Au­to­bau­er be­we­gen sich beim Die­sel

Bran­che stellt Kon­zept zur Nach­rüs­tung für Fahr­zeu­ge mit Eu­ro-5-Norm vor

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Wir Im Süden - Von Ka­ra Ball­arin

- Nach ei­nem Tref­fen mit Ver­tre­tern der Au­to­mo­bil­bran­che hat sich Lan­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne) am Don­ners­tag als „ver­hal­ten op­ti­mis­tisch“be­zeich­net. Zwei­ein­halb St­un­den ha­ben sich Bran­chen­ver­tre­ter, Ent­wick­lungs­chefs der Au­to­bau­er und Wis­sen­schaft­ler mit Her­manns Mi­nis­te­ri­al­di­rek­tor am Mitt­woch­abend dar­über un­ter­hal­ten, wie dro­hen­de Fahr­ver­bo­te für Die­sel­fahr­zeu­ge durch tech­ni­sche Nach­rüs­tun­gen ab­ge­wen­det wer­den kön­nen. Lan­des- und Bun­des­po­li­ti­ker ap­pel­lie­ren nun an Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) zu han­deln.

Wo­chen­lang hat­ten die Au­to­bau­er er­klärt, Nach­rüs­tun­gen für Die­sel­fahr­zeu­ge mit der Ab­gas­norm Eu­ro 5 könn­ten nicht wirt­schaft­lich nach­ge­rüs­tet wer­den. „Vor ei­nem hal­ben Jahr hieß es noch, das sei nicht oder nur mit sehr ho­hen Kos­ten mög­lich“, sag­te Tho­mas Dörf­lin­ger, Bi­be­r­a­cher CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter und Mit­glied im Ver­kehrs­aus­schuss, der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. „Jetzt scheint sich ei­ne Lö­sung ab­zu­zeich­nen. Das ist nur auf po­li­ti­schen Druck pas­siert.“

Das Druck­mit­tel heißt Fahr­ver­bo­te. Sol­che dro­hen ab Ja­nu­ar 2018 in Stuttgart an Ta­gen mit ho­her Fe­in­staub­be­las­tung für Die­sel­fahr­zeu­ge, die nicht die neu­es­te Ab­gas­norm Eu­ro 6 er­fül­len. So sieht es der jüngst von Her­mann vor­ge­stell­te Luf­t­rein­hal­te­plan für die Stadt vor. Auch die­ser ist un­ter Druck ent­stan­den: Ge­richts­pro­zes­se und ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren der EU ge­gen Deutsch­land für bes­se­re Luft ver­lei­hen dem The­ma Bri­sanz.

„Die Bran­che hat ei­nen Vor­schlag ge­macht, der wird im Haus nun ge­nau ge­prüft“, sag­te Her­mann. Das Ziel sei klar: Durch nach­ge­rüs­te­te Die­sel­fahr­zeu­ge muss die Luft ge­nau­so sau­ber sein, wie es Fahr­ver­bo­te er­rei­chen könn­ten. Nach In­for­ma­tio­nen der Deut­schen Pres­se-Agen­tur prä­sen­tier­ten die Her­stel­ler ei­ne Soft­ware-Lö­sung, die al­ler­dings kei­ne Ver­bes­se­rung der Ab­gas­wer­te auf Eu­ro 6 vor­sieht. Das Er­geb­nis lä­ge zwi­schen den Ab­gas­nor­men Eu­ro 5 und Eu­ro 6.

Wer die Nach­rüs­tung be­zah­len soll, ließ Her­mann of­fen. Hier ha­ben die Grü­nen ei­gent­lich ei­ne kla­re Mei­nung, wie Frak­ti­ons­chef Andre­as Schwarz er­klär­te: „Die Her­stel­ler ste­hen in der Pflicht, ih­re Ver­kaufs­ver­spre­chen ein­zu­hal­ten. Die Schad­stoff­wer­te müs­sen in der Rea­li­tät den Grenz­wer­ten ent­spre­chen. Dar­auf ha­ben die Käu­fer eben­so An­spruch wie die Be­woh­ner von Ge­bie­ten mit heu­te noch zu schmut­zi­ger Luft.“Die Kos­ten der Nach­rüs­tung dür­fe nicht auf die Kun­den ab­ge­wälzt wer­den. Ähn­lich äu­ßer­te sich der CDU-Frak­ti­ons­chef Wolf­gang Rein­hart: „Die Si­gna­le zei­gen doch, dass die­se Lö­sun­gen mach­bar sind und sich die Kos­ten in Gren­zen hal­ten. Die könn­ten von der In­dus­trie selbst ge­tra­gen wer­den.“

Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ni­co­le Hoff­meis­ter-Kraut (CDU) be­ton­te, dass die Po­li­tik die Rah­men­be­din­gun­gen nun vor­ge­ben müs­se, aber oh­ne tech­ni­sche Vor­ga­ben zu ma­chen. Sie for­der­te ei­ne bun­des­wei­te Lö­sung. „Nur durch ei­ne bun­des­weit ein­heit­li­che Nor­mie­rung kann Rechts­si­cher­heit ge­schaf­fen wer­den.“Auch Ver­kehrs­mi­nis­ter Her­mann sag­te: „Oh­ne Berlin wird es nicht ge­hen.“

Ho­frei­ter kri­ti­siert Do­brindt

An­ton Ho­frei­ter, Frak­ti­ons­chef der Grü­nen im Bun­des­tag, kri­ti­sier­te den Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter scharf. Die ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Lan­des­re­gie­rung be­strei­te müh­sa­me Ver­hand­lun­gen, die ei­gent­lich Do­brindts Job wä­ren. „Der Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter darf nicht län­ger die Hän­de in den Schoß le­gen, son­dern muss sich um sau­be­re Die­sel küm­mern“, sag­te Ho­frei­ter der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. „Das ist er den Men­schen in den Städ­ten wie auch den Au­to­fah­rern schul­dig. Er muss end­lich für ein bun­des­weit gül­ti­ges Kon­zept zur Nach­rüs­tung und ein­heit­li­che recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen sor­gen.“

Ob die An­stren­gun­gen schnell ge­nug zum Er­folg füh­ren wer­den, um Fahr­ver­bo­te ab kom­men­dem Jahr ab­zu­wen­den, bleibt frag­lich. Her­mann will heu­te sei­ne Län­der­kol­le­gen im Bun­des­rat in Berlin auf die ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Li­nie ein­schwö­ren. Der CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Dörf­lin­ger hofft zu­dem: „Vi­el­leicht er­ken­nen die Ge­rich­te das Bün­del an Maß­nah­men an und ge­wäh­ren uns noch ei­ne Schon­frist.“

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