Rich­ter schlief – Ur­teil auf­ge­ho­ben

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Wir Im Süden -

(dpa) - We­gen ei­nes schla­fen­den eh­ren­amt­li­chen Rich­ters muss ein Rechts­streit aus Ba­denWürt­tem­berg neu ver­han­delt wer­den. Der Schöf­fe war ein­ge­nickt und sei da­mit „geis­tig ab­we­send“ge­we­sen, ent­schied das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in Kas­sel. Die Nord­hes­sen ho­ben da­mit ein Ur­teil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts in Stutt­gart auf. Das wird sich nun er­neut mit dem Rechts­streit um ei­ne Ren­te we­gen Er­werbs­un­fä­hig­keit be­fas­sen müs­sen, teil­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt am Frei­tag mit.

Er­eig­net hat­te sich der Vor­fall im Jahr 2016. Der eh­ren­amt­li­che Rich­ter war zu der Ver­hand­lung in Stutt­gart laut Zeu­gen zu spät ge­kom­men. Dann sei er „mit auf die Brust ge­sun­ke­nem Haupt so­fort ein­ge­schla­fen“. Die an­de­ren Rich­ter be­merk­ten dies und stie­ßen ihn mit dem Fuß an – das ha­be nur kurz ge­hol­fen. Laut Klä­ger schlief der Rich­ter fast ei­ne hal­be St­un­de. Der Be­trof­fe­ne selbst gab an, er ha­be der Ver­hand­lung fol­gen kön­nen.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt be­schäf­tig­te sich mit der Fra­ge, ob der Rich­ter wirk­lich ge­schla­fen ha­be. Das Schlie­ßen der Au­gen und das Sen­ken des Kop­fes auf die Brust kön­ne auch „geis­ti­ge Ent­span­nung oder be­son­de­re Kon­zen­tra­ti­on“be­deu­ten, heißt es in der Be­grün­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts. Doch auf­grund der Aus­sa­gen ste­he fest, dass der Rich­ter „für ei­nen Teil der münd­li­chen Ver­hand­lung geis­tig ab­we­send war“. Die Kas­se­ler Rich­ter lie­ßen da­her ei­ne Re­vi­si­on we­gen „nicht vor­schrifts­mä­ßi­ger Be­set­zung des Be­ru­fungs­ge­richts“zu.

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