Hef­ti­ge Ge­fühls­aus­brü­che und mil­des Licht

Pia­nist Jür­gen Jakob spielt beim Klang­welt-Kon­zert vor ei­nem vol­len Saal

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf - Von Chris­tel Voith

- Schmerz­li­che Auf­schreie und tröst­lich auf­leuch­ten­des Licht, spie­le­ri­sche Leich­tig­keit und kämp­fe­ri­sche Ag­gres­si­on ha­ben die Zu­hö­rer am Sonn­tag­abend beim Kla­vier­abend mit Jür­gen Jakob im Rit­ter­saal in den Bann ge­zo­gen.

Jür­gen Jakob, mehr­fa­cher Preis­trä­ger na­tio­na­ler und in­ter­na­tio­na­ler Wett­be­wer­be und Fach­be­reichs­lei­ter für Tas­ten­in­stru­men­te an der Mu­sik­schu­le Tettnang, der im Rah­men der Klang­welt Rit­ter­saal vor vol­lem Saal kon­zer­tier­te, ist ein rei­fer, er­fah­re­ner Pia­nist mit gro­ßer Band­brei­te, und er ließ sich, auch wenn es sicht­lich An­stren­gung kos­te­te, vom zer­mür­ben­den Schmerz im Knie nicht un­ter­krie­gen.

Mit Kraft und Tem­pe­ra­ment ging er Lud­wig van Beet­ho­vens „Wald­stein­so­na­te“C-Dur op. 53 an, die in Frank­reich we­gen des stür­misch her­auf­zie­hen­den, lich­ten Ta­ges „L’Au­ro­re“ge­nannt wird. In span­nen­dem Far­ben­spiel führ­te Jakob von den hef­ti­gen Kon­tras­ten des Kopf­sat­zes zum Ad­a­gio, das aus schick­sal­haf­ter Nacht zu durch­geis­tig­ter Schön­heit auf­steigt, und wei­ter zum tri­um­phie­ren­den Fi­na­le.

Aus den sug­ges­ti­ven Rei­se­bil­dern aus der Schweiz und Ita­li­en, die Franz Liszt in sei­nen „An­nées de Pè­le­ri­na­ge“ver­eint hat, hat Jür­gen Jakob das hoch­vir­tuo­se Stück „Val­lée d’Ober­mann“nach dem Brief­ro­man von Eti­en­ne Pi­vert de Sen­an­cour aus­ge­wählt: tie­fe Me­lan­cho­lie und Ve­r­un­si­che­rung ei­nes Ein­sa­men, las­ten­de Ge­dan­ken­schwe­re ste­hen in dem nu­an­cen­rei­chen Ton­ge­mäl­de im Wi­der­streit mit se­li­gem Glücks­ver­spre­chen. Aus tiefs­tem Dun­kel führt es tas­tend zu ei­ner Ah­nung von Glück und zu hym­ni­scher Über­hö­hung, ehe es bro­delnd ver­sinkt.

Ein be­son­de­res Hör­er­leb­nis war Sa­mu­el Bar­bers Kla­vier­so­na­te esMoll op. 26, die Tra­di­ti­on und Avant­gar­de zu ver­ei­nen sucht – in Ame­ri­ka ein Klas­si­ker, hier aber fast un­be­kannt. Ein Os­zil­lie­ren zwi­schen Kraft und Poe­sie, zwi­schen Här­te und lei­sem Ein­hal­ten war der ers­te Satz mit sei­nem von punk­tier­tem Rhyth­mus ge­präg­ten Haupt­the­ma, das sich zu­letzt in For­tis­si­mo auf­bäum­te. Hei­te­re Leich­tig­keit ver­sprüh­te da­ge­gen der zwei­te Satz, wie ein sanf­tes Kit­zeln, wie ein Trip­peln über­mü­ti­ger klei­ner Geis­ter fühl­te sich die­ses Al­le­gro leg­ge­ro an. Nach ei­nem me­di­ta­ti­ven, äthe­ri­schen Ad­a­gio mün­de­te das Werk in ei­ne vir­tuo­se Fu­ge.

Bes­tens pass­te da­zu Ge­or­ge Gershwins be­rühm­te „Rh­ap­so­dy in Blue“, hier in der Fas­sung für Kla­vier so­lo, in der Jür­gen Jakob noch ein­mal in bril­lant viel­far­bi­gem Spiel mit ei­nem Wech­sel­bad der Ge­füh­le fes­sel­te. Fast über­mü­tig ser­vier­te er sei­nen Zu­hö­rern als Zu­ga­ben mit leich­ter Hand vier Gershwin Songs, von „I Got Rhythm“bis „Em­bra­ce­able You“.

FO­TO: HEL­MUT VOITH

Ins far­ben­rei­che Spiel ver­tieft: Jür­gen Jakob beim Kla­vier­abend der Klang­welt Rit­ter­saal.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.