta­ges­struk­tur noch selbst­stän­dig meis­tern“, sagt Dia­kon Ul­rich Gresch, Lei­ter der Bru­der­haus-Dia­ko­nie Al­ten­hil­fe Bo­den­see/Ober­schwa­ben, im Pres­se­ge­spräch. In Zu­sam­men­ar­beit mit der Kreis­bau­ge­nos­sen­schaft Bo­den­see­kreis hat die Dia­ko­nie das WGPro­jekt ins Le­ben ge­ru­fen.

Um eben die­se Un­ter­stüt­zung im All­tag zu er­hal­ten, sol­len zwei jun­ge Men­schen in die WG ein­zie­hen, die nach Ab­spra­che die Se­nio­ren, die ent­we­der äl­ter als 75 Jah­re sind oder ei­ne Pfle­ge­stu­fe ha­ben müs­sen, ent­las­ten sol­len. Nach dem Prin­zip „Woh­nen für Hil­fe“kön­nen die Miet­kos­ten für die Stu­den­ten oder Azu­bis ge­senkt wer­den. „Die Un­ter­stüt­zung rich­tet sich na­tür­lich nach dem Be­darf der Se­nio­ren, aber auch nach den Ar­beits- oder Vor­le­sungs­zei­ten der Aus­zu­bil­den­den und Stu­den­ten“, er­klärt die Quar­tiers­ma­na­ge­rin des All­man­d­car­rés, Ca­ro­lin Bu­cher.

Die Wohn­ge­mein­schaft ist kom­plett bar­rie­re­frei und be­steht aus zehn zwi­schen 15 und 20 Qua­drat­me­ter gro­ßen WG-Zim­mern. Je­der Be­woh­ner hat sein ei­ge­nes Bad und ei­ne ei­ge­ne Ter­ras­se. Wohn- und Ess­be­reich, Kü­che, La­ger­räu­me, Vor­rats­kam­mern und der gro­ße Saal wer­den von al­len ge­mein­schaft­lich ge­nutzt. Zu­sätz­lich gibt es ein Schlaf­zim­mer für Gäs­te.

Nach­bar­schafts­hil­fe be­kom­men die Se­nio­ren auch von der Dia­ko­nie­sta­ti­on, die sich ei­nen Stock über der Se­nio­ren-WG be­fin­det. Die Wohn­ge­mein­schaft ist au­ßer­dem mit ei­nem 24-St­un­den-Haus­not­ruf­sys­tem aus­ge­stat­tet. Zu­dem be­steht die Mög­lich­keit ei­ner am­bu­lan­ten Pfle­ge: „Der Ge­setz­ge­ber för­dert die­se Art von Wohn­for­men, des­we­gen be­zu­schusst die Pfle­ge­kas­se per­sön­li­che Pfle­ge­leis­tun­gen mit 214 Eu­ro“, er­gänzt Bu­cher. Ul­rich Gresch be­schreibt die Se­nio­ren-WG als „ei­ne Zwi­schen­stu­fe zwi­schen klas­si­schem be­treu­ten Woh­nen und dem Pfle­ge­heim“. Um her­aus­zu­fin­den, ob die Che­mie zwi­schen den WG-Be­woh­nern passt, ler­nen sie sich in in ei­nem Vor­ge­spräch ken­nen.

FO­TO: JA­NI­NE NA­PIR­CA

Ul­rich Gresch (Lei­ter der Bru­der­haus-Dia­ko­nie) und Ca­ro­lin Bu­cher (Ma­na­ge­rin des All­man­d­car­rés) pla­nen das WG-Pro­jekt.

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