Schöns­ter Blick und mo­derns­te Tech­nik

Air­bus legt in Im­men­staad den Grund­stein für ei­ne neue Ära des Sa­tel­li­ten­baus

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Oberteuringen/immenstaad - Von An­ton Fuchs­loch

IM­MEN­STAAD - Nach dem ers­ten Spa­ten­stich am 22. No­vem­ber 2016 ist ges­tern bei Air­bus in Im­men­staad der Grund­stein für das neue Tech­no­lo­gie­zen­trum ge­legt wor­den. In den zu­rück­lie­gen­den sechs Mo­na­ten wur­den rund 800 Lkw-La­dun­gen Aus­hub weg­ge­fah­ren, 200 Pfäh­le bis zu 40 Me­ter in das Erd­reich ge­bohrt, und die 4250 Qua­drat­me­ter gro­ße Bo­den­plat­te be­to­niert. Im Som­mer nächsten Jah­res soll das Ge­bäu­de fer­tig sein.

Mit von der Par­tie wa­ren ges­tern auf der Bau­stel­le di­rekt am Bo­den­see­ufer ne­ben der Mi­nis­te­rin für Wirt­schaft, Ar­beit und Woh­nungs­bau, Ni­co­le Hoff­meis­ter-Kraut, die Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Klaus Ho­her (FDP) und Au­gust Schuler (CDU), Land­rat Lothar Wöl­fe, Bür­ger­meis­ter Jür­gen Beiss­wen­ger so­wie hoch­ran­gi­ge Ver­tre­ter der eu­ro­päi­schen Welt­raum­or­ga­ni­sa­ti­on ESA und des Deut­schen Zen­trums für Luft- und Rauf­mahrt (DLR).

High-Tech vom Feins­ten

Die her­aus­ra­gen­de Be­deu­tung des Neu­baus un­ter­strich auch die An­we­sen­heit von Ni­co­las Cha­mus­sy, der in sei­ner Funk­ti­on als Lei­ter der Welt­raum­spar­te von Air­bus von Pa­ris an­ge­reist kam. Der Fran­zo­se schwärm­te in bes­tem Deutsch vom „schöns­ten Blick und dem mo­derns­ten Rein­raum“. Den Blick gibt’s dank der Stand­ort­wahl des Luft­schiff­bau Zep­pe­lin für ei­ne Tor­pe­do­ver­suchs­an­la­ge im Kriegs­jahr 1943 und der spä­te­ren Über­nah­me des Ge­län­des durch die Dor­nier-Wer­ke gra­tis, für den Rein­raum und das Drum­her­um gibt Air­bus 43 Mil­lio­nen Eu­ro aus.

„Das ist die größ­te In­ves­ti­ti­on am Stand­ort in den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren“, sag­te Stand­ort­lei­ter Diet­mar Pilz. Air­bus un­ter­mau­ert da­mit nicht nur sei­ne her­aus­ra­gen­de Po­si­ti­on in der Ent­wick­lung und Fer­ti­gung von Sa­tel­li­ten, son­dern si­chert auch den Stand­ort am Bo­den­see. Für die Mi­nis­te­rin ist da­mit ein wei­te­rer Grund­stein für den Er­folg der ba­den­würt­tem­ber­gi­schen Luft- und Raum­fahrt­bran­che ge­legt. Im­men­staad wer­de durch den Sa­tel­li­ten-Hub zum „welt­wei­ten Zen­trum des Sa­tel­li­ten­baus“, so die Mi­nis­te­rin.

Für Cha­mus­sy passt die High­Tech vom Feins­ten gut zu Ba­denWürt­tem­berg, dem Land der Tüft­ler und Er­fin­der. „Was vor mehr als 100 Jah­ren die Au­to­mo­bil­bran­che war, ist heu­te die Raum­fahrt“, sag­te der Air­bus Space-Chef. Die Nach­fra­ge nach Lö­sun­gen für die drän­gen­den Pro­ble­me der Mensch­heit und der Ver­bes­se­rung der Le­bens­be­din­gun­gen auf der Er­de wach­se. Wenn es um Kom­mu­ni­ka­ti­on, Na­vi­ga­ti­on, Kli­ma und Um­welt ge­he, sei die Raum­fahrt ge­fragt. Als Bei­spiel nann­te Cha­mus­sy die „welt­bes­te Ra­dar­tech­no­lo­gie“, die Air­bus in Im­men­staad et­wa den Ter­ra­sar- und Tan­dem-Sa­tel­li­ten mit­ge­ge­ben ha­be. „Die tech­ni­schen An­sprü­che wach­sen, des­halb wol­len auch wir mit­wach­sen“, so Cha­mus­sy. Mehr als 1000 neue Mit­ar­bei­ter ha­be Air­bus De­fence & Space eu­ro­pa­weit im ver­gan­ge­nen Jahr ein­ge­stellt, was sich auch auf den Stand­ort aus­wirk­te. Hier sei die Zahl der Mit­ar­bei­ter in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren um 20 Pro­zent ge­wach­sen, sag­te Stand­ort­lei­ter Diet­mar Pilz. Das Tech­no­lo­gie­zen­trum wer­de für die Mit­ar­bei­ter die best­mög­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen bie­ten, um an­spruchs­vol­le Pro­jek­te er­folg­reich zu meis­tern. Durch die Hö­he des Ge­bäu­des (20 Me­ter) las­sen sich auch gro­ße Welt­raum­te­le­sko­pe bau­en, und die ho­he Rein­heits­klas­se des Rau­mes sei eu­ro­pa­weit ein­ma­lig.

Auch wenn Raum­fahrt mehr und mehr zu ei­nem Ge­schäft wird, kom­men die meis­ten Auf­trä­ge für die For­schungs- und Erd­be­ob­ach­tungs­sa­tel­li­ten im­mer noch aus staat­li­chen Pro­gram­men. Ein Vo­lu­men von 10,3 Mil­li­ar­den ha­be die eu­ro­päi­sche Mi­nis­ter­rats­kon­fe­renz im De­zem­ber 2016 ge­zeich­net, sag­te der Chef des ESA-Mis­si­ons­be­triebs in Darm­stadt, Rolf Den­sing. Ein Groß­teil da­von lan­de bei Air­bus. Nicht ohne Grund, denn was hier ab­ge­lie­fert wer­de, sei Wert­ar­beit und las­se sich schön flie­gen, wie jüngst die Ro­set­ta-Mis­si­on ge­zeigt ha­be. Nach sie­ben Mil­li­ar­den Ki­lo­me­tern auf ei­nem vier Ki­lo­me­ter gro­ßen Bro­cken zu lan­den, da müs­se die Tech­nik schon vom Feins­ten sein. Da­für ste­he Air­bus.

Gerd Grup­pe, Vor­stands­mit­glied des DLR, sieht das ähn­lich. Auch er hält die am Stand­ort an­ge­sie­del­te Ra­dar­tech­no­lo­gie für welt­weit ein­ma­lig und ver­heißt ihr ei­ne gro­ße Zu­kunft. „Wir wer­den aber auch die Wis­sen­schafts­sa­tel­li­ten wei­ter un­ter­stüt­zen“, ver­spricht der für das Raum­fahrt­ma­nage­ment zu­stän­di­ge DLR-Chef.

FO­TO: AN­TON FUCHS­LOCH

Mi­nis­te­rin Ni­co­le Hoff­meis­ter-Kraut ver­senkt un­ter Auf­sicht von Stand­ort­lei­ter Diet­mar Pilz (rechts) zu­sam­men mit den Air­bus-Azu­bis Micha­el He­cke­wald und Micha­el Bu­ry die Zeit­kap­sel ins Fun­da­ment des Neu­baus. Im Hin­ter­grund ist auf ei­ner gro­ßen Lein­wand die An­sicht des neuen Tech­no­lo­gie­zen­trums zu se­hen.

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