„Der Spitz­na­me hat ge­passt“

Ex SCP-Pro­fi Tho­mas Steh­le spiel­te in der Bun­des­li­ga und stu­diert jetzt BWL

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Regionalsport -

- Tho­mas Steh­le star­te­te sei­ne Pro­fi­kar­rie­re einst beim SC Pful­len­dorf, spiel­te dann für den 1. FC Nürn­berg und Ale­man­nia Aachen in der 1. und 2. Fuß­ball-Bun­des­li­ga. Im Rah­men der SZ-Se­rie „Was macht ei­gent­lich...?“un­ter­hielt sich SZ-Re­dak­teur Oli­ver Koth­mann mit dem in Über­lin­gen ge­bo­re­nen Ex-Pro­fi, dem auf­grund sei­ner mit­un­ter ziem­lich har­ten Spiel­wei­se der Spitz­na­me „die Axt“zu­teil wur­de.

Wie läuft Ihr Le­ben nach der Pro­fi­kar­rie­re, Herr Steh­le?

Dan­ke, gut. Ich woh­ne mit mei­ner Frau in Wür­se­len bei Aachen. Wir füh­len uns hier sehr wohl und möch­ten auch in Zu­kunft hier blei­ben. 2014 ha­be ich zum Win­ter­se­mes­ter ein BWL-Stu­di­um auf­ge­nom­men an der FH Aachen. Da bin ich jetzt im sechs­ten Se­mes­ter. Im nächs­ten Se­mes­ter wer­de ich mei­ne Ba­che­l­or­Ar­beit ma­chen.

Geht es be­ruf­lich dann wie­der in Rich­tung Sport?

Aus­ge­schlos­sen ist das nicht, aber ich kann es jetzt noch nicht ge­nau sa­gen. Ich be­trei­be mit mei­nem ExTeam­kol­le­gen Kai Mich­al­ke auch zwei EMS-Stu­di­os. EMS steht für Elek­tro-Mus­kel-Sti­mu­la­ti­on. Es gibt Men­schen, die noch nie Sport ge­macht ha­ben und die zum Bei­spiel Pro­ble­me ha­ben, die Bauch­mus­ku­la­tur an­zu­span­nen. Das Elek­tro­trai­ning steu­ert den Mus­kel an, auf­bau­end dar­auf macht ein Trai­ner mit den Kun­den Übun­gen. Das ist das Prin­zip.

Reizt Sie auch der Trai­ner­job?

Ich ha­be es ak­tu­ell nicht vor, Trai­ner zu wer­den, aber aus­ge­schlos­sen ist es auch nicht.

Ha­ben Sie noch Be­rüh­rungs­punk­te mit dem Fuß­ball?

Ich spie­le bei der Ale­man­nia-Tra­di­ti­ons-Elf mit, aber nicht je­de Wo­che. Und ich ki­cke ab und zu in der „Bun­ten Li­ga“, wo ein­fach Freun­de zu­sam­men­kom­men, um in der Frei­zeit ein biss­chen Fuß­ball zu spie­len.

Wie geht’s ge­sund­heit­lich? Sie hat­ten ja im­mer wie­der lan­ge Ver­let­zungs­zwangs­pau­sen wäh­rend Ih­rer Kar­rie­re.

Das lin­ke Knie ist hin­über, ist in ei­nem Zu­stand, der nicht mei­nem Al­ter ent­spricht. Be­son­ders mer­ke ich das, wenn ich auf Kun­st­ra­sen Fuß­ball spie­le. Aber es geht trotz­dem noch ei­ni­ger­ma­ßen.

Sie wa­ren drei Jah­re in Nürn­berg, neun in Aachen. Wo war’s schö­ner?

Schwie­rig zu sa­gen. Zu Be­ginn mei­ner Kar­rie­re war ich in Nürn­berg, jetzt schon vie­le Jah­re in Aachen. Hier ha­ben wir uns na­tür­lich ei­nen Freun­des­kreis auf­ge­baut. Aber auch Nürn­berg hat mir gut fal­len und vi­el­leicht wä­re ich dort ja auch ge­blie­ben, wenn mei­ne Lauf­bahn dort zu En­de ge­gan­gen wä­re.

Was wa­ren die schöns­ten Mo­men­te Ih­rer Pro­fi­zeit?

Als ich nach Aachen kam, ha­ben wir in­ter­na­tio­nal ge­spielt, als Zweit­li­gist. Zwei Jah­re spä­ter ha­ben wird dann in der 1. Bun­des­li­ga ge­spielt. Das war schon ei­ne sehr er­folg­rei­che Zeit. Scha­de, dass wir di­rekt wie­der ab­ge­stie­gen sind, das hät­te auch ver­mie­den wer­den kön­nen.

Die Tief­punk­te?

Das Pro­blem in mei­ner Kar­rie­re war, dass ich fast je­de Sai­son ei­ne Ver­let­zung hat­te. Nicht nur ir­gend­wel­che Zer­run­gen, son­dern es war öf­ter mal knö­chern. Aber ich ha­be das im­mer ganz gut ver­kraf­tet, bin see­lisch nicht ka­putt ge­gan­gen dar­an, wenn es mal wie­der in die Re­ha ging.

Ihr Spitz­na­me lau­te­te „die Axt“. Pass­te das oder fühl­ten Sie sich da­mit un­ge­recht be­han­delt?

Ich hat­te ei­ne eher rus­ti­ka­le Spiel­wei­se. Der Spitz­na­me hat ge­passt. Aber ich ha­be nie je­man­den vor­sätz­lich ver­letzt.

Wer war Ihr bes­ter Trai­ner?

Ich hat­te ja ei­ni­ge, und al­le hat­ten ge­wis­se Qua­li­tä­ten. Es gab wel­che, die wa­ren mensch­lich su­per, da hast du ge­dacht: Mit dem könn­test du je­den Abend ein Bier trin­ken. Aber die ha­ben dich fuß­bal­le­risch nicht wei­ter ge­bracht. Und es gab ei­ni­ge, die fach­lich sehr gut wa­ren, aber mensch­lich war es schwie­rig. Die bes­te Mi­schung hat für mich Die­ter He­cking ver­kör­pert. Der wuss­te, wie er mit den Spie­lern um­zu­ge­hen hat­te. Und war auch sport­lich sehr kom­pe­tent.

Wer hat Sie denn da­mals als Ju­gend­spie­ler von Rot-Weiß Sa­lem zum SC Pful­len­dorf ge­holt?

Wal­ter Schneck. Ich hat­te die Wahl zwi­schen dem FC Kon­stanz und dem SC Pful­len­dorf. Wal­ter Schneck hat sich sehr um mich be­müht. Und im Nach­hin­ein kann man ja sa­gen, dass es die rich­ti­ge Ent­schei­dung war, nach Pful­len­dorf zu ge­hen. Die ers­te Mann­schaft spiel­te Re­gio­nal­li­ga, als ich in den Ak­ti­ven­be­reich kam. Das war für mich dann na­tür­lich ein sehr gu­te Ebe­ne für den Ein­stieg.

Ver­fol­gen Sie noch das Ge­sche­hen beim SC Pful­len­dorf?

Es ist jetzt nicht so, dass ich je­de Wo­che schaue, wie sie ge­spielt ha­ben. Aber hin und wie­der schon. Und wenn ich mit mei­nen El­tern te­le­fo­nie­re, spre­chen wir auch schon mal über den SCP.

Sie sind ab und zu noch in der al­ten Hei­mat?

Ja, so drei bis vier Mal im Jahr, meis­tens über die Fei­er­ta­ge.

ARCHIVFOTO: EIBNER

Da­für lieb­ten ihn die Fans am Aa­che­ner Ti­vo­li: Tho­mas Steh­le (gel­bes Tri­kot) „küm­mert sich“um ei­nen geg­ne­ri­schen Stür­mer, in die­sem Fall To­bi­as Wer­ner vom FC Carl Zeiss Je­na.

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