„Ir­gend­wann wer­den Au­tos mit Am­peln kom­mu­ni­zie­ren“

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Nachrichten & Hintergrund -

- Stef­fen Bil­ger (Fo­to: pr), CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter aus Lud­wigs­burg, ist Ver­kehrs­ex­per­te der Uni­ons­frak­ti­on. Ka­rin Geu­pel be­frag­te ihn zum The­ma au­to­no­mes Fah­ren.

Wann wer­den au­to­nom fah­ren­de Au­tos in Deutsch­land nor­mal sein?

Au­to­nom fah­ren­de Au­tos sind Fahr­zeu­ge, bei de­nen das Sys­tem al­le Auf­ga­ben des Fah­rers vom Start bis zum Ziel über­nimmt. Bis sol­che Au­tos der Nor­mal­zu­stand sind, wird es si­cher noch vie­le Jah­re dau­ern. Wir be­schäf­ti­gen uns in dem jet­zi­gen Ge­setz­ent­wurf mit hoch- und voll­au­to­ma­ti­sier­ten Fahr­zeu­gen. Mit sol­chen Fahr­zeu­gen kann man wäh­rend der Fahrt auf dem Fah­rer­sitz bei­spiels­wei­se le­sen oder sich ein­fach ent­span­nen. Bei die­sen Au­tos muss der Fah­rer die Kon­trol­le über das Fahr­zeug je­der­zeit un­ver­züg­lich zu­rücker­lan­gen kön­nen.

Wer haf­tet, wenn das selbst­fah­ren­de Au­to ei­nen Un­fall baut?

Wie bei her­kömm­li­chen Fahr­zeu­gen haf­tet der Fah­rer für sei­ne Feh­ler, der Her­stel­ler haf­tet für Feh­ler des Sys­tems. Durch ei­nen Da­ten­spei­cher im Au­to, ei­ne Art Black­box, wird si­cher­ge­stellt, dass nach­voll­zo­gen wer­den kann, wer wann die Ver­ant­wor­tung hat­te. Da­bei ha­ben wir Da­ten­schutz­as­pek­te wei­test­ge­hend be­rück­sich­tigt.

Das heißt aber, ich als Fah­rer muss doch stän­dig ein Au­ge auf die Stra­ße ha­ben?

Nach dem Ge­setz dür­fen Sie sich „ab­wen­den“. Nach un­se­rem Ver­ständ­nis heißt das, dass Sie den Blick von der Stra­ße wen­den dür­fen. Sie sind aber ver­pflich­tet, wahr­neh­mungs­be­reit zu blei­ben und un­ver­züg­lich wie­der zu über­neh­men, wenn Sie vom Sys­tem da­zu auf­ge­for­dert wer­den.

Ist ein Sze­na­rio vor­stell­bar, in dem ge­wöhn­li­che Au­tos auf deut­schen Stra­ßen ir­gend­wann so­gar ver­bo­ten wer­den, weil sie ein Ri­si­ko für au­to­nom fah­ren­de Au­tos dar­stel­len?

Das ist si­cher noch Zu­kunfts­mu­sik. Wir er­le­ben aber jetzt schon vie­le Ent­wick­lun­gen. Auch heu­te gibt es schon Vor­stu­fen zum au­to­ma­ti­sier­ten Fah­ren. Vie­le ken­nen Stau­war­ner, mit de­nen das Au­to au­to­ma­tisch her­un­ter­bremst. Es gibt auch be­reits Au­tos, die im Stau­ver­kehr selbst die Fah­rer­funk­ti­on über­neh­men. Das wird sich im­mer wei­ter ent­wi­ckeln. Ir­gend­wann wer­den wir an den Punkt kom­men, dass Au­tos mit Am­peln kom­mu­ni­zie­ren oder Kran­ken­wa­gen Si­gna­le aus­sen­den, da­mit ei­ne Ret­tungs­gas­se ge­bil­det wird. Dann wird sich schon die Fra­ge stel­len, wie her­kömm­li­che Au­tos noch in die­ses Sys­tem rein­pas­sen. Aber da geht es um Jahr­zehn­te. Das ist bis­her eher ei­ne Vor­stel­lung, die man aus der Sci­ence-Fic­tion kennt.

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