Kluft­ern be­kommt kei­ne neue Stra­ße

Re­gio­nal­fo­rum emp­fiehlt, sich auf ei­ne Lö­sung auf der B 31 in Ha­gnau zu kon­zen­trie­ren

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Wir Am See - Von Ha­gen Schön­herr und Ralf Schä­fer

- Kluft­ern soll kei­ne neue Um­fah­rung er­hal­ten. Da­mit wird auch die bahn­par­al­le­le Tras­se nicht ge­baut wer­den, die lan­ge in der Dis­kus­si­on war und zur Grün­dung der Bür­ger­initia­ti­ve Pro Kluft­ern ge­führt hat. Zu die­sem Er­geb­nis ist das Re­gio­nal­fo­rum im Me­dia­ti­ons­pro­zess ge­kom­men.

Das Me­dia­ti­ons­ver­fah­ren war ent­stan­den, um Al­ter­na­ti­ven zur bahn­par­al­le­len Tras­se zu fin­den und al­le Va­ri­an­ten zu über­prü­fen. Das Er­geb­nis soll­te of­fen sein, wich­tig war nur, dass al­le Be­tei­lig­ten ei­nem Er­geb­nis zu­stim­men.

Die „Ver­kehrs­me­dia­ti­on Kluft­ern“emp­fiehlt nun Kreis­tag und Ge­mein­de­rat der Stadt Fried­richs­ha­fen, kei­ne neue Stra­ße für ei­ne Um­fah­rung des Fried­richs­ha­fe­ner Orts­teils Kluft­ern zwi­schen der ge­plan­ten Süd­um­fah­rung Mark­dorfs und der ge­ra­de im Bau be­find­li­chen B 31neu zu pla­nen.

Das Re­gio­nal­fo­rum nennt auch Grün­de für die jet­zi­ge Ent­schei­dung: An­stel­le ei­nes Neu­baus ei­ner Um­ge­hungs­stra­ße sol­le man das Au­gen­merk vor al­lem auf ei­nen ra­schen und leis­tungs­fä­hi­gen Aus­bau der Bun­des­stra­ße 31 zwi­schen Im­men­staad und Meers­burg und da­mit der Va­ri­an­te 7.5 in Ha­gnau rich­ten.

Die­se Va­ri­an­te 7.5 be­schreibt ei­ne Tras­se, die den Ver­kehr nörd­lich Ha­gnaus am Ort vor­bei­führt und aus­rei­chend aus­ge­baut ist. Wenn es die­se Stre­cke gä­be und die B 31 als leis­tungs­fä­hi­ge West-Ost-Ver­bin­dung funk­tio­nie­re, sei ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen Mark­dorf und der Auf­fahrt zur B 31 süd­lich Kluft­erns nicht mehr nö­tig, weil dort dann nicht so viel Ver­kehr flie­ße.

Ent­schei­dung be­grüßt

Ha­gnaus Bür­ger­meis­ter Vol­ker Fre­de be­grüßt die Ent­schei­dung des Re­gio­nal­fo­rums, sich auf die Va­ri­an­te 7.5 zu kon­zen­trie­ren. Vor 40 Jah­ren ha­be man mit der Ab­leh­nung der Au­to­bahn das The­ma Ver­kehr in der Re­gi­on be­reits ver­schla­fen, vor zehn Jah­ren ha­be man die Va­ri­an­te 7.5 nicht bis zum En­de ge­führt, son­dern lie­gen­ge­las­sen.

Jetzt sei es wich­tig, dass die Re­gi­on mit ei­ner Stim­me spre­che und der Ver­kehr auf die­ser Tras­se tat­säch­lich ge­bün­delt wer­den könn­te. Fre­de rech­net da­mit, dass sich bin­nen der nächs­ten zehn Jah­re die Ver­kehrs­si­tua­ti­on in Ha­gnau maß­geb­lich ge­wan­delt ha­be.

Er­geb­nis wird an­er­kannt

Fried­richs­ha­fens Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Brand kom­men­tiert die Ent­schei­dung so: „Wir ha­ben von An­fang an ein er­geb­nis­of­fe­nes Ver­fah­ren ge­for­dert und die Ver­kehrs­me­dia­ti­on Kluft­ern von un­se­rer Sei­te aus un­ter­stützt und be­grüßt. Na­tür­lich an­er­ken­nen wir nun auch das Er­geb­nis.“

Das Me­dia­ti­ons­ver­fah­ren ha­be wie auch an­de­re Work­shop-Ver­fah­ren ge­zeigt, dass Er­geb­nis­se, die brei­ten Kon­sens, Ak­zep­tanz und Ver­ständ­nis fin­den, ge­ra­de in sol­chen Ver­fah­ren er­reicht wür­den. Da ha­be „das Re­gio­nal­fo­rum mus­ter­gül­ti­ge Ar­beit ge­leis­tet und kann als Vor­bild für an­de­re Vor­ha­ben die­nen, et­wa die Dis­kus­si­on um ei­ne Orts­um­fah­rung Sch­net­zen­hau­sens oder auch um Be­bau­ungs­plä­ne.

Kluft­erns Orts­vor­ste­her Micha­el Nach­baur hält das Me­dia­ti­ons­ver­fah­ren für trans­pa­rent und stets er­geb­nis­of­fen. Er spricht von ei­nem „brei­ten Kon­sens“, in dem das Er­geb­nis er­zielt wor­den sei. „Für mich ist ganz wich­tig, dass auf ei­nen ra­schen und leis­tungs­fä­hi­gen Aus­bau der Bun­des­stra­ße 31 zwi­schen Im­men­staad und Meers­burg ge­drängt wird und die be­glei­ten­den Maß­nah­men beim Um­welt­ver­bund in den Orts­durch­fahr­ten an­ge­gan­gen wer­den.“

Kon­sens mit Ein­schrän­kung

„Me­dia­ti­ons­ver­fah­ren en­det im Kon­sens“be­ti­telt der Bo­den­see­kreis ei­ne Pres­se­mit­tei­lung zum Aus­gang des Ver­fah­rens. Doch was sich un­spek­ta­ku­lär an­hört, hat es of­fen­bar in sich – und dürf­te nach SZ-In­for­ma­tio­nen hin­ter den Ku­lis­sen we­ni­ger ein­ver­nehm­lich ver­ab­schie­det wor­den sein, als jetzt der An­schein er­weckt wird.

In den je­wei­li­gen Er­klä­run­gen der ein­zel­nen Be­tei­lig­ten die­ses Ver­fah­rens, die dem Schluss­do­ku­ment, dem Er­geb­nis, bei­ge­fügt wur­den, soll mit­un­ter ein an­de­rer Ton­fall an­ge­schla­gen wor­den sein. Bis­lang äu­ßert sich zu die­sem The­ma je­doch nie­mand of­fi­zi­ell.

FO­TO: FE­LIX KÄSTLE

Stau in Kluft­ern: Das soll­te durch ei­ne Um­ge­hung der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren.

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