Glän­zen­des Früh­lings­kon­zert in Fri­ckin­gen

Phil­har­mo­nie Kon­stanz und Kla­ri­net­tist Re­to Bie­ri be­geis­tern mit mu­ti­gem Pro­gramm

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Salem/deggenhausertal - Von Chris­tel Voith

FRI­CKIN­GEN - Bei strah­len­dem Son­nen­schein ist die Süd­west­deut­sche Phil­har­mo­nie am frü­hen Sonn­tag­abend mit In­ten­dant Beat Fehl­mann und Chef­di­ri­gent Ari Ra­si­lai­nen zu ei­nem glän­zen­den Früh­lings­kon­zert in die Graf-Burchard-Hal­le nach Fri­ckin­gen ge­kom­men. So­list des Kon­zerts war der Schwei­zer Kla­ri­net­tist Re­to Bie­ri, Pro­fes­sor an der Mu­sik­hoch­schu­le Würz­burg und In­ten­dant des Da­vos Fes­ti­vals. „Klang­ma­gi­er auf der Kla­ri­net­te“hat man Bie­ri schon ge­nannt und die­se Ma­gie durf­ten die Zu­hö­rer er­le­ben in Fa­zil Says Kla­ri­net­ten­kon­zert Omar Khay­yam op. 36 von 2011, das im Zen­trum stand.

In wun­der­ba­rem Ein­klang mit Di­ri­gent und Orches­ter ließ Bie­ri das Bild des Den­kers aus dem 11. Jahr­hun­dert ent­ste­hen, der in sei­ner Kind­heit noch mit sich selbst kämpft, sich erst ent­de­cken muss, bis er in sei­ner Frau den nö­ti­gen Rück­halt fin­det – wun­der­ba­re Pas­sa­gen von Kla­ri­net­te und dem sie tra­gen­den So­lo­cel­lo – und zu­letzt sich ge­gen die feind­lich ge­son­ne­ne Welt durch­setzt, in sich selbst ru­hend, im Ein­klang mit sei­ner Frau – ge­ra­de­zu ver­klärt ist das letz­te Zwie­ge­spräch mit dem Cel­lo, nach dem ge­bann­te Stil­le herrscht, ehe der Kla­ri­net­tist den Cel­lis­ten um­armt und der Bei­fall los­bricht. In un­ter­schied­lichs­ten Stim­mun­gen und Far­ben war die Kla­ri­net­te zu er­le­ben: Sug­ges­tiv wie ein Schlan­gen­be­schwö­rer fes­sel­te der So­list, ehe sein In­stru­ment wie ein ver­ängs­tig­ter Vo­gel flat­ter­te, kämp­fend ge­gen ein Orches­ter, das ihm bald lei­se fau­chend wie ein lau­ern­des Tier, bald in mar­tia­li­schem Auf­ruhr ge­gen­über­stand. Im­mer wie­der kon­tras­tier­ten ein poe­ti­sches So­lo und die ag­gres­si­ve Be­dro­hung, un­ter der das So­lo­in­stru­ment ein­sam ver­stumm­te, doch am En­de stand ein sich in die Hö­he tas­ten­des, ver­klär­tes Spiel der Kla­ri­net­te, ein Ru­fer, der zu sich, zu see­len­vol­lem Spiel ge­fun­den hat, dem nun auch das be­sänf­tig­te Orches­ter folgt. Ein star­kes Kon­zert, zugleich ei­ne po­li­ti­sche Bot­schaft des Kom­po­nis­ten, des­sen Zi­ta­te aus Khay­yams Schrif­ten ihm ei­ne Haft­stra­fe auf Be­wäh­rung ein­brach­ten.

Mit­rei­ßen­de Fest­mu­sik

Dan­ke dem Orches­ter für den Mut, auch mit un­kon­ven­tio­nel­len Wer­ken be­kannt zu ma­chen. Das gilt in ge­wis­sem Ma­ße auch für die Fest­po­lo­nai­se des nor­we­gi­schen Kom­po­nis­ten Jo­han Se­ve­rin Svend­sen, die Ra­si­lai­nen mit sei­nem Orches­ter pracht­voll er­glü­hen ließ, ei­ne mit­rei­ßen­de, fast wie­ne­risch schwin­gen­de Fest­mu­sik mit be­zau­bernd volks­tüm­li­chen Me­lo­di­en, mit fröh­li­chem Flö­ten­spiel und strah­len­dem Blä­ser­glanz. Nicht min­der fas­zi­nie­rend war zu­letzt das viel­fach schil­lern­de Spiel, wel­ches das Orches­ter in Ge­or­ges Bi­zets Ar­le­si­en­ne-Sui­te Nr. 1 und der post­hum von Er­nest Guiraud ge­schaf­fe­nen, auf Pas­sa­gen von Bi­zets Büh­nen­mu­sik ba­sie­ren­den Ar­le­si­en­ne-Sui­te Nr. 2 ent­fal­te­te: ob in Schwer­mut oder im me­lo­dien­se­li­gen Du­ett von Flö­te und Har­fe oder am En­de in der stür­mi­schen Orches­ter­power der Fa­ran­do­le.

FO­TO: HEL­MUT VOITH

In bes­tem Zu­sam­men­spiel mit Di­ri­gent Ari Ra­si­lai­nen und dem Orches­ter spielt der Schwei­zer Re­to Bie­ri das Kla­ri­net­ten­kon­zert zu Omar Khay­yam von Fa­zil Say.

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