Den Bie­nen feh­len die Blü­ten

Durch die win­ter­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren fehlt es an Blü­ten – Ho­ni­ger­trag die­ses Jahr ge­ring

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg / Uberlingen - Von Na­di­ne Sapot­nik

- Im­ker Hel­mut Knäp­le schaut ernst: „Nor­ma­ler­wei­se schen­ken wir den Be­su­chern Ho­nig, die­ses Jahr ver­schen­ken wir Blü­ten­sa­men.“In die­sem Jahr gibt es be­son­ders we­nig Ho­nig. Grund da­für sind die win­ter­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren, die noch ein­mal En­de April, An­fang Mai zu­rück­ge­kehrt sind. Schlecht geht es den Bie­nen aber trotz­dem nicht.

Hel­mut Knäp­le ist Ge­schäfts­füh­rer des Lehr­bie­nen­stands in Meersburg-Bai­ten­hau­sen. Dort bringt er In­ter­es­sier­ten das Im­kern bei und er­klärt Schul­klas­sen, wie die Bie­nen ar­bei­ten und wo­her der Ho­nig kommt. „Für ein Glas Ho­nig wer­den rund sie­ben Mil­lio­nen Blü­ten be­stäubt“, er­klärt Knäp­le. In der Re­gi­on wird das Im­kern im­mer be­lieb­ter. „Im Jahr 2000 wa­ren wir 50 Im­ker, mitt­ler­wei­le sind es 127“, sagt er. „Die Kur­se wer­den sehr gut an­ge­nom­men.“Die ge­rin­ge Men­ge an Ho­nig, die Knäp­le in die­sem Jahr er­war­tet, sch­reckt sei­ne Schü­ler nicht ab.

Die Bie­nen hin­ge­gen schre­cken kal­te Tem­pe­ra­tu­ren ab. Wenn es zu kalt für sie ist, schrän­ken sie ih­re Flü­ge ein. Sie blei­ben im Bie­nen­stock, bis das Ther­mo­me­ter zwölf Grad an­zeigt. Erst dann ge­hen sie wie­der auf Blü­ten­su­che. Da­durch, dass sie in der kal­ten Zeit Zeit kei­nen neu­en Nekt­ar in den Stock brin­gen, wird auch kein neu­er Ho­nig pro­du­ziert. Sie zeh­ren von dem Ho­nig, der noch üb­rig ist. Be­nö­tigt wird der Ho­nig bei der Auf­zucht und der Brut von Bie­nen, er dient als Nah­rungs­mit­tel. Ein­zig die her­an­wach­sen­de Kö­ni­gin wird mit dem so­ge­nann­ten Gelée Roy­al ge­füt­tert, das ein Dü­sen­se­kret ist. Es ist be­son­ders nähr­stoff­reich, wes­halb die Kö­ni­gin stets um ei­ni­ges grö­ßer ist, als die Ar­bei­te­rin­nen und die Droh­nen.

Teil­wei­se sehr früh ge­blüht

Grund­sätz­lich gilt: Je we­ni­ger von Ho­nig vor­han­den ist, des­to we­ni­ger Eier legt die Kö­ni­gin. Das Volk kann so nicht wach­sen. Da der Ho­ni­ger­trag durch die we­ni­gen Blü­ten oh­ne­hin ge­ring ist, bleibt noch viel we­ni­ger für den Im­ker üb­rig. Die Bie­nen brau­chen den Ho­nig selbst, da­mit ihr Volk her­an­wach­sen kann. Der Im­ker kann sich nur am über­schüs­si­gen Ho­nig be­die­nen. Ei­ne künst­li­che Mög­lich­keit den Bie­nen Blü­ten be­reit­zu­stel­len gibt es nicht. „Vor vie­len Jah­ren gab es mal Pol­len­er­satz­stof­fe“, sagt Knäp­le. Aber das ha­be nichts ge­bracht. In die­sem Jahr ha­be es zeit­wei­se sehr früh ge­blüht. Dann hät­ten die Bie­nen ge­nug Nekt­ar ge­fun­den. „Da­mals wa­ren die Völ­ker aber noch zu klein“, sagt Knäp­le. Des­halb ha­be das nicht viel ge­bracht.

Knäp­le gibt trotz­dem nicht auf. Er spielt mit dem Ge­dan­ken, das ei­ne oder an­de­re Bie­nen­volk nach Hei­li­gen­berg zu brin­gen. „Dort blüht der Raps noch wun­der­bar“, sagt er. Für die Bie­nen sei das ein rich­ti­ges El­do­ra­do. Zwar gibt es auch ein Raps­feld ei­nen St­ein­wurf vom Lehr­bie­nen­stand ent­fernt, doch Knäp­le rech­net da­mit, dass es schon in we­ni­gen Ta­gen ge­mäht wer­de. „Die Bie­nen ex­tra nach Hei­li­gen­berg zu brin­gen, ist na­tür­lich recht auf­wen­dig“, sagt er. Doch er hofft, dass es sich lohnt.

Doch trotz al­lem geht es den Bie­nen in Bai­ten­hau­sen gut. Das Pro­blem des Bie­nenster­bens sei keins, was in der Re­gi­on ei­ne Rol­le spie­le. „Das ist eher et­was, was es in Ame­ri­ka gibt“, sagt er. „Dort wer­den Bie­nen im­mer nur auf ei­ne Pol­le ge­setzt.“Dar­in sieht er das Pro­blem. In Bai­ten­hau­sen ha­ben die Bie­nen ge­nug Aus­wahl. Auch die von vie­len Im­kern ge­fürch­te­te Var­roa­mil­be sei nur ein Pro­blem, wenn der Im­ker nicht rich­tig aus­ge­bil­det sei. „Man muss die Bie­nen ein­fach früh ge­nug be­han­deln“, sagt Knäp­le. „Dann be­kommt man das sehr gut in den Griff.“

FO­TO: NA­DI­NE SAPOT­NIK

Hel­mut Knäp­le über­prüft die Ab­le­ger, die er für sei­ne Schü­ler vor­be­rei­tet.

FO­TO: NA­DI­NE SAPOT­NIK

Die Bie­ne mit dem blau­en Punkt ist die Kö­ni­gin.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.