Asyl­be­wer­ber we­gen Ver­ge­wal­ti­gung ver­ur­teilt

22-Jäh­ri­ger er­hält für den Miss­brauch ei­ner Asyl­be­wer­be­rin ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf/konstanz -

(naa) - Das Land­ge­richt Kon­stanz hat ei­nen 22-jäh­ri­gen Mann we­gen Ver­ge­wal­ti­gung ei­ner 19-Jäh­ri­gen in ei­ner Über­lin­ger Flücht­lings­un­ter­kunft zu ei­nem Jahr und neun Mo­na­ten Haft ver­ur­teilt. Die Stra­fe wur­de un­ter Auf­la­gen für drei Jah­re zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt. Da­mit kam der in­zwi­schen an­er­kann­te Asyl­be­wer­ber aus Eri­trea am Frei­tag nach fünf Mo­na­ten Un­ter­su­chungs­haft wie­der frei.

Nach ei­ner trau­ma­ti­schen Flucht aus Eri­trea wähn­te sich die 19-jäh­ri­ge Asyl­be­wer­be­rin in Über­lin­gen end­lich in Si­cher­heit. Dort hat­te sie in ei­ner Flücht­lings­un­ter­kunft ei­nen jun­gen Lands­mann ken­nen­ge­lernt, der um sie warb. Er sprach von Hei­rat, da­vor aber war Sex ta­bu. Dar­auf schwor er. Und er hielt sich auch dar­an. „Bis die­ser ver­fluch­te Tag kam“, sag­te der 22-Jäh­ri­ge am Frei­tag vor dem Land­ge­richt Kon­stanz.

Er ha­be schon öf­ter mit der 19-Jäh­ri­gen zu­sam­men ge­kocht und ge­ges­sen. So auch an die­sem De­zem­be­r­a­bend im vo­ri­gen Jahr. Er sei aber ziem­lich ge­stresst ge­we­sen, be­rich­te­te er vor Ge­richt. Denn am nächs­ten Tag muss­te er we­gen sei­nes Asyl­an­trags zur al­les ent­schei­den­den An­hö­rung nach Sig­ma­rin­gen. In der Auf­re­gung trank er an je­nem Abend min­des­tens ei­ne Fla­sche Wein. Auf die­se Wei­se ent­hemmt, ver­gaß er sein Ver­spre­chen, be­dräng­te sei­ne Freun­din und warf sie auf sein Bett. Er ver­such­te sie und sich aus­zu­zie­hen, doch die jun­ge Frau wehr­te sich mit al­ler Kraft. Trotz­dem ge­lang es ihm, ihr se­xu­el­le Ge­walt an­zu­tun, wie sie der Ge­setz­ge­ber un­ter dem Be­griff der Ver­ge­wal­ti­gung zu­sam­men­fasst. Da­bei würg­te er sie so stark, dass sie noch am nächs­ten Tag Schluck­be­schwer­den hat­te. Schließ­lich konn­te die 19-Jäh­ri­ge ihn wegsto­ßen und aus dem Zim­mer flie­hen. Sie lief in den Wasch­ma­schi­nen­raum, wo­bei er sie ver­folg­te und ihr ei­ne Ohr­fei­ge gab. An­schlie­ßend soll er sie noch be­droht ha­ben. Als sie sich in Be­glei­tung ei­ner Nach­ba­rin in ih­rem Zim­mer ein­ge­schlos­sen hat­te, häm­mer­te er noch an ihr Fens­ter, bis sie den Vor­hang zu­zog.

„Ein ganz groß­ar­ti­ger Mensch“

Am Frei­tag be­reu­te der 22-Jäh­ri­ge zu­tiefst, was er der jun­gen Frau an­ge­tan hat­te. Zu­sam­men mit ih­rer An­wäl­tin saß sie ihm im gro­ßen Schwur­ge­richts­saal des Land­ge­richts ge­gen­über. „Sie ist ein ganz groß­ar­ti­ger Mensch“, sag­te er, und ent­schul­dig­te sich auf­rich­tig bei ihr. Er ha­be sie ge­liebt und da­von ge­träumt, nach sei­nen schreck­li­chen Er­leb­nis­sen auf der Flucht mit ihr in Si­cher­heit und „oh­ne Angst“ei­ne Fa­mi­lie grün­den zu kön­nen. Die jun­ge Frau er­klär­te, sie ha­be den ge­walt­tä­ti­gen Über­griff des 22-Jäh­ri­gen gut über­stan­den. Sei­ne Ent­schul­di­gung nahm sie an.

Auf­grund sei­ner in­tel­li­gent an­mu­ten­den Ein­las­sung hat­te das Ge­richt den Ein­druck, dass er sich in der Un­ter­su­chungs­haft ernst­haft mit der Tat aus­ein­an­der­ge­setzt hat. Weil sich die­ser Fall so deut­lich von an­de­ren Ver­ge­wal­ti­gungs­de­lik­ten un­ter­schied, blieb man am Frei­tag un­ter der Min­dest­stra­fe von zwei Jah­ren. So­wohl der Ver­tre­ter der Staats­an­walt­schaft als auch das Ge­richt stell­ten dem 22-Jäh­ri­gen ei­ne güns­ti­ge So­zi­al­pro­gno­se, so­dass die Stra­fe zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wer­den konn­te. Als Auf­la­ge muss er 200 St­un­den ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit ab­leis­ten und sich ei­nem Be­wäh­rungs­hel­fer un­ter­stel­len.

FO­TO: DPA

Das Land­ge­richt Kon­stanz hat ei­nen 22-jäh­ri­gen Asyl­be­wer­ber we­gen Ver­ge­wal­ti­gung zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt.

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