„Ame­ri­ka ist nicht mehr mein Land“

Ron Bra­ckett und Chet Dur­nal zie­hen nach 100 Ta­gen von Do­nald Trump ei­ne ne­ga­ti­ve Bi­lanz

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg/daisendorf - Von Ju­lia Frey­da

- Schock war die ers­te Re­ak­ti­on von Ron Bra­ckett und Chet Dur­nal auf die Wahl von Do­nald Trump zum US-Prä­si­den­ten. Nach rund 100 Ta­gen des Re­pu­bli­ka­ners im Amt wech­seln sich bei den Ame­ri­ka­nern Wut, Ver­zweif­lung und Trau­er ab.

„Das Wahl­sys­tem, das ei­gent­lich ver­hin­dern soll­te, dass ei­ne un­ge­eig­ne­te Per­son ins Amt kommt, hat ver­sagt“, sagt Bra­ckett. Seit 2010 lebt der ehe­ma­li­ge Na­vy-Sol­dat mit sei­nem Part­ner in Deutsch­land, ver­folgt die Nach­rich­ten im Hei­mat­land von Dai­sen­dorf aus über In­ter­net und Fern­se­hen. Dur­nal gibt zu be­den­ken: „Mil­lio­nen ha­ben für ihn ge­stimmt, das darf man auch nicht aus­blen­den.“Feh­ler hät­ten auch die De­mo­kra­ten ge­macht. Et­wa den Men­schen mit we­nig Bil­dung und wirt­schaft­li­chen Pro­ble­men nicht zu­zu­hö­ren. „Trump hat die­se Leute zwar an­ge­lo­gen, aber sie er­reicht und ih­re Stim­me be­kom­men“, sagt Dur­nal.

Fa­schis­ti­sche Ele­men­te

Nach 100 Ta­gen des neu­en re­pu­bli­ka­ni­schen Prä­si­den­ten se­hen die Mit­glie­der der Or­ga­ni­sa­ti­on „De­mo­crats Abroad“(deutsch: De­mo­kra­ten im Aus­land) ih­re schlimms­ten Be­fürch­tun­gen so­gar über­trof­fen. Vor der Wahl ha­be Trump an­ge­kün­digt, den Sumpf der po­li­ti­schen Kor­rup­ti­on in Wa­shing­ton tro­cken­zu­le­gen. Tat­säch­lich ha­be er aber Per­so­nen in sein Ka­bi­nett ge­holt, die er zu­vor scharf kri­ti­siert und dä­mo­ni­siert hat. „Er hat den Sumpf so­zu­sa­gen ins Wei­ße Haus ge­pumpt“, sagt Bra­ckett. Trump sei es egal, was mit dem Land und den Men­schen ge­sche­he. Dur­nal be­dau­ert vor al­lem Trumps an­hal­ten­de Me­dien­schel­te. „Er dis­kre­di­tiert die Me­di­en, die sei­ne Feh­ler auf­zei­gen. Das ist ein Ele­ment des Fa­schis­mus.“In ei­ner Face­boo­kG­rup­pe von in Deutsch­land le­ben­den Ame­ri­ka­nern wür­den Lands­leu­te in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ver­mehrt Fra­gen zu ei­ner Aus­wan­de­rung stel­len. „In nur 100 Ta­gen hat er die USA zu et­was ge­macht über das die Welt lacht“, be­dau­ert Dur­nal. Die The­men ame­ri­ka­ni­sche Po­li­tik und Trump sei er leid ge­wor­den. „Ame­ri­ka ist nicht mehr mein Land.“Schon vor Trump ha­be es Miss­stän­de im Land ge­ge­ben, aber mit ihm als Prä­si­den­ten ver­schlech­te­re sich die La­ge. So ha­ben bei­de auch kei­ne Hoff­nung, dass sich in den nächs­ten 100 Ta­gen et­was ver­bes­sert. „Je län­ger er Prä­si­dent ist, des­to ar­ro­gan­ter wird er“, ist Bra­ckett über­zeugt.

Ei­ne Rück­kehr nach Ame­ri­ka kommt für bei­de auch aus per­sön­li­chen Grün­den nicht in­fra­ge. „Wir sind zwei Män­ner und mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet. Die USA sind nicht si­cher für uns, in Deutsch­land er­fah­ren wir sehr viel mehr To­le­ranz“, be­rich­tet Dur­nal. Denn mit Trump sei­en Ame­ri­kas Pro­ble­me nun nicht nur po­li­tisch, son­dern auch ge­sell­schaft­lich. Zu sehr be­schäf­ti­gen mag der Rent­ner sich da­mit aber nicht mehr. „Ich kann mein Le­ben nicht da­mit ver­brin­gen, mich rum­zu­är­gern“, sagt Dur­nal. Bra­ckett sieht es et­was an­ders: „Ich will auf dem ak­tu­el­len Stand sein. Auch wenn ich weiß, dass ich we­nig ver­än­dern kann.“

FO­TO: JU­LIA FREY­DA

Die Ame­ri­ka­ner Ron Bra­ckett (links) und Chet Dur­nal le­ben in Dai­sen­dorf.

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