„Bun­te“muss an Schu­ma­cher zah­len

50 000 Eu­ro Ent­schä­di­gung we­gen Ver­let­zung sei­ner Per­sön­lich­keits­rech­te

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Panorama -

(dpa) - We­gen Ver­let­zung sei­ner Per­sön­lich­keits­rech­te muss die „Bun­te“50 000 Eu­ro Ent­schä­di­gung an Micha­el Schu­ma­cher zah­len. Die Pres­se­kam­mer des Land­ge­richts ent­schied zu­dem, dass die Zeit­schrift die Pro­zess­kos­ten zu 65 Pro­zent und die ge­sam­ten Ab­mahn­kos­ten in Hö­he von 950 Eu­ro zu tra­gen hat. Die „Bun­te“hat­te im De­zem­ber 2015, zwei Jah­re nach dem schwe­ren Ski­un­fall des ehe­ma­li­gen For­mel-1-Welt­meis­ters, auf ih­rer Ti­tel­sei­te be­rich­tet: „Es ist mehr als ein Weih­nachts­wun­der – Micha­el Schu­ma­cher kann wie­der ge­hen.“

Die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin Si­mo­ne Kä­fer sag­te da­zu: „Die Kam­mer geht da­von aus, dass die­se Aus­sa­ge un­wahr ist.“Der frü­he­re Renn­fah­rer kön­ne jetzt nicht ge­hen, war­um ha­be er es vor­her kön­nen sol­len. Das Ge­richt ha­be sich aber da­von über­zeugt, dass die „Bun­te“ei­nen In­for­man­ten hat­te. Von des­sen Zu­ver­läs­sig­keit ha­be sich die Kam­mer kein Bild ma­chen kön­nen. Die Zeit­schrift ha­be auch re­cher­chiert. Sonst wä­re die Ent­schä­di­gung hö­her aus­ge­fal­len. Das Ge­richt be­män­gel­te, dass die „Bun­te“nicht bei der Pres­se­spre­che­rin von Schu­ma­cher nach­ge­fragt ha­be. Dass die­se in der Ver­gan­gen­heit kei­ne An­ga­ben zum Ge­sund­heits­zu­stand ge­macht ha­be, sei kein Grund, nicht nach­zu­fra­gen.

Die Zeit­schrift ha­be sich al­ler­dings bei ei­nem Arzt er­kun­digt, ob es über­haupt denk­bar sei, dass ein Un­fall­op­fer nach ei­ner so schwe­ren Ver­let­zung wie bei Schu­ma­cher wie­der ge­hen kön­ne. Bei dem Arzt ha­be es sich um ei­nen Freund des ehe­ma­li­gen Hand­bal­lers Joa­chim Deck­arm ge­han­delt, der Jah­re zu­vor eben­falls bei ei­nem Un­fall schwer ver­letzt wur­de. Die­se Be­mü­hun­gen sei­en zu be­rück­sich­ti­gen ge­we­sen, auch wenn es sich nur um ei­ne all­ge­mei­ne Re­cher­che han­del­te, sag­te Kä­fer.

Groß und falsch

Als er­schwe­rend wer­te­te das Ge­richt, dass die „Bun­te“ih­re Weih­nachts­aus­ga­be 2015 auch in der „Bild“-Zei­tung be­warb. Die un­wah­re Aus­sa­ge ha­be prak­tisch die gan­ze Ti­tel­sei­te der Zeit­schrift ein­ge­nom­men. Die Per­sön­lich­keits­ver­let­zung sei so schwer, dass nur ei­ne Gel­dent­schä­di­gung in­fra­ge ge­kom­men sei. Die Fa­mi­lie von Schu­ma­cher hat­te min­des­tens 100 000 Eu­ro ge­for­dert.

Die Chef­re­dak­ti­on der „Bun­ten“er­klär­te: „Wir an­er­ken­nen, dass das Ge­richt in Tei­len un­se­rer Ar­gu­men­ta­ti­on ge­folgt ist und die ge­for­der­te Sum­me um die Hälf­te re­du­ziert hat. Den­noch hal­ten wir die­se erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung für falsch.“Man wer­de aber die Ur­teils­be­grün­dung ab­war­ten und erst dann über ei­ne Be­ru­fung ent­schei­den.

Micha­el Schu­ma­cher hat­te En­de 2013 im fran­zö­si­schen Win­ter­sport­ort Mé­ri­bel ei­nen Ski­un­fall. Da­bei er­litt er ein schwe­res Schä­del-HirnT­rau­ma. De­tails über den Ge­sund­heits­zu­stand des heu­te 48-Jäh­ri­gen sind wei­ter­hin nicht be­kannt.

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