Ur­he­ber

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Nachrichten & Hintergrund - Vol­ker Beck

Es geht um die Pres­se­frei­heit und den Ur­he­ber­schutz – und wo die Gren­zen zwi­schen bei­den ver­lau­fen. Des­halb ist der Grü­nen-Po­li­ti­ker am Don­ners­tag in ei­nem Ge­richts­saal in Karls­ru­he er­schie­nen, um vor dem Bun­des­ge­richts­hof (BGH) sei­nen Stand­punkt deut­lich zu ma­chen. Die Sa­che, um die es ei­gent­lich geht, liegt Jahr­zehn­te zu­rück, doch wiegt sie so schwer, dass sie Beck – wie auch an­de­re Grü­nen-Po­li­ti­ker – ihr Le­ben lang be­las­ten wird. In den 1980er-Jah­ren hat­ten die Grü­nen sich ernst­haft dar­über Ge­dan­ken ge­macht, wie die „Ent­kri­mi­na­li­sie­rung von un­pro­ble­ma­ti­schen se­xu­el­len Kon­tak­ten zwi­schen Er­wach­se­nen und Kin­dern“er­zielt wer­den kön­ne. Becks Bei­trag da­zu wur­de 1988 in ei­nem Buch ver­öf­fent­licht, spä­ter be­haup­te­te der lang­jäh­ri­ge rechts­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen, sein Ma­nu­skript sei ver­fälscht be­zie­hungs­wei­se zu­ge­spitzt wor­den. Im Jahr 2013 wur­de das Ori­gi­nal­ma­nu­skript dann von Spie­gel On­li­ne kom­plett ver­öf­fent­licht, um zu be­le­gen, dass der Sinn des Pa­piers kei­nes­wegs ver­fälscht wor­den sei. Da­ge­gen hat­te Beck ge­klagt – aber nicht ge­gen den Spie­gel-Text und sei­ne Aus­sa­ge an sich, son­dern ge­gen die Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Ma­nu­skripts als PDFDo­ku­ment.

In den Vor­in­stan­zen hat­te Beck, der seit 1994 im Bun­des­tag sitzt, aber dem nächs­ten Par­la­ment nicht mehr an­ge­hö­ren wird, Er­folg. In den münd­li­chen Ver­hand­lung deu­te­te sich nun an, dass der BGH die Ent­schei­dung des Land­ge­richts Berlin mit Ver­weis auf den Vor­rang der Pres­se­frei­heit ge­gen­über dem Ur­he­ber­recht kip­pen könn­te. Der 56-jäh­ri­ge Grü­nen-Po­li­ti­ker ver­wies da­ge­gen auf die Fol­gen für ihn, die sich dar­aus er­gä­ben, wenn der Text oh­ne sei­ne Er­laub­nis und oh­ne Hin­weis dar­auf, dass dies nicht mehr sei­ne Po­si­ti­on sei, in je­dem be­lie­bi­gen Zu­sam­men­hang ver­öf­fent­licht wer­den könn­te.

Beck, der sich seit Jahr­zehn­ten für die Rech­te von Ho­mo­se­xu­el­len in Deutsch­land und welt­weit ein­setzt, ist im­mer wie­der An­griffs­ziel des rech­ten La­gers. Mit ei­nem Ur­teil in die­sem Rechts­streit ist in we­ni­gen Wo­chen zu rech­nen. (AFP/ sz)

FOTO: DPA

Wehrt sich ge­gen ei­ne Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Ma­nu­skripts: Vol­ker Beck.

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