Flü­ge zu über­bu­chen ist nor­ma­le Pra­xis

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Kultur -

„No Shows“wer­den sie im Fach­jar­gon ge­nannt: Flug­rei­sen­de, die ein Ti­cket ge­bucht ha­ben, aber zum Ab­flug nicht er­schei­nen. Bei der Luft­han­sa sind das rund drei Mil­lio­nen Pas­sa­gie­re im Jahr. Sie sind der Grund, wes­halb Flug­ge­sell­schaf­ten in der Re­gel mehr Ti­ckets ver­kau­fen, als Plät­ze ver­füg­bar sind. Wie sehr ein Flug über­bucht wird, hängt von Er­fah­rungs­wer­ten ab: So wer­den zu Fe­ri­en­be­ginn mehr Rei­sen­de ih­ren Flug wahr­neh­men als un­ter dem Jahr. Meist geht die Rech­nung der Air­lines auf – aber nicht im­mer. Dann ver­su­chen die Flug­ge­sell­schaf­ten zu­nächst, Rei­sen­de durch ei­ne Kom­pen­sa­ti­on zum frei­wil­li­gen Ver­zicht zu be­we­gen – et­wa durch ei­ne kos­ten­lo­se Über­nach­tung und ei­nen Flug am nächs­ten Tag. Doch nach wel­chen Kri­te­ri­en ent­schei­den die Air­lines, wenn tat­säch­lich nie­mand frei­wil­lig am Bo­den blei­ben möch­te? Das ist sehr sel­ten, und ein fest­ge­leg­tes Ver­fah­ren gibt es für die­sen Fall nicht. Die Luft­han­sa zum Bei­spiel führt nach ei­ge­nen An­ga­ben ei­ne Ein­zel­fall­prü­fung durch: Pas­sa­gie­re, die meh­re­re An­schluss­flü­ge ha­ben oder an ein Ziel rei­sen, das sel­ten an­ge­flo­gen wird, wer­den be­vor­zugt be­för­dert. Auch bei Air Berlin gibt es kei­ne Pa­tent­lö­sung. Wenn sich nie­mand frei­wil­lig da­zu be­reit­er­klärt, ge­gen Kom­pen­sa­ti­on ei­nen Er­satz­flug zu neh­men, ver­fährt die Flug­ge­sell­schaft nach dem Mot­to „first co­me, first ser­ve“. Das be­deu­tet: Wer auf den letz­ten Drü­cker am Check-in-Schal­ter er­scheint, wird eher am Bo­den ge­las­sen. Ein Los­ver­fah­ren, wie es jüngst bei der US-ame­ri­ka­ni­schen Flug­li­nie Uni­ted an­ge­wandt wur­de, gibt es in Deutsch­land nicht. Müs­sen Rei­sen­de un­frei­wil­lig am Bo­den blei­ben, sind die Flug­ge­sell­schaf­ten nach EU-Recht ver­pflich­tet, den Flug­preis zu­rück­zu­er­stat­ten oder ei­nen Er­satz­flug zu fin­den. Au­ßer­dem ha­ben Rei­sen­de we­gen der Nicht­be­för­de­rung An­spruch auf ei­ne Ent­schä­di­gung zwi­schen 250 und 600 Eu­ro. (dpa)

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