Fal­sches Si­gnal durch Ab­schie­bun­gen

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Leserbriefe - Ruth Son­nen­mo­ser, Al­f­red Har­rer, Fried­rich Schef­fold, wir freu­en uns über Ih­re Brie­fe. Bit­te ha­ben Sie aber Ver­ständ­nis da­für, dass wir für die Ver­öf­fent­li­chung ei­ne Aus­wahl tref­fen und uns auch Kür­zun­gen vor­be­hal­ten müs­sen. Le­ser­zu­schrif­ten stel­len kei­ne

Zum Ar­ti­kel „Aus­bil­dung schützt vor Ab­schie­bung nicht“(2.5.): In un­se­rer Ge­mein­de le­ben Flücht­lin­ge, vor al­lem jun­ge Män­ner aus Af­gha­nis­tan, die zum Teil erst jetzt, nach mehr als zwei Jah­ren, den Be­scheid über ih­re Ab­schie­bung er­hal­ten ha­ben, ob­wohl sie al­le schon lan­ge ei­ne An­hö­rung durch­lau­fen ha­ben. Wir Hel­fer/In­nen wa­ren seit die­ser Zeit be­müht, den Flücht­lin­gen die deut­sche Spra­che zu leh­ren, un­se­re Kul­tur nä­her­zu­brin­gen, ih­nen ei­ne Ar­beit oder gar ei­ne Aus­bil­dung zu ver­mit­teln.

Dies ist uns mit viel Zeit­auf­wand, per­sön­li­chem Ein­satz und Geld, das wir auch aus ei­ge­ner Ta­sche „drauf­le­gen“, zum Teil schon ge­lun­gen. Wir ha­ben die jun­gen Män­ner stets er­mu­tigt, mög­lichst ei­ne Aus­bil­dung zu ab­sol­vie­ren, um spä­ter hier, wenn sie denn blei­ben kön­nen, ei­ne so­li­de Le­bens­grund­la­ge auf­bau­en zu kön­nen. Selbst wenn sie wie­der in ih­re Hei­mat zu­rück wol­len oder müs­sen, kön­nen sie dort mit ih­rem er­wor­be­nen Wis­sen zum Wie­der­auf­bau bei­tra­gen. Ein jun­ger Mann aus un­se­rem Ort hat al­so vor et­wa ei­nem hal­ben Jahr ei­ne Aus­bil­dung be­gon­nen. Die Fir­ma ist sehr zu­frie­den mit ihm, sei­ne Kol­le­gen sind hilfs­be­reit, er fühlt sich wohl und die Ar­beit macht ihm Freu­de. Jetzt hat er nach mehr als zwei Jah­ren sei­nen Ab­schie­be­be­scheid er­hal­ten und ist am Bo­den zer­stört.

Die Wir­kung die­ser nicht nach­voll­zieh­ba­ren Ent­schei­dung des Bun­des­amts für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge und al­ler an­de­ren zu­stän­di­gen Stel­len wird Fol­gen­de sein: Je­der ein­zel­ne Hel­fer und je­der Hel­fer­kreis wird sich in Zu­kunft stark über­le­gen, ob er sich noch­mals mit der­art viel Ener­gie, Zeit und Geld für neu hin­zu­kom­men­de Flücht­lin­ge ein­setzt. Un­se­re Hel­fer ha­ben zum Teil bei den Fir­men „Klin­ken ge­putzt“, um für die Flücht­lin­ge ei­ne Ar­beit oder Aus­bil­dung zu be­kom­men. Des­glei­chen die Fir­men, die be­reit sind, ei­nen Flücht­ling aus­zu­bil­den. Die Fir­men neh­men mit der Ein­stel­lung nicht un­er­heb­li­che bü­ro­kra­ti­sche Hür­den und Kos­ten in Kauf. Die Ein­stel­lung er­folgt auch un­ter der Be­din­gung, dass die Flücht­lin­ge ih­re Aus­bil­dung nach dem im Au­gust 2016 in Kraft ge­tre­te­nen In­te­gra­ti­ons­ge­setz, der „3+2“-Re­ge­lung, be­en­den kön­nen, oh­ne ab­ge­scho­ben zu wer­den. Jetzt fällt die Po­li­tik al­len, die hel­fen woll­ten, der­art in den Rü­cken. Die Be­reit­schaft, sich noch wei­ter zu en­ga­gie­ren schmilzt da­hin. Dann muss die Po­li­tik zu­se­hen, wie sie „wir schaf­fen das“al­lei­ne schafft. Nur mit viel Bü­ro­kra­tie und Ge­set­zen, die sie sel­ber nicht ein­hal­ten, wer­den sie es nicht schaf­fen.

Wei­ßens­berg

Sor­ge um Über­for­de­rung

Zum Ar­ti­kel „Deut­li­che Nie­der­la­ge für SPD in Schles­wig-Hol­stein“(8.5.): Nach den er­folg­ten Wahl­schlap­pen auf Län­der­ebe­ne ist auch der SPDKanz­ler­kan­di­dat Schulz wie­der in der Dis­kus­si­on. Da ist im­mer noch das Ab­stim­mungs­er­geb­nis von 100 Pro­zent auf dem Par­tei­tag in Er­in­ne­rung: Nor­ma­ler­wei­se ist so ein Ab­stim­mungs­er­geb­nis Leu­ten vor­be­hal­ten, die Au­ßer­or­dent­li­ches ge­leis­tet ha­ben. Da­von aber kann bei Schulz nicht die Re­de sein. Her­aus­ra­gen­des von ihm ist nicht be­kannt. Das Ab­stim­mungs­er­geb­nis wirft da­her ein ei­gen­ar­ti­ges Licht auf die SPD, und es ist selt­sam, dass al­le ei­nen sol­chen Mann als den gro­ßen Heils­brin­ger an­se­hen.

Eu­ro­pa und da­mit auch Deutsch­land wer­den in den nächs­ten Jah­ren vor enorm schwie­ri­ge Fra­gen ge­stellt wer­den: Flücht­lings­kri­se, Grie­chen­land­und Eu­ro­kri­se – Eu­ro­pa ist im­mer schwie­ri­ger zu­sam­men­zu­hal­ten. Hier ha­be ich die größ­te Sor­ge, dass ein Kanz­ler Schulz mit die­sen Auf­ga­ben letzt­lich über­for­dert wä­re und schei­ter­te – und Mer­kel ist eher ei­ne Tak­ti­ke­rin, kei­ne Stra­te­gin und schon gar kei­ne Kämp­fe­rin. Was es in der CDU bräuch­te, wä­re aber ge­ra­de ein sol­cher Kämp­fer.

Kurt v. Her­beck, Herd­wan­gen

Le­bens­qua­li­tät auf Dau­er

Zum The­ma „Gre­en­peace kri­ti­siert Schwei­ne­hal­tung“(4.5.): Das Leid in der Mas­sen­tier­hal­tung ist zwei­fel­los ein Ar­muts­zeug­nis für un­se­re Ge­sell­schaft und er­for­dert end­lich ein Um­den­ken. Ei­ne Fra­ge ist aber auch, war­um wird so­viel über die Art der Er­näh­rung dis­ku­tiert und nicht über die fal­sche Art der Nah­rungs­auf­nah­me, al­so des Kau­pro­zes­ses, wel­cher er­wie­se­ner­ma­ßen Über­ge­wicht und vie­le Zi­vi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten ver­ur­sacht.

Un­se­re Ba­cken­zäh­ne sind Mahl­zäh­ne, dies be­deu­tet, die Na­tur will, dass wir un­ser Es­sen (zer)mah­len sol­len. Durch­schnitt­lich wird je­der Bis­sen aber nur fünf- bis acht­mal ge­kaut, das Zehn­fa­che wä­re er­for­der­lich, da­mit schon im Mund die wich­ti­ge Vor­ver­dau­ung durch kom­plet­tes Ein­spei­cheln der Nah­rung be­gin­nen kann. „Gut ge­kaut ist halb ver­daut“, sagt der Volks­mund, wie recht er doch hat. Un­ser Ver­dau­ungs­sys­tem wird da­durch enorm ent­las­tet und die be­nö­tig­te Nah­rungs­men­ge kann sich na­he­zu hal­bie­ren, trotz­dem wird man satt.

Je­der kann al­so mit­hel­fen, durch rich­ti­ges Kau­en den Fleisch- und Wurst­kon­sum merk­lich zu ver­rin­gern und in glei­cher Wei­se die Qua­len der Krea­tu­ren in nicht art­ge­rech­ter Mas­sen­tier­hal­tung, wel­che viel­leicht bald gar nicht mehr nö­tig wä­re! Un­gleich be­deu­ten­der je­doch ist un­ser ei­ge­ner Ge­winn an Ge­sund­heit und Le­bens­qua­li­tät auf Dau­er.

Berg

Auf Ver­brau­cher­schutz ach­ten

Zum Ar­ti­kel „Amt­s­tier­ärz­te kri­ti­sie­ren Lan­des­re­gie­rung“(30.3.): Ver­brau­cher­schutz und In­for­ma­ti­on der Ver­brau­cher ist für Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Hauk nur ein Ali­bi. Er ver­tritt nur In­ter­es­sen der Land­wirt­schafts­in­dus­trie. Das Tier­wohl, das vie­len Leu­ten am Her­zen liegt, über­sieht er groß­zü­gig. So war es bei der Auf­stall­pflicht von Ge­flü­gel we­gen der Vo­gel­grip­pe. Die­se wur­de für ei­nen Tag aus­ge­setzt, da­mit die drei­mo­na­ti­ge Frist für Frei­land­ei­er von Neu­em be­ginnt. Denn bei staat­li­cher an­ge­ord­ne­ter Auf­stall­pflicht dür­fen die Eier drei Mo­na­te als Frei­land­ei­er ver­kauft wer­den, ob­wohl die Hüh­ner im Stall sind. Ins­ge­samt wa­ren die Hüh­ner bis zum 15. März ein­ge­sperrt.

Es wur­den in den Su­per­märk­ten im­mer Frei­land­ei­er an­ge­bo­ten, ob­wohl die Hüh­ner seit dem 17. No­vem­ber 2016 im Stall wa­ren. Der Ver­brau­cher wuss­te nichts da­von. Eben­so wird die Kon­trol­le der Groß­be­trie­be für die Land­wirt­schaft aus­ge­setzt durch Per­so­nal­man­gel bei den Amt­s­tier­ärz­ten.

Nur weil die In­dus­trie mit mas­si­ver Tier­hal­tung bei den Äm­tern Ge­hör fin­det, gibt es ein staat­li­ches Ver­bot für ei­ne Imp­fung des Ge­flü­gels ge­gen Vo­gel­grip­pe, weil die Wirt­schafts­ge­flü­gel­hal­ter da­ge­gen sind. Ei­ne sol­che Imp­fung ist mit Kos­ten und Auf­wand ver­bun­den. Hier zäh­len nur Ge­winn und nicht das Tier­wohl. Für wen sind un­se­re Po­li­ti­ker ver­ant­wort­lich: für ei­ne klei­ne Min­der­heit, die bei ih­nen Ge­hör fin­det, für die pro­fit­in­ter­es­sier­te Land­wirt­schaft oder für die brei­te Öf­fent­lich­keit (Ver­brau­cher­schutz)?

Laupheim

Lie­be Le­se­rin­nen, lie­be Le­ser,

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FO­TO: DPA

SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz.

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