No­t­ärz­te ha­ben Nach­wuchs­sor­gen

Ver­ein si­chert zu­neh­mend auch tags­über die Ein­satz­be­reit­schaft in Mark­dorf

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf - Von Ju­lia Frey­da

- Seit 14 Jah­ren leis­tet der Ver­ein „Mark­dor­fer No­t­ärz­te“die Not­arzt­ver­sor­gung in der Re­gi­on. Vor al­lem nachts, an Wo­che­n­en­de und Fei­er­ta­gen rü­cken sie zu Ein­sät­zen in Mark­dorf, Meers­burg, Ber­ma­tin­gen, Deg­gen­hau­ser­tal und teil­wei­se bis nach Hei­li­gen­berg aus. „In den 14 Jah­ren ha­ben wir je­den Di­enst be­set­zen kön­nen“, sagt Dr. Gün­ther Wel­te. Aber nun sorgt der Vor­sit­zen­de des Ver­eins sich um die Zu­kunft – es fehlt der Nach­wuchs.

Nach der Schlie­ßung des Mark­dor­fer Kran­ken­hau­ses wur­de der No­t­ärz­te-Ver­ein ge­grün­det. Pro Jahr rü­cken die 14 Fach­me­di­zi­ner von Mark­dorf zu rund 1200 Ein­sät­zen aus. Und zwar ne­ben­be­ruf­lich. Denn im Haupt­job sind sie selbst­stän­dig oder ar­bei­ten in Kran­ken­häu­sern im Um­land. Wel­te ist Ober­arzt in der Kar­dio­lo­gie so­wie Lei­ter der Not­auf­nah­me am Kli­ni­kum in Fried­richs­ha­fen. Wird ein Not­arzt in Mark­dorf oder in den Um­land­ge­mein­den be­nö­tigt, dann über­nimmt der Ver­ein nachts, am Wo­che­n­en­de und an Fei­er­ta­gen den Ein­satz.

Ur­sprüng­lich war das Kli­ni­kum in Fried­richs­ha­fen für die Tag­schicht von 7 bis 16.30 Uhr zu­stän­dig. Aber auch dort springt der Ver­ein teil­wei­se ein. Denn das Kran­ken­haus muss für die Tag­schicht Per­so­nal nach Mark­dorf ab­stel­len, das wie­der­um fehlt dann im Kli­nik­be­trieb. Der Ver­ein hat in der Not­arzt­ver­sor­gung die glei­che Ver­wan­tor­tung wie der Kran­ken­haus­be­trieb. „Wir ha­ben die­sen Si­cher­stel­lungs­auf­trag vom Land­rats­amt be­kom­men. Das ist ei­ne Eh­re, in den ver­gan­ge­nen Jah­ren aber

auch ei­ne Last ge­wor­den“, sagt Wel­te. Hät­ten die Ärz­te sich frü­her um die Di­ens­te ge­ris­sen, wer­de der Ein­satz­plan nun zu­neh­mend ei­ne Her­aus­for­de­rung. Für den 59-Jäh­ri­gen be­steht zwar kein An­lass den Ver­trag für die Not­arzt­ver­sor­gung zu kün­di­gen. „Aber im zwei­ten Halb­jahr wer­den wir nicht mehr so vie­le Di­ens­te wie bis­her über­neh­men kön­nen“, sagt Wel­te.

Grün­de für die sin­ken­de Be­reit­schaft Not­arzt­diens­te zu über­neh­men, sieht der Me­di­zi­ner vor al­lem

in ei­nem Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel. Jün­ge­re Kol­le­gen wür­den mehr Wert auf Frei­zeit le­gen, die Zu­satz­aus­bil­dung scheu­en. Denn wer ei­gen­stän­dig als Not­arzt tä­tig sein will, muss zwei Jah­re in ei­ner Kli­nik ge­ar­bei­tet ha­ben, 80 St­un­den Fort­bil­dung so­wie 50 Ein­sät­ze leis­ten. „Das möch­te an­ge­sichts ei­ner Per­so­nal­ver­knap­pung und Ar­beits­ver­dich­tung kaum je­mand ma­chen, um dann noch ne­ben dem Haupt­be­ruf zu ar­bei­ten“, sagt Wel­te. Haupt­be­ruf­li­che No­t­ärz­te sieht der Mark­dor­fer skep­tisch, da die­sen der rou­ti­nier­te Kli­nik­be­zug feh­le. Er selbst leis­tet seit 1990 Not­arz­t­ein­sät­ze. Sei­ne Mo­ti­va­ti­on: Der Reiz ei­ner un­be­kann­ten und me­di­zi­nisch an­spruchs­vol­len Si­tua­ti­on.

Für den Me­di­zi­ner ist die Po­li­tik in der Sa­che ge­fragt. „Es müs­sen ent­we­der An­rei­ze für den Not­arzt­dienst ge­schaf­fen wer­den oder das Ge­samt­sys­tem hin­ter­fragt wer­den. In den Kran­ken­häu­sern geht es im­mer mehr um Ren­di­te. Was in der Wirt­schaft le­gi­tim ist, wur­de auf das Ge­sund­heits­sys­tem über­tra­gen. Das funk­tio­niert in so ei­nem sen­si­blen Be­reich nicht“, kri­ti­siert Wel­te.

Denn wenn es den No­t­ärz­te-Ver­ein nicht mehr ge­ben soll­te, müss­te der Stand­ort Mark­dorf ent­we­der von an­de­ren über­nom­men wer­den oder das Land­rats­amt Bodenseekreis ver­pflich­tet das Kli­ni­kum ei­nen Not­arzt ab­zu­stel­len. Nach Wel­tes Er­fah­rung wer­den die­se Di­ens­te dann aber oft fremd an ei­ne so­ge­nann­te Not­arzt­bör­se oder an dar­auf pro­fes­sio­na­li­sier­te Di­enst­leis­ter ver­ge­ben. „Und die sind zum Bei­spiel auf­grund ei­ner Ver­wal­tungs­ge­bühr rund ein Drit­tel teu­rer als wir“, sagt der 59-Jäh­ri­ge.

FO­TO: ARC

Dr. Gün­ther Wel­te ist Vor­sit­zen­der des Ver­eins

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