WM-Ge­ne­ral­pro­be in Ra­vens­burg ge­glückt

Eis­ho­ckey-Na­tio­nal­mann­schaft ge­winnt letz­ten WM-Test in Ra­vens­burg mit 3:2 ge­gen Lett­land

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Erste Seite - Von Joa­chim Lin­din­ger vor

RA­VENS­BURG (lin) - Deutsch­lands Eis­ho­ckey-Na­tio­nal­mann­schaft hat ihr letz­tes Test-Län­der­spiel vor dem Start der Eis­ho­ckey-WM im ei­ge­nen Land ge­won­nen. In Ra­vens­burg ge­wann das Team vor 3300 Zu­schau­ern mit 3:2 (0:0, 1:0, 2:2) ge­gen Lett­land. Die To­re für die DEB-Aus­wahl er­ziel­ten Fre­de­rik Tif­fels (28. Mi­nu­te/49.) und NHL-Pro­fi Den­nis Sei­den­berg (56.). Deutsch­land star­tet am Frei­tag­abend in Köln ge­gen die USA ins Heim­tur­nier.

RA­VENS­BURG - Es ist ei­ne Grat­wan­de­rung, so ein letz­tes Vor­be­rei­tungs­spiel vier Ta­ge vor dem Welt­meis­ter­schafts­auf­takt: Er­kennt­nis zählt mehr als Er­geb­nis, Ver­let­zun­gen wä­ren fa­tal. An­de­rer­seits, so hat es Patrick Rei­mer, DEL-Re­kord­tor­schüt­ze und ei­ner der Treff­si­chers­ten auch in der Na­tio­nal­mann­schaft, for­mu­liert, wol­le man sich ja „vor den ei­ge­nen Fans top ein­ge­stellt prä­sen­tie­ren“und – er­gänz­te Bun­des­trai­ner Mar­co Sturm – „mit ei­nem gu­ten Ge­fühl nach Köln rei­sen“. Deutsch­lands Eis­ho­ckey­spie­ler er­wie­sen sich als ve­ri­ta­ble Grat­wan­de­rer am Mon­tag­abend in Ra­vens­burg: 3:2 (0:0, 1:0, 2:2) be­zwan­gen sie Lett­land. Das gu­te Ge­fühl al­so war mit im Ge­päck, als ihr Flug­zeug ge­gen 23 Uhr vom Flug­ha­fen Memmingen aus gen WM-Schau­platz ab­hob. Tor­schüt­zen vor 3300 Zu­schau­ern: zwei­mal Fre­de­rik Tif­fels, ein­mal Den­nis Sei­den­berg. „Das“, be­fand Ver­bands­prä­si­dent Franz Reindl zu­frie­den, „macht Spaß, hier zu­zu­schau­en.“

Von den Er­kennt­nis­sen ist die­je­ni­ge nicht tau­frisch, dass die Let­ten ein un­be­quem zu spie­len­der Geg­ner sind. Läu­fe­risch top, tech­nisch ver­siert, neu­er­dings auch von ei­ner ge­wis­sen Wehr­haf­tig­keit, sprich: da­ge­gen­hal­tend. Es dau­er­te, ehe Mar­co Sturms Man­nen da We­ge zum Ab­schluss fan­den. Den feins­ten durch die Rei­he mit Ya­sin Eh­liz, Fre­de­rik Tif­fels und eben Patrick Rei­mer; der, pri­ma in Sze­ne ge­setzt, schei­ter­te aus der Nah­dis­tanz an Tor­hü­ter Ivars Pun­ne­novs. Ei­ni­ges mehr zu tun aber hat­te bis zur ers­ten Pau­se des­sen Ge­gen­über Dan­ny aus den Bir­ken. Lett­land dräng­te, der Münch­ner hielt.

Drit­tel zwei sah ei­ne un­gleich kon­trol­lier­ter, doch nach wie vor ge­dul­dig agie­ren­de deut­sche Aus­wahl. Lohn war das 1:0 in Über­zahl (27:51). Ein aty­pi­scher Po­wer­play-Tref­fer: Mit Jus­tin Krue­gers Pass ska­te­te Fre­de­rik Tif­fels über rechts auf und da­von, punkt­ge­nau ex­pe­dier­te er die Schei­be in je­ne Lü­cke, die Ivars Pun­ne­novs zwi­schen Schul­ter und Ge­stän­ge ge­las­sen hat­te.

Fre­de­rik Tif­fels, das ne­ben­bei ge­sagt, ist 21, stürmt übers Jahr für die Wes­tern Mi­chi­gan Uni­ver­si­ty, be­stritt wäh­rend der WM-Vor­be­rei­tung sei­ne Län­der­spie­le eins bis acht. Und leg­te im Schluss­ab­schnitt (48:14) nach, ehe Frenks Raz­gals (51:43) ver­kürz­te, ehe Den­nis Sei­den­berg (55:08) trotz Lau­ris Dar­zins’ Über­zahl­tor (58:50; zu­dem mit sechs­tem Feld­spie­ler) Klar­heit er­zwang: Deutsch­land hier mit dem Wil­len, die Grat­wan­de­rung zum ge­wünsch­ten En­de zu brin­gen.

Knap­pe Nie­der­la­ge in Bie­tig­heim

Ein har­tes Stück Ar­beit brauch­te das ge­gen die Mann­schaft des ka­na­di­schen Trai­ners Bob Hart­ley, die schon in Bie­tig­heim tags zu­vor mit be­mer­kens­wer­ter phy­si­scher Prä­senz ge­punk­tet hat­te. Und: mit er­schre­cken­der Ef­fek­ti­vi­tät. 47:23 lau­te­te das Schuss­ver­hält­nis zu­guns­ten Deutsch­lands nach 60 Net­to­mi­nu­ten, un­ent­schie­den, 3:3, aber stand es. Ei­ne 2+2-Mi­nu­ten-Stra­fe ge­gen Brooks Macek we­gen ho­hen Stocks nutz­te Ro­berts Bu­karts nach 3:46 Mi­nu­ten der Ver­län­ge­rung gar zum 3:4 (0:1, 1:1 2:1/0:1); die 8:0 Schüs­se der Gäs­te in der Over­ti­me er­klä­ren sich durch ih­re 4:3-Über­zahl.

Die deut­sche Nie­der­la­ge in­des er­klärt sich durch ei­nen groß­zü­gi­gen bis fahr­läs­si­gen Um­gang mit Tor­mög­lich­kei­ten und durch di­ver­se Um­stel­lun­gen spe­zi­ell in der Of­fen­si­ve. Mar­co Sturm woll­te be­wusst noch ein­mal aus­pro­bie­ren, tes­ten, vor­spie­len las­sen. Die Qua­li­tät ei­ner (et­wa bei der WM 2016 über­ra­gen­den) For­ma­ti­on Phi­lip Go­gul­la, Patrick Ha­ger, Fe­lix Schütz kennt der Bun­des­trai­ner zur Ge­nü­ge; am Sonn­tag­abend saß Patrick Ha­ger auf der Tri­bü­ne, für sei­ne Rei­hen­kol­le­gen gab es neue Ne­ben­leu­te. Eben­so ge­schont zwecks Al­ter­na­ti­ven-Checks wur­den die An­grei­fer Ya­sin Eh­liz (zu­letzt drei Tref­fer beim 7:4 ge­gen Tsche­chi­en) und To­bi­as Rie­der so­wie die De­fen­siv­grö­ßen Chris­ti­an Ehr­hoff und Den­nis Sei­den­berg. Sprich: Da schau­ten 1996 NHL-Spie­le zu – ein Lu­xus, den es de­fi­ni­tiv nur der WM ge­ben kann. Er­hofft stark in Bie­tig­heim: Ne­wYork-Is­lan­ders-Schluss­mann Tho­mas Greiss. Über­ra­schend stark nicht nur we­gen sei­nes fre­chen Bau­erntricks zum 2:2: Fre­de­rik Tif­fels! Al­so: Es war ei­ne ver­lo­re­ne Par­tie der bes­se­ren Art, die­ses 3:4. Är­ger­lich zwar, aber – so durf­te Ver­tei­di­ger Kon­rad Abelts­hau­ser un­wi­der­spro­chen bi­lan­zie­ren: „Wir wa­ren über wei­te Stre­cken gut und do­mi­nant.“

In Ra­vens­burg über­dies sieg­reich. Mar­co Sturm wuss­te es ein­zu­ord­nen: Das Er­folgs­er­leb­nis „neh­men wir na­tür­lich mit. Man merkt’s auch an der Stim­mung der Jungs: Es tut ein­fach gut.“Nicht nur als Weg­zeh­rung für den Nacht­flug.

FO­TO: DPA

Fre­de­rik Tif­fels (links) freut sich mit Fe­lix Schütz über ei­nes sei­ner zwei To­re in Ra­vens­burg.

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Der deut­sche Tor­wart Dan­ny aus den Bir­ken (Mit­te) hält ge­gen Lett­lands Ja­nis Sprukts.

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