Jazz­nacht bie­tet Mu­sik­ge­nuss pur

In 13 Lo­ka­len in der Ra­vens­bur­ger In­nen­stadt gab es Kon­zer­te – Aus­wahl fällt schwer

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Veranstaltungen - Von Bar­ba­ra Soh­ler

RA­VENS­BURG - Was die Club­nacht für das jun­ge Pu­bli­kum, das ist die „Ra­vens­bur­ger Jazz­nacht“für die er­wach­sen ge­wor­de­nen Mu­sik­fans. Und et­wa 1500 de­rer ha­ben am ver­gan­ge­nen Sams­tag­abend in 13 Lo­ka­len in der In­nen­stadt wie­der ein­mal Mu­sik­ge­nuss pur ge­nie­ßen kön­nen. Ein­zi­ges Man­ko: Mehr als fünf oder sechs Band­auf­trit­te wa­ren kaum zu be­wäl­ti­gen – und wie im­mer fiel die Aus­wahl schwer.

Wenn der Mu­sik­nacht-Be­su­cher heu­er ei­nen Feh­ler ma­chen kann, dann den, sich mit ei­nem schwar­zen Schirm ge­wapp­net auf den Streif­zug durch die Kn­ei­pen auf­zu­ma­chen. Denn der schwar­ze Re­gen­schirm scheint bei den Ra­vens­bur­gern so be­liebt wie das Früh­stücks­ei. So glei­chen sie sich auch, wie ein Ei dem an­de­ren: die schwar­zen, was­ser­glän­zen­den Schir­me, die sich ne­ben den Ein­gangs­tü­ren sta­peln, un­ter den Gar­de­ro­ben lie­gen oder an den Ha­ken bau­meln. Und sor­gen beim an­ge­dacht ent­spann­ten Wei­ter­zug in ein an­de­res Mu­si­ker­ge­fil­de kurz für Ver­wir­rung: Ist das wirk­lich mein Schirm ge­we­sen?

Ab­ge­se­hen da­von aber hat die wet­ter­be­ding­te Si­tua­ti­on – acht Grad Aus­sen­tem­pe­ra­tur und ste­ti­ger Nie­sel­re­gen – ei­ne mehr als an­ge­neh­me Ne­ben­er­schei­nung: In kei­ner der Lo­ca­ti­ons herrscht drang­vol­le En­ge. In der Zehnt­scheu­er, beim Auf­tritt der Schwei­zer Band „Chi­ca Tor­pe­do“wird so­wie­so auf­grund ri­gi­der Brand­schutz­be­stim­mun­gen akri­bisch auf den Ein­lass ge­guckt. Und so kann es durch­aus pas­sie­ren, dass der Jazz­nacht­be­su­cher ein paar Mi­nu­ten im Foy­er den hin­reis­send schrä­gen Tex-Mex- und Sal­sa-oder Ska-Klän­gen der acht­köp­fi­gen Band um Schmi­di Schmid­hau­ser lau­schen muss. An­sons­ten gilt ei­gent­lich über­all „Freie Fahrt“ins Mu­sik-Ver­gnü­gen. Selbst im Lü­de­ritz, dort wo die Or­ga­ni­sa­to­ren schlauer­wei­se für die Ju­gend­frak­ti­on der Jazz­nach­tGän­ger die drei Jungs von „Flüs­ter­tü­te“ein­ge­bucht ha­ben, ist ein an­ge­neh­mes Durch­kom­men bis zur klei­nen Büh­ne mög­lich. „Ra­vens­burg: bock­stark!“lobt der Stutt­gar­ter MC Lu­kas Pfeil nach dem ers­ten Set sein be­geis­ter­tes Pu­bli­kum.

Hoch­al­pi­ne Grat­wan­de­rung

Auch im Cen­tral, wo sonst die Gäs­te sich schon mal die Trep­pe hoch­schie­ben, ist ge­nü­gend Luft und At­mo­sphä­re, um der schmei­cheln­den Stim­me von An­ge­li­na Mar­tins, der Sän­ge­rin von „Sam­bin­ha“, Raum zu ge­ben. Was die vier Mu­si­ker ih­rer Haupt­ak­teu­rin an fein aus­ta­rier­ten Klän­gen vor­be­rei­ten, das taugt, um ex­akt so auf ei­ne Chill-Out-CD ge­presst zu wer­den, wie sie auf je­dem Day­bed zum Sun­dow­ner am Strand von Ibi­za ge­hört wird.

In der Ra­vens­bur­ger Stadt­bü­che­rei herrscht eher Kon­zert­cha­rak­ter. Hier ist die Lo­ca­ti­on be­stuhlt. Wer vor­ne sitzt, der kann sich ganz auf die „Ker­ber Bro­thers Al­pen­fu­si­on“ein­las­sen, auf die hoch­al­pi­ne Grat­wan­de­rung der fünf All­gäu­er Mu­si­ker, die er­war­tungs­ge­mäß auch Hack­brett, Zit­her und Alp­horn zum Groo­ven brin­gen.

Das Ehe­paar Ma­nue­la und Oli­ver Schnei­der, die nach ei­nem Lo­ca­ti­onHop­ping schließ­lich im Des­weemer lan­den, sind sich ei­nig: „Hier bei „Funk­haus“, de­ren brei­tem, sou­li­gem Re­per­toire und den ge­nia­len Sän­gern, lässt sich’s am Bes­ten „ab­fei­ern“. Wo­bei Oli­ver Schnei­der auch die Per­for­mance von „San­dro Roy“im Och­sen ge­nos­sen hat: „Tol­ler Gi­psy-Swing und tol­les, ge­misch­tes Pu­bli­kum“.

Von an­de­ren Jazz­nacht-Wan­de­rern ist in­des zu hö­ren, dass Hum­pis­quar­tier und „JMO“das un­be­strit­te­ne High­light ge­we­sen sei. Was zu dem Schluss kom­men lässt, dass sich die Ge­schmä­cker in Sa­chen Re­gen­schirm noch so glei­chen mö­gen – in der Mu­sik eben nicht.

FO­TOS: FE­LIX KÄSTLE

Die „Ker­ber Bro­thers“tra­ten in der Stadt­bü­che­rei auf.

Die Band „Funk­haus“sorg­te in der Tanz­schu­le Des­weemer für Stim­mung.

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