Groß­städ­ter kau­fen ger­ne Rind vom Land

Für Land­wirt Ralph Nol­le aus dem Deg­gen­hau­ser­tal hat sich das Pro­jekt „Kauf­ne­kuh“be­währt

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Deggenhausertal/ Salem - Von Mar­vin We­ber

- Das Simm­en­ta­ler Fleck­vieh von Ralph Nol­le grast an dem som­mer­li­chen Mai­tag auf den Wie­sen im Deg­gen­hau­ser­tal. Rund 100 Tie­re hat der Land­wirt aus Menn­wan­gen mo­men­tan. Ei­nen Groß­teil ver­kauft er an Metz­ger und Schlacht­hö­fe in der Re­gi­on. Ei­ne be­stimm­te Aus­wahl, die be­son­ders schwe­ren Rin­der, ge­hen an das „Crowd­but­che­ring“-Pro­jekt „Kauf­ne­kuh.de“.

Nol­le ist be­reits seit dem Start des Pro­jekts im Sep­tem­ber 2015 da­bei. Auf der In­ter­net­sei­te kön­nen Kun­den Fleisch­pa­ke­te mit 3,6 oder 7,2 Ki­lo­gramm be­stel­len. Je­der der Käu­fer er­hält mit dem Kauf ei­nen An­teil des Rinds. Erst wenn das kom­plet­te Vieh ver­kauft ist, wird es ge­schlach­tet und dar­auf­hin per Ex­press­lie­fe­rung an die Kun­den ver­schickt. Die mo­men­tan neun Bau­ern, die mit per­sön­li­chen Por­träts auf der Web­sei­te prä­sen­tiert wer­den, kom­men aus der Re­gi­on rund um den Bo­den­see bis zur Schwä­bi­schen Alb. Zur­zeit ste­hen ein Fleck­vieh aus Kon­stanz und ein Bio-Simm­en­ta­ler-Rind aus Tutt­lin­gen zum Ver­kauf.

Rin­der wie­gen im Durch­schnitt 400 Ki­lo­gramm

„Bis zu vier Tage dau­ert es, bis die kom­plet­ten An­tei­le für ein Tier ver­kauft sind“, sagt Do­rit Son­nert von „Kauf­ne­kuh“. Mit dem Kon­zept wol­le man den Ver­brau­cher wie­der nä­her an den Bau­ern brin­gen und die Wert­schät­zung für das Pro­dukt er­hö­hen, so Son­nert. Der 45-jäh­ri­ge Land­wirt aus Menn­wan­gen steht eben­falls hin­ter die­ser Aus­sa­ge. 18 Rin­der von sei­nem Hof wur­den be­reits über die In­ter­net­sei­te ver­kauft. Doch nicht je­des sei­ner Tie­re kommt da­für in­fra­ge. „Es sind äl­te­re Tie­re, bei de­nen die Fleisch­fül­le und die Fett­ab­de­ckung be­son­ders gut sind“, sagt Nol­le. Rund 400 Ki­lo­gramm brin­gen die Rin­der im Schnitt auf die Waa­ge und sind zwi­schen drei und acht Jah­re alt, die er an „Kauf­ne­kuh“wei­ter­ver­kauft. Auch fi­nan­zi­ell lohnt sich die­ses Ge­schäft für den Land­wirt. Zwi­schen 20 und 30 Cent pro Ki­lo­gramm be­kommt Nol­le mehr als über sei­ne üb­li­chen Han­dels­we­ge.

Auch beim Fut­ter müs­sen die Land­wir­te ge­wis­se Gr­und­vor­aus­set­zun­gen er­fül­len. „Mei­ne Tie­re be­kom­men haupt­säch­lich Fut­ter vom ei­ge­nen Hof. Im Som­mer Gras, im Win­ter Gras- und Mais­si­la­ge so­wie Heu“, sagt Nol­le. Die Tie­re von den Bau­ern aus der Re­gi­on wer­den in ei­nem Be­trieb in Über­lin­gen ge­schlach­tet und vor Ort das Fleisch wei­ter­ver­ar­bei­tet.

An­schlie­ßend reift das Rind­fleisch für min­des­tens 14 Tage und wird da­nach va­ku­um­ver­packt in­ner­halb von ganz Deutsch­land ver­schickt. „Der Haupt­teil un­se­rer Kun­den stammt aus der Groß­stadt und aus den Bal­lungs­ge­bie­ten“, sagt Son­nert. Die Idee, Fleisch über das In­ter­net zu ver­mark­ten, sei Grün­der Yvo van Ri­jen im Su­per­markt ge­kom­men, er­zählt Son­nert. Dort ha­be er ei­ne Pa­ckung Hack­fleisch in der Hand ge­habt und ha­be kei­ne Ah­nung ge­habt, wo das Fleisch her­kom­me. Das Kon­zept des trans­pa­ren­ten Fleisch­ver­kaufs ha­be sich seit dem Start vor fast zwei Jah­ren be­währt, sagt Son­nert. Mitt­ler­wei­le sei­en es 15 Land­wir­te aus der hie­si­gen Re­gi­on, die ih­re Rin­der an „Kauf­ne­kuh“ver­kau­fen. Seit Ok­to­ber ver­gan­ge­nen Jah­res kön­nen die Kun­den auch zwi­schen kon­ven­tio­nel­lem und Bio-Fleisch aus­wäh­len. Ei­nen ähn­li­chen Ver­triebs­weg ha­be man in Zu­kunft auch für Schwei­ne­fleisch aus der Re­gi­on ge­plant.

Ralph Nol­le ist zu­erst zö­ger­lich ge­we­sen als er von „Kauf­ne­kuh“ge­hört hat. „Der Ver­mark­tungs­weg ist mir bis zu dem Zeit­punkt völ­lig neu ge­we­sen“, so der Land­wirt. Doch jetzt ist auch er von dem Kon­zept über­zeugt. „So wird den Menschen wie­der be­wusst ge­macht, dass es nicht nur ein Ar­ti­kel im Su­per­markt ist“, sagt Nol­le. Ne­ben sei­nen rund 100 Tie­ren ist er für „Kauf­ne­kuh“auch der An­sprech­part­ner in der Re­gi­on und hält den Kon­takt zu den an­de­ren Land­wir­ten.

FO­TO: MAR­VIN WE­BER

Ralph Nol­le ver­kauft seit Sep­tem­ber 2015 ei­ni­ge sei­ner Rin­der an „ Kauf­ne­kuh“.

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