Par­tei­freun­de stel­len An­ge­klag­tem gu­tes Zeug­nis aus

Elf­ter Ver­hand­lungs­tag im Mord­pro­zess ge­gen Fa­mi­li­en­va­ter aus Berg

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Wir Am See -

(bas) - Im lau­fen­den Mord­pro­zess ge­gen ei­nen 46 Jah­re al­ten Fa­mi­li­en­va­ter aus Berg bei Ra­vens­burg sind am elf­ten Ver­hand­lungs­tag wie­der di­ver­se Zeu­gen ver­nom­men wor­den. Vor der Schwur­ge­richts­kam­mer des Land­ge­rich­tes Ra­vens­burg wird der­zeit in ei­nem In­di­zi­en­pro­zess ver­han­delt, ob der An­ge­klag­te sei­ne 43-jäh­ri­ge Ehe­frau im Ju­li ver­gan­ge­nen Jah­res ge­tö­tet und an­schlie­ßend ih­ren Selbst­mord fin­giert hat.

Als „krass ver­lo­gen und na­tür­lich falsch“be­zeich­ne­te ein von der Ver­tei­di­gung be­nann­ter Zeu­ge so man­che Cha­rak­te­ri­sie­rung, die an­de­re Zeu­gen für den An­ge­klag­ten for­mu­liert hat­ten: Der An­ge­klag­te sei we­der ein Ei­gen­bröt­ler noch bö­se – im Ge­gen­teil, er kön­ne „gut mit Leu­ten um­ge­hen“. Vor al­lem im Stra­ßen­wahl­kampf. Kor­rekt und kol­le­gi­al sei er ge­we­sen, cha­rak­te­ri­siert der Zeu­ge sei­nen Par­tei­freund und po­li­ti­schen Mit­strei­ter, den er al­ler­dings laut ei­ge­nem Be­kun­den vor zwölf Jah­ren das letz­te Mal ge­trof­fen hat. Auch Par­tei­freund Num­mer zwei schil­der­te den An­ge­klag­ten als „ganz tol­len Kerl“und „gu­ten Ka­me­ra­den“.

Man kennt sich „sehr pri­vat“

„Ich kann ihn nur po­si­tiv be­ur­tei­len“, be­schei­nig­te der Zeu­ge, der ihn zu­letzt im Jah­re 2008 per­sön­lich ge­se­hen ha­ben will. „Sehr pri­vat“ha­be er den 46-Jäh­ri­gen bei ei­ner Par­tei-ver­an­stal­tung er­lebt, als der mit der Fa­mi­lie ge­kom­men sei. Im Haus der Ehe­leu­te sei er je­doch nie ge­we­sen. Auf Nach­fra­ge von Ver­tei­di­ger Hans Ben­se, ob ihm der An­ge­klag­te als „recht­ha­be­risch“oder gar „bö­se oder kalt“in Er­in­ne­rung sei, ant­wor­tet der Zeu­ge em­pört, wer das sa­ge, der müs­se „en Lu­ge­beitl“(ugs­pr. für Lüg­ner) sein. Die­se de­spek­tier­li­che Äu­ße­rung will der Vor­sit­zen­de Rich­ter Jür­gen Hut­te­rer eben­so we­nig ste­hen las­sen, wie das frech-pro­vo­kan­te Auf­tre­ten des Par­tei­freunds, den Hut­te­rer scharf zu­recht­weist.

Da sich of­fen­sicht­lich Un­stim­mig­kei­ten bei der Ein­gren­zung des To­des­zeit­punk­tes des Op­fers er­ge­ben ha­ben, hat das Ge­richt auch den Lei­ter der Zen­tra­len Kri­mi­nal­tech­nik als Zeu­ge ge­la­den. Der Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar soll An­ga­ben zu Ver­gleichs­mes­sun­gen ma­chen, die er am Tag nach Auf­fin­den des Op­fers im Kel­ler des Hau­ses durch­ge­führt hat­te. Ob die Raum­tem­pe­ra­tur mög­li­cher­wei­se feh­ler­haft ge­mes­sen, ob das bei der Po­li­zei ver­wen­de­te Ther­mo­me­ter ge­eicht ge­we­sen oder das Mess­ge­rät mög­li­cher­wei­se so­gar feh­ler­haft ge­we­sen se4in könn­te. Da­zu soll even­tu­ell noch ein wei­te­rer Sach­ver­stän­di­ger ge­hört wer­den.

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