Von der Nord­see zum Bo­den­see

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf - Von Chris­toph Dier­king

Mist. Ich ha­be schon wie­der „Kon­stanz“ge­sagt. Es wird „Konsch­tanz“aus­ge­spro­chen! Spä­tes­tens jetzt weiß die net­te Buch­händ­le­rin, dass ich nicht von hier bin. Wo­bei ich mich wahr­schein­lich schon beim Be­tre­ten des Ge­schäfts ent­larvt ha­be: Ich schaf­fe es ein­fach nicht, nicht „Moin“zu sa­gen. Er­schwe­rend kommt hin­zu, dass ich ge­ra­de ei­nen Rei­se­füh­rer für die Bo­den­see­re­gi­on kau­fe. Das wür­den Ein­hei­mi­sche nie­mals tun.

Die Schwä­bi­sche Zei­tung, für die ich seit ei­ner Wo­che ar­bei­te, be­schreibt sich selbst als „hei­mat­ver­bun­den, in­spi­rie­rend und en­ga­giert“. Und wenn ich die Leu­te auf Pres­se­ter­mi­nen mit ei­nem fröh­li­chen „Moin, ich kom­me von der Schwä­bi­schen Zei­tung“be­grü­ße, wer­de ich die­sem Selbst­ver­ständ­nis nicht ge­recht. Das klingt al­les an­de­re als hei­mat­ver­bun­den. Ich will ein rich­ti­ger Schwa­be wer­den. Mei­ne Leh­rer sind Äf­f­le und Pferd­le.

Ab jetzt heißt es: Nicht mehr schna­cken, son­dern schwät­zen. Kei­nen Labs­kaus mehr es­sen, son­dern Spätz­le. Nicht mehr Moin sa­gen, son­dern Gott grü­ßen. Kein Pau­sen­brot mehr es­sen, son­dern ein Vesch­per­le. Nicht mehr „Tschüss“sa­gen, son­dern „Ade“.

Frei nach dem Mot­to: „Wenn ich den See seh’, brau­che ich kein Meer mehr, ne.“Ups. Ich mei­ne na­tür­lich: „Wenn ich den See seh’, brauch ich kein Meer mehr, gell.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.