Auf­re­gung um Schwei­zer Spi­on

54-Jäh­ri­ger we­gen „mut­maß­li­cher ge­heim­dienst­li­cher Agen­ten­tä­tig­keit“fest­ge­nom­men

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Erste Seite -

BER­LIN/ZÜ­RICH (dpa) - Ei­nem un­ter Spio­na­ge­ver­dacht in Frank­furt fest­ge­nom­me­ner Schwei­zer wird vor­ge­wor­fen, für den Nach­rich­ten­dienst sei­nes Lan­des deut­sche Steu­er­fahn­der, die am An­kauf von Bank­da­ten be­tei­ligt wa­ren, aus­ge­forscht zu ha­ben. Dies mel­det die Zei­tung „Blick“un­ter Be­ru­fung auf den deut­schen An­walt des Schwei­zers. Die Bun­des­an­walt­schaft hat­te den 54-Jäh­ri­gen fest­neh­men las­sen, weil er drin­gend ver­däch­tig sei, seit 2012 für den Ge­heim­dienst ei­ner frem­den Macht tä­tig ge­we­sen zu sein. Deut­sche Po­li­ti­ker re­agier­ten em­pört.

BER­LIN (dpa/AFP) - Der An­kauf von Steu­er-CDs hat schon vor Jah­ren zu Span­nun­gen zwi­schen Deutsch­land und der Schweiz ge­führt. Jetzt soll ein Schwei­zer Spi­on deut­sche Steu­er­fahn­der aus­ge­forscht ha­ben. Die Fest­nah­me des 54-jäh­ri­gen Schwei­zers Da­ni­el M. er­folg­te laut Bun­des­an­walt­schaft „we­gen mut­maß­li­cher ge­heim­dienst­li­cher Agen­ten­tä­tig­keit“für „den Ge­heim­dienst ei­ner frem­den Macht“.

Durch­su­chung in Frank­furt

In die­sem Zu­sam­men­hang sei­en Wohn- und Ge­schäfts­räu­me in Frank­furt so­wie im Wet­ter­au­kreis durch­sucht wor­den. An dem Ein­satz be­tei­ligt wa­ren Be­am­te des Bun­des­kri­mi­nal­amts. Laut der Ta­ges­zei­tung „Die Welt“wur­den auch Ho­tel­zim­mer durch­sucht. Ge­gen Da­ni­el M. lag laut Bun­des­an­walt­schaft be­reits seit dem 1. De­zem­ber 2016 ein Haft­be­fehl vor.

Laut ei­nem Be­richt der „Neu­en Zürcher Zei­tung“hat­te das schwei­ze­ri­sche Au­ßen­mi­nis­te­ri­um die Fest­nah­me ei­nes Bür­gers des Lan­des in Deutsch­land be­stä­tigt. Da­ni­el M., der am Frei­tag ei­nem Er­mitt­lungs­rich­ter vor­ge­führt wur­de, soll der Zei­tung „Die Welt“zu­fol­ge für den Nach­rich­ten­dienst des Bun­des (NDB), den Schwei­zer Ge­heim­dienst, ge­ar­bei­tet ha­ben. Er sei als Spi­on im deut­schen Fi­nanz­sek­tor und Ban­ken­we­sen ein­ge­setzt wor­den. Sein Auf­trag war es dem­nach, deut­sche Steu­er­fahn­der zu iden­ti­fi­zie­ren, die am An­kauf der Steu­er-CDs mit Da­ten un­ter an­de­rem zu Steu­er­be­trugs­fäl­len be­tei­ligt wa­ren. Die Zei­tung „Blick“mel­de­te am Sonn­tag un­ter Be­ru­fung auf den deut­schen An­walt des Ver­däch­ti­gen, sei­nem Man­dant wer­de die­ser Vor­wurf ge­macht.

Nach In­for­ma­tio­nen der „Welt“soll der Schwei­zer jah­re­lang als Spi­on des Schwei­zer Ge­heim­diens­tes NDB in Deutsch­land tä­tig ge­we­sen sein.

Kraft: „Das ist ei­ne Saue­rei“

Nord­rhein-West­fa­lens Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft hat die mut­maß­li­che Aus­for­schung deut­scher Steu­er­fahn­der scharf ver­ur­teilt. „Wenn das stimmt, ist das ein ech­ter Skan­dal“, sag­te die SPD-Po­li­ti­ke­rin am Mon­tag. „Das ist ei­ne Saue­rei.“Die NRW-Lan­des­re­gie­rung wer­de sich nicht da­von ab­brin­gen las­sen, den Weg der Steu­er­ge­rech­tig­keit wei­ter­zu­ge­hen. NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans sag­te, die Lan­des­re­gie­rung wer­de sich nicht ein­schüch­tern las­sen. Die NRW-Fi­nanz­ver­wal­tung er­wer­be Steu­erCDs, „weil sie Steu­er­hin­ter­zie­hung nicht an­ders auf­klä­ren kann“. Nord­rhein-West­fa­len schließt den An­kauf wei­te­rer Steu­er-CDs als letz­tes Mit­tel im Kampf ge­gen Steu­er­hin­ter­zie­hung nicht aus, hieß es im Mi­nis­te­ri­um.

Im Kampf ge­gen die grenz­über­schrei­ten­de Steu­er­flucht hat­ten die EU und die Schweiz im Mai 2015 ein Ab­kom­men über den au­to­ma­ti­schen Aus­tausch von Bank­da­ten ab 2018 be­sie­gelt. Bei In­kraft­tre­ten des Ab­kom­mens wer­den die 28 EU-Staa­ten künf­tig von der Schweiz jähr­lich Da­ten zu al­len Steu­er­pflich­ti­gen er­hal­ten, die dort ein Kon­to ha­ben. Die glei­chen Ver­pflich­tun­gen ha­ben dann auch die EU-Staa­ten ge­gen­über der Schweiz.

Seit 2006 hat­ten meh­re­re Bun­des­län­der so­ge­nann­te Steu­er­sün­der-CDs mit ge­stoh­le­nen Kun­den­da­ten aus der Schweiz und Liech­ten­stein an­ge­kauft. Das von der Schweiz kri­ti­sier­te Vor­ge­hen wur­de von höchs­ten deut­schen und eu­ro­päi­schen Ge­rich­ten als ju­ris­tisch zu­läs­sig an­er­kannt.

FO­TO: DPA

Seit 2006 ha­ben meh­re­re Bun­des­län­der so­ge­nann­te Steu­er­sün­derCDs an­ge­kauft.

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