„Fe­mi­nis­mus ist Män­ner­sa­che!“

Künst­ler­kol­lek­tiv WIK möch­te mit Nackt-Ak­ti­on bei der Tu­ning World ei­ne Se­xis­mus­de­bat­te an­re­gen

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen - Vi­deo www.schwa­ebi­sche.de/nptw17

(ler) - Die Er­eig­nis­se kurz vor der Per­for­mance des WIK-Kol­lek­tivs „Se­xism sells – I pimp your pro­ducts“: Wäh­rend Platz 16 von 16 der aus­ge­zeich­ne­ten Au­tos von ei­ner Frau ge­tunt wur­de – die die ein­zi­ge Frau un­ter den 16 Preis­trä­gern des Show­downs blei­ben wird – wird Dotz-Girl Ma­ria ge­fragt, was man denn für Kri­te­ri­en er­fül­len müs­se, um ih­re Po­si­ti­on als Mar­ken­bot­schaf­te­rin zu be­kom­men. Die 23-Jäh­ri­ge, die laut Dotz-Web­sei­te sechs Spra­chen spricht und stu­diert, lacht und er­klärt dem Pu­bli­kum: „Man muss gut aus­se­hen und im­mer gu­te Lau­ne ha­ben!“

Im Grun­de be­schreibt die­se Vor­ge­schich­te ge­nau das, was die Künst­ler mit ih­rer Ak­ti­on kri­ti­sie­ren möch­ten, stel­len sie fest, als sie sich das Vi­deo der Preis­ver­lei­hung on­li­ne an­se­hen. Wir ha­ben die Vier ge­trof­fen und zu ih­ren Be­weg­grün­den be­ge­fragt. „Frau­en sind auf die­ser Mes­se kom­plett pas­siv. Sie die­nen zur De­ko­ra­ti­on, als schmü­cken­des Bei­werk“, schil­dert ei­ne der Ak­ti­vis­tin­nen. Am ein­präg­sams­ten sei für sie der Mo­de­ra­tor der Can­dy­girl­show ge­we­sen, der ei­ne der Frau­en für Sel­fies an­ge­prie­sen hät­te. „Sie selbst dien­te le­dig­lich als Schmuck für Er­in­ne­rungs­fo­tos.“Auch hät­te sie auf­fäl­lig ge­fun­den, dass bis auf zwei be­leuch­te­te Au­tos am Rand der Raum nur für Büh­nen­shows mit leicht be­klei­de­ten Frau­en ge­dient ha­be. „Man kommt durch die Mes­se­hal­len, in de­nen es wirk­lich um Tu­ning und Au­tos geht und da steht man dort bei so ei­ner Show, die gar kei­nen Be­zug zum The­ma hat.“

Hier wür­de die Ste­reo­ty­pe ei­nes he­te­ro­se­xu­el­len Man­nes ge­för­dert, der zu sei­nem Au­to noch ei­ne de­ko­ra­ti­ve Frau be­nö­ti­ge, um glück­lich zu sein. Auf die Fra­ge, was der ein­zi­ge Mann der Run­de da­zu sagt, er­klärt er, dass er noch nie ver­stan­den ha­be, wie­so je­der den­ke, dass Fe­mi­nis­mus ein Frau­en­ding sei. „Fe­mi­nis­mus ist Män­ner­sa­che“, be­tont er. Der Grund? „Wir sind doch hier die Pri­vi­le­gier­ten. Es ist mei­ne Pflicht, als Mann Fe­mi­nist zu sein und mit die­sen Rol­len zu bre­chen.“In die­sem Zu­sam­men­hang sei es ihm auch wich­tig, dass sich ih­re Ak­ti­on kei­nes­falls ge­gen die Frau­en rich­ten sol­le, die hier nackt po­sier­ten. So­wie­so sei Nackt­heit ja gar kein Pro­blem, viel­mehr ge­he es um die Funk­ti­on, die die Frau­en hier er­füll­ten.

Die Künst­ler hof­fen, durch die Ak­ti­on Fra­gen stel­len zu kön­nen. Auch die da­nach, wie­so sich vie­le Frau­en gar nicht dis­kri­mi­niert füh­len, wenn ih­nen Kom­pe­ten­zen ab­ge­spro­chen wer­den und sie nur zur De­ko­ra­ti­on die­nen dür­fen? „Man kann ja nie­man­dem vor­schrei­ben, von was er oder sie sich dis­kri­mi­niert füh­len soll“, be­tont ei­ne Ak­ti­vis­tin. Ge­ra­de da­her sei die Form ei­ner Kunst- und kei­ner Pro­test­ak­ti­on wich­tig. Die­se er­mög­li­che es, Fra­gen zu stel­len und ei­nen Raum für Dis­kurs und auch Dif­fe­ren­zen zu er­öff­nen, wäh­rend ei­ne Pro­test­ak­ti­on stets an­pran­ge­re und da­mit nicht viel Frei­raum las­se.

von der

und ein Ak­ti­on gibt es un­ter

FO­TO: LE­NA REI­NER

Wäh­rend ei­ner Preis­ver­lei­hung auf der Tu­ning World lie­fen plötz­lich drei nack­te Frau­en und ein Mann durch die Hal­le, be­klei­det nur mit Mo­tor­rad­hel­men.

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