Neu­start durch Bar­rie­re­frei­heit

Häf­ler Fa­mi­lie be­zieht roll­stuhl­ge­rech­te Woh­nung

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen -

– Kat­ha­ri­na Golds ist seit ei­nem Au­to­un­fall auf ei­nen Roll­stuhl und frem­de Hil­fe an­ge­wie­sen. Rund um die Uhr. Nun zieht sie ge­mein­sam mit Toch­ter und Ehe­mann in ei­ne bar­rie­re­freie Woh­nung. In Zu­sam­men­ar­beit mit der Fir­ma Betz und We­ber ist es ge­lun­gen, ein Ei­gen­heim zu ge­stal­ten, das den An­for­de­run­gen ge­recht wird. Am Don­ners­tag hat die Schlüs­sel­über­ga­be statt­ge­fun­den.

Die Hand­wer­ker er­le­di­gen die letz­ten Ar­bei­ten. Das Bett wird an­ge­lie­fert, ins Ober­ge­schoss ge­tra­gen und im Schlaf­zim­mer auf­ge­baut. Und im Ba­de­zim­mer wer­den die letz­ten Ar­ma­tu­ren in­stal­liert. Ei­ni­ge Ge­gen­stän­de hat die Fa­mi­lie schon aus der al­ten Woh­nung her­über­ge­bracht. Sie ste­hen in der Ecke ne­ben dem Fahr­stuhl, der das Erd­ge­schoss mit dem Un­ter- und Ober­ge­schoss ver­bin­det.

Ei­nen Fahr­stuhl gab es in der al­ten Woh­nung nicht. „Na­tür­lich ha­ben wir ent­spre­chen­de Hilfs­mit­tel ge­nutzt, die sich an der Trep­pe in­stal­lie­ren las­sen“, er­zählt Chris­ti­an Golds. Aber das sei sehr um­ständ­lich ge­we­sen und ha­be zu kei­ner zu­frie­den­stel­len­den Lö­sung ge­führt. Ins­ge­samt war die Fa­mi­lie mit vie­len Pro­ble­men kon­fron­tiert: „Der Platz­man­gel war die größ­te Her­aus­for­de­rung“, meint Golds. „Es gab kaum Mög­lich­kei­ten, den Roll­stuhl zu dre­hen, und die Tü­ren wa­ren viel zu schmal.“

Die­se Pro­ble­me be­ste­hen in der bar­rie­re­frei­en Woh­nung nicht. Es gibt reich­lich Platz. Au­ßer­dem ha­ben die Tü­ren kei­ne Ab­sät­ze, die das Ma­nö­vrie­ren des Roll­stuhls er­schwert hät­ten. In der al­ten Woh­nung war die Nut­zung des Bal­kons we­gen ei­nes sol­chen Ab­sat­zes nicht mög­lich. Die Ter­ras­se in der neu­en Woh­nung hin­ge­gen ist auch für Roll­stuhl­fah­rer zu­gäng­lich. Und vor dem Haus gibt es aus­rei­chend Park­raum für den roll­stuhl­ge­rech­ten Sprin­ter.

„Ein Neu­bau lässt sich von An­fang an bar­rie­re­frei pla­nen“, meint Rei­ner Zacha­ri­as, der das Bau­pro­jekt lei­tet. Oft sei das die bes­te Lö­sung, weil selbst kom­pli­zier­te Um­bau­maß­nah­men nicht im­mer zu ei­nem gu­ten Er­geb­nis füh­ren. Die Woh­nung, in die Fa­mi­lie Golds ein­zieht, ist ei­ne Woh­nung des Typs „Pick-up Typ 2“. Das be­deu­tet: Die freie Gestal­tung und An­pas­sung an die ei­ge­nen Be­dürf­nis­se ist im­mer ge­währ­leis­tet.

Im Un­ter­ge­schoss gibt es ei­nen The­ra­pie­raum und ei­ne klei­ne Woh­nung mit ei­ge­nem Bad und ei­ner klei­nen Kü­chen­zei­le. Hier kön­nen Pfle­ge­kräf­te un­ter­kom­men. Und im Ober­ge­schoss be­fin­den sich das Schlaf­zim­mer und ein gro­ßes Bad. Ei­ne Schie­ne an der De­cke ver­bin­det die bei­den Räu­me, so­dass Golds sei­ne Frau mit­hil­fe ei­nes Lifts pro­blem­los aus dem Bett in die Ba­de­wan­ne he­ben kann. Die Ba­de­wan­ne ist hö­her als im Nor­mal­fall, was die Pro­ze­dur ver­ein­facht.

Golds möch­te sei­ne Ehe­frau in je­dem Fall zu Hau­se pfle­gen. Ein Heim kom­me nicht in­fra­ge. Das wä­re für ihn un­vor­stell­bar. In ih­rem neu­en Zu­hau­se muss sich die Fa­mi­lie ab so­fort nicht mehr mit Pro­ble­men aus­ein­an­der­set­zen, die in der al­ten Blei­be be­stan­den. „Der All­tag wird ein­fa­cher“, freut sich der ge­bür­ti­ge Ös­ter­rei­cher. „Und das Le­bens­ge­fühl bes­ser.“

FO­TO: CHRIS­TOPH DIER­KING

Rei­ner Zacha­ri­as (links) und Sa­bi­ne Leins (rechts) vom Mark­dor­fer Bau­un­ter­neh­men Betz und We­ber über­rei­chen Chris­ti­an Golds und Toch­ter Leo­nie die Woh­nungs­schlüs­sel.

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