In­sek­tenster­ben ge­fähr­det Stör­che

Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­ter Mar­tin Hahn be­sucht den Af­fen­berg und in­for­miert sich über die Po­pu­la­ti­on

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf/salem/friedrichshafen - Von Clau­dia Paul

- Über die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels und Ex­trem­wet­ter­la­gen hat sich Mar­tin Hahn am Don­ners­tag am Af­fen­berg in­for­miert. „Ak­tu­ell be­schäf­ti­ge ich mich seit Wo­chen mit den Frost­schä­den“, sag­te der agrar­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen-Frak­ti­on im Land­tag. Vie­le Land­wir­te müss­ten durch die Frost­näch­te Mit­te April ex­tre­me Ein­bu­ßen ver­schmer­zen.

„Die Stutt­gar­ter Lan­des­re­gie­rung hat den Frostein­bruch als Na­tur­ka­ta­stro­phe ein­ge­stuft“, sag­te der Vor­sit­zen­de des Land­wirt­schafts­aus­schus­ses. Nach­dem be­reits 2016 et­li­che Jung­stör­che ver­en­det sei­en, hät­te er die Ex­per­ten­mei­nung von Ro­land Hil­gart­ner zur Stor­chen­po­pu­la­ti­on hö­ren wol­len. „Die feh­len­de Ar­ten­viel­falt ist alar­mie­rend“, sag­te der Di­rek­tor des Af­fen­bergs. Der Storch er­näh­re sich, ent­ge­gen der land­läu­fi­gen Mei­nung, nicht ex­pli­zit von Frö­schen, son­dern haupt­säch­lich von In­sek­ten.

Storch ist ein Schreit­jä­ger

„Die sau­be­ren Wind­schutz­schei­ben der Au­tos zei­gen, dass es im­mer we­ni­ger In­sek­ten gibt“, sag­te Hahn. Die­ser Mei­nung schloss sich Hil­gart­ner an. „Das zeugt vom Ar­ten­ster­ben“, so der stu­dier­te Bio­lo­ge. Bei man­chen In­sek­ten­ar­ten sei der Be­stand um bis zu 90 Pro­zent zu­rück­ge­gan­gen. Der Storch sei ein Schreit­jä­ger, der von In­sek­ten, Wür­mern und Lauf­kä­fern le­be, zwi­schen­durch dürf­te es auch mal ein Frosch, ei­ne Schlan­ge oder ein Maul­wurf sein.

1975 hat es laut Hil­gart­ner in Ba­den-Würt­tem­berg nur noch 15 Brut­paa­re ge­ge­ben. Dank An­sie­de­lungs­pro­gram­men und An­füt­te­rung in ver­schie­de­nen Ge­bie­ten sei die Zahl auf 800 Brut­paa­re ge­stie­gen. „Die Vö­gel wur­den am Weg­zug ge­hin­dert und in Vo­lie­ren ge­hal­ten“, er­klär­te Hil­gart­ner. Da­nach hät­ten sich die Tie­re in un­mit­tel­ba­rer Nä­he nie­der­ge­las­sen. Die­se Po­pu­la­ti­on sei zwar ei­ne künst­lich er­zeug­te, doch de­ren Nach­wuchs zei­ge al­le Ei­gen­hei­ten ei­ner Wild­po­pu­la­ti­on. So ent­pupp­ten sich die Jung­stör­che als Zug­vö­gel, die sich im Au­gust auf den Weg in die wär­me­ren Ge­fil­de auf­ma­che.

Auf dem Af­fen­berg ist 1978 ei­ne Stor­chen­sta­ti­on ge­grün­det wor­den. „In der Brut­pha­se füt­tern wir zu“, gab Ro­land Hil­gart­ner zu. Die na­tür­li­che Fut­ter­grund­la­ge se­he in der Ge­gend schlecht aus. Das Ziel sei ei­ne selbst­tra­gen­de Po­pu­la­ti­on. Man müs­se den Schreit­jä­gern ei­ne ex­ten­siv ge­nutz­te Flä­che an­bie­ten. Vie­le Flä­chen, die mit Raps oder Mais be­pflanzt sei­en, nutz­ten den Stör­chen über­haupt nichts, da sie dort kei­ne Ar­ten­viel­falt an Fut­ter fän­den. Die Fra­ge sei, wie man ei­ne Ar­ten­di­ver­si­tät hin­be­kom­me.

Kein Phä­no­men von mor­gen

„Wenn die letz­ten Frost­näch­te zwei Wo­chen spä­ter ge­kom­men wä­ren, wä­ren al­le Jung­stör­che tot“, sag­te Hil­gart­ner. Ei­ne ge­naue Vor­aus­sa­ge kön­ne er erst in drei, vier Wo­chen ma­chen. Das hän­ge von der An­zahl der Re­gen­ta­ge und der Tem­pe­ra­tu­ren wäh­rend der Auf­zucht ab. Ak­tu­ell gä­be es auf dem Af­fen­berg 100 Brut­paa­re. „Der Kli­ma­wan­del ist kein Phä­no­men von mor­gen, er reicht in al­le Na­tur­be­rei­che hin­ein“, sag­te Hahn. Wenn man nicht im Ide­al­zu­stand le­be, müs­se man dar­an ar­bei­ten.

Der eins­ti­ge Land­wirt glaubt, dass die Land­wirt­schaft noch viel Po­ten­ti­al ha­be. Wie man an­hand der Siel­mann-Wei­her se­he, sei mit re­la­tiv we­nig Geld viel mög­lich. Und wäh­rend sich die Men­schen un­ten in der An­la­ge tum­mel­ten, zeig­ten sich die Stör­che auf den Hors­ten re­la­tiv un­be­ein­druckt und klap­per­ten ver­gnügt vor sich hin.

FOTO: ARCHIV

Mehr als 100 Stor­chen­paa­re le­ben mo­men­tan auf dem Sa­le­mer Af­fen­berg und Um­ge­bung.

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