Glaub­wür­dig­keit in Ge­fahr?

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Leserbriefe - An­ton Dett­ling, Ek­ke­hard Nuf­fer, Fred Mau­rer, Hein­rich Tr­ti­lek, Schwä­bi­sche Zei­tung Karl­stra­ße 16 88212 Ra­vens­burg Fax-Nr. 0751 / 295599-1499 Le­ser­brie­fe@schwa­ebi­sche­zei­tung.de Ih­re Re­dak­ti­on

Zu „Gre­en­peace kri­ti­siert Schwei­ne­hal­tung“(4.5.): Es ist mehr als är­ger­lich, dass sich Um­welt­or­ga­ni­sa­tio­nen stän­dig die land­wirt­schaft­li­chen Be­trie­be her­aus­pi­cken, um Tier­schutz­as­pek­te zu dis­ku­tie­ren, an­statt sich um die wirk­lich gra­vie­ren­den Miss­stän­de zu küm­mern, die welt­weit nicht nur in der Tier­hal­tung, son­dern ins­be­son­de­re im Um­gang mit Men­schen be­ste­hen. Die dro­hen­de Hun­gers­not am Horn von Afri­ka, das Elend der vie­len Bür­ger­kriegs­flücht­lin­ge und die ka­ta­stro­pha­len Zu­stän­de in den afri­ka­ni­schen und asia­ti­schen Groß­städ­ten sind hier zu nen­nen. Un­ver­ständ­lich ist zu­dem, dass sich An­wäl­te als Gut­ach­ter in Sze­ne set­zen, ob­wohl sie voll­kom­men pra­xis­fremd sind.

Die An­schul­di­gun­gen aus dem Dunst­kreis der Um­welt­or­ga­ni­sa­tio­nen könn­ten die Bau­ern leich­ter pa­rie­ren, wenn nicht im­mer wie­der ekla­tan­te Fäl­le be­kannt wür­den, die die Glaub­wür­dig­keit der Bau­ern un­ter­gra­ben, die sich mit ho­hem Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein um ih­re Tie­re küm­mern.

Der Vor­wurf des Bau­ern­ver­ban­des, Gre­en­peace ge­he es we­ni­ger um die Ver­bes­se­rung der Tier­hal­tung, als viel­mehr um die Ab­schaf­fung der Tier­hal­tung in Deutsch­land und die Ver­la­ge­rung ins Aus­land, geht ins „Lee­re“, wenn man sieht, wie sich in­ner­halb we­ni­ger Jah­re ei­ne gi­gan­ti­sche Kon­zen­tra­ti­on im Schlacht­be­reich voll­zo­gen hat. Nur noch vier Schlacht­kon­zer­ne be­stim­men heu­te den Markt, auch ge­dul­det durch die be­rufs­stän­di­sche Ver­tre­tung.

Die­tel­ho­fen

Le­bens­mit­tel auf der Müll­kip­pe Zum sel­ben The­ma:

Ver­stärkt ge­ra­ten in letz­ter Zeit wie­der The­men wie Tier­hal­tung und Fleisch­ver­brauch in den Fo­kus der Ga­zet­ten. Da­bei wird dann je­des Mal ei­ne an­de­re Sau durchs Dorf ge­trie­ben. Dies seit vie­len Jah­ren, oh­ne dass dies er­kenn­ba­re Ve­rän­de­run­gen be­zie­hungs­wei­se Ver­bes­se­run­gen ge­bracht hät­te.

Nicht nur beim Fleisch – auch bei vie­len an­de­ren Nah­rungs­mit­teln – zeich­net sich im­mer kla­rer ab, dass der enor­me Preis­ver­fall in die­ser Bran­che un­ter an­de­rem da­zu führt, dass Un­men­gen brauch­ba­rer Le­bens­mit­tel im­mer häu­fi­ger auf der Müll­kip­pe lan­den. Dass da­für vie­le Tie­re lei­den müs­sen und et­li­che Bau­ern in den Ru­in ge­trie­ben wer­den, neh­men die al­ler­meis­ten Ver­brau­cher in­zwi­schen gar nicht mehr zur Kennt­nis!

In den deut­schen Schlacht­hö­fen pur­zeln je­des Jahr die Re­kor­de, da wir in­zwi­schen vie­le an­de­re Län­der mit un­se­ren bil­li­gen Fleisch­ber­gen „mit­ver­sor­gen“. Es dau­ert wohl nicht mehr lan­ge, bis ein Ki­lo Schwei­ne­fleisch bil­li­ger zu ha­ben ist als die­sel­be Men­ge Brot!

Die ge­neig­ten Ver­brau­cher sind in­des­sen mit der „Kal­ku­la­ti­on“be­schäf­tigt: Bil­li­ge Nah­rungs­mit­tel heißt mehr Kraft­stoff für den SUV, mehr Ur­laub, mehr bil­li­ge Be­klei­dung, das neu­es­te Smart­pho­ne und vie­le an­de­re Din­ge des ge­ho­be­nen Nicht­be­darfs.

Das Aus­maß des in­zwi­schen gi­gan­ti­schen Fleisch­kon­sums kann man auch in den Pro­spek­ten der Grill­her­stel­ler bild­lich gut nach­voll­zie­hen: Ein Gar­ten­grill sieht heut­zu­ta­ge aus wie die Kom­man­do­zen­tra­le der En­ter­pri­se. Nun ist dies al­les ja nicht un­be­dingt neu, was hier an­ge­pran­gert wird. Die Grü­nen ha­ben die­se jahr­zehn­te­lan­ge Mi­se­re – trotz di­ver­ser Mög­lich­kei­ten in Re­gie­rungs­be­tei­li­gun­gen – im Gro­ßen und Gan­zen igno­riert. Sie müs­sen sich ja auch um den Fort­be­stand der Die­sel­fahr­zeu­ge küm­mern!

Wein­gar­ten

„Sa­viour“noch zu ret­ten?

Zu „Der ver­lo­ge­ne Sohn“(10.5.): Als ehe­ma­li­ger Mann­hei­mer, der Xa­vier Nai­doo seit ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert kennt (seit 1992, lan­ge vor sei­ner be­acht­li­chen Kar­rie­re), le­ge ich je­doch mei­ne alt­ge­dien­ten Pia­nis­ten­hän­de ins Feu­er, dass der einst be­rühm­te, heu­te eher be­rüch­tig­te, mor­gen wo­mög­lich ab­ge­schrie­be­ne Sän­ger we­der An­ti­se­mit noch Na­tio­na­list ist – son­dern am ehes­ten ein, wenn auch be­reit­wil­li­ges, Op­fer sei­ner si­cher­lich be­denk­li­chen Nai­vi­tät und ei­ner gna­den­los auf den Kom­merz um je­den Preis schie­len­den Mu­sik­in­dus­trie am Ran­de sei­ner über zwei Jahr­zehn­te auch dank un­se­rer teils un­kri­ti­schen Be­geis­te­rung ge­wach­se­nen Selbst­über­schät­zung.

Die­ser „Ma­rio­net­ten“-Song vol­ler noch nicht ein­mal mehr hal­ber Un­wahr­hei­ten und un­ver­hoh­le­ner Ge­walt­an­dro­hung ge­gen von uns ge­wähl­te Volks­ver­tre­ter stammt un­mög­lich von ihm, der schließ­lich mit sei­nem al­ler­bes­ten Lied, der heim­li­chen WM-Hym­ne „Die­ser Weg…“zum „Som­mer­mär­chen“von 2006 den Sound­track lie­fer­te – son­dern mut­maß­lich von ei­nem der ge­dan­ken­ver­lo­ren und frag­wür­dig drauf­los schrei­ben­den, dem Ruf der Rhein-Neckar-Me­tro­po­le ab­träg­li­chen „Söh­ne Mann­heims“.

Schlimm ge­nug frei­lich, dass Xa­vier Nai­doo sich am Mi­kro­phon für ei­ne solch dümm­li­che, aber auch ge­fähr­li­che An­ti-Hym­ne her­gibt. Ih­re an­sons­ten stim­mi­ge „Ana­ly­se“zi­tiert frei­lich ein­sei­tig die fal­schen, näm­lich aus­schließ­lich un­re­flek­tier­ten Ju­bel-Fans und sug­ge­riert so ein schrä­ges Bild Mann­heims; auch der Ober­bür­ger­meis­ter ist ge­gen­über sei­nen ab­trün­ni­gen „Söh­nen“wohl deut­li­cher ge­wor­den, als er dies aus Rück­sicht und um de­ren künst­le­ri­schen „Re­so­zia­li­sie­rung“wil­len me­di­al kom­mu­ni­ziert hat.

Ist der eins­ti­ge „Sa­viour“der Na­ti­on noch zu ret­ten? Vi­el­leicht fin­den sich ja noch ein paar ech­te Freun­de zugleich des ehr­li­chen, wür­di­gen Soul und un­se­rer sou­ve­rä­nen De­mo­kra­tie, die sich an der Ret­tung ei­ner der­zeit ar­men See­le, ei­nes eher ver­lo­re­nen als „ver­lo­ge­nen“Soh­nes be­tei­li­gen.

Es wä­re sonst scha­de um den be­ken­nen­den christ­li­chen Soul-Sän­ger, der sich einst wir­kungs­voll ge­gen Rechts­ra­di­ka­lis­mus, Ras­sis­mus und Frem­den­feind­lich­keit en­ga­gier­te, mu­tig für Nächs­ten­lie­be und Ver­söh­nung ein­trat, für Hu­ma­nis­mus und In­te­gra­ti­on.

Aa­len

War­ten aufs Husa­ren­stück

Zum The­ma „Skan­dal in der Bun­des­wehr wei­tet sich aus“(10.5.): Man muss sich das bild­lich vor­stel­len, da gibt sich ein deut­scher Sol­dat dreist als sy­ri­scher Kriegs­flücht­ling aus, kas­siert oben­drein noch Geld, ob­wohl kein ara­bi­sches Wort über sei­ne Lip­pen kam und man ei­gent­lich so­fort hell­hö­rig hät­te re­agie­ren müs­sen.

Zum Glück ist durch Zu­fall die Sa­che mit der schar­fen Waf­fe ent­deckt wor­den, wor­auf man ihn schließ­lich fest­nahm. Wer weiß, was in ab­seh­ba­rer Zeit pas­siert wä­re, hät­te man ihn wei­ter agie­ren las­sen. Das zeigt wie­der ein­mal mehr, wie sorg­los und dumm un­se­re Be­hör­den mit ih­ren Ver­ant­wor­tun­gen und Pflich­ten um­ge­hen. Da fällt ei­nem wirk­lich nichts mehr ein – und man war­tet schon förm­lich auf das nächs­te „Husa­ren­stück“.

Wil­helms­dorf

Lie­be Le­se­rin­nen, lie­be Le­ser,

wir freu­en uns über Ih­re Brie­fe. Bit­te ha­ben Sie aber Ver­ständ­nis da­für, dass wir für die Ver­öf­fent­li­chung ei­ne Aus­wahl tref­fen und uns auch Kür­zun­gen vor­be­hal­ten müs­sen. Le­ser­zu­schrif­ten stel­len kei­ne re­dak­tio­nel­len Bei­trä­ge dar. An­ony­me Zu­schrif­ten kön­nen wir nicht ver­öf­fent­li­chen.

FOTO: DPA

Das The­ma Tier­hal­tung be­schäf­tigt die Men­schen.

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