Hauk for­dert klei­ne­re Be­rufs­schul­klas­sen auf dem Land

Min­dest­grö­ße für Städ­te soll bei 16 Schü­lern blei­ben, auf dem Land auf acht Schü­ler ab­ge­senkt wer­den

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Wir Im Süden - Von Ka­ra Ball­arin

- Der Mi­nis­ter für den länd­li­chen Raum, Pe­ter Hauk, (CDU) will die Min­dest­grö­ße für Be­rufs­schul­klas­sen auf dem Land ab­sen­ken. Das be­stä­tig­te er auf An­fra­ge der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Da­durch kön­nen Be­rufs­schul­klas­sen frü­her zu­stan­de kom­men. Mit die­sem Schritt will er dem Fach­kräf­te­man­gel hand­werk­li­cher Be­trie­be ent­ge­gen­wir­ken. Der Be­rufs­schul­leh­rer­ver­band zeigt sich höchst er­freut. Auch Kul­tus­mi­nis­te­rin Su­san­ne Ei­sen­mann (CDU) si­gna­li­siert Of­fen­heit, plä­diert aber für ei­ne „Lö­sung mit Au­gen­maß“. Das Hand­werk äu­ßert sich hin­ge­gen kri­tisch.

Die Min­dest­grö­ße für Be­rufs­schul­klas­sen liegt all­ge­mein bei 16 Schü­lern. „Wir müs­sen un­ter­schied­li­che Maß­stä­be an­set­zen“, sagt Hauk und plant, die Min­dest­grö­ße man­cher­orts auf acht Schü­ler zu re­du­zie­ren. „Das muss in länd­li­chen Re­gio­nen drin sein“, so Hauk.

Un­ter­stüt­zung für sei­nen Vor­stoß er­fah­re er von den be­trof­fe­nen Hand­werks­kam­mern und auch von den zu­stän­di­gen Land­rä­ten. Die Land­krei­se sind Trä­ger der Be­rufs­schu­len. Hauks Mo­ti­va­ti­on: „Ju­gend­li­che wäh­len lie­ber ei­ne wohn­ort­na­he Aus­bil­dung, als 50 bis 70 Ki­lo­me­ter zur Schu­le fah­ren zu müs­sen.“Das Hand­werk lei­de schon jetzt un­ter mas­si­vem Fach­kräf­te­man­gel, und „der wird sich noch wei­ter ver­schär­fen“. Her­bert Hu­ber, Vor­sit­zen­der des Be­rufs­schul­leh­rer­ver­bands (BLV), spricht von ei­ner „er­freu­li­chen Nach­richt“. Laut BLV sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Klein­klas­sen mit un­ter 16 Schü­lern im­mer wei­ter re­du­ziert wor­den. Mach­ten sie im Schul­jahr 2011/2012 noch knapp elf Pro­zent an der Ge­samt­zahl der Be­rufs­schul­klas­sen aus, sei­en es im ak­tu­el­len Schul­jahr knapp acht Pro­zent.

Klas­sen schrump­fen

Ein Groß­teil die­ser Klas­sen star­te nicht als Klein­klas­se, son­dern wer­de erst im Lau­fe der Jah­re durch Aus­bil­dungs­ab­brü­che da­zu. Zu Hauks Vor­stoß sagt Hu­ber: „Das ist auch ganz wich­tig für die Aus­bil­dungs­be­reit­schaft der Be­trie­be.“Die­se ver­lö­ren et­wa den Kon­takt zu den Leh­rern der Be­rufs­schu­le, wenn der Be­trieb am Bo­den­see ist und der Azu­bi zur Schu­le in Stutt­gart fah­ren müs­se. Kul­tus­mi­nis­te­rin Ei­sen­mann be­tont, dass die re­gio­na­le Schul­ent­wick­lung wei­ter­hin Grund­la­ge blei­ben müs­se. „Klar ist auch, es kann kei­ne In­di­vi­du­al­be­schu­lung ge­ben“, sagt sie. Ei­ner Min­dest­grö­ße von acht Schü­lern er­teilt sie ei­ne Ab­sa­ge und sagt viel­mehr: „Wenn die re­gio­na­le Schul­ent­wick­lung län­ger­fris­tig und nach­weis­lich ei­ne Nach­fra­ge be­stä­tigt, dann kann auch ei­ne zwei­stel­li­ge An­mel­de­zahl un­ter­halb der Min­dest­schü­ler­zahl 16 aus­rei­chen.“

Ei­nen Au­to­ma­tis­mus zur Schlie­ßung ei­ner Klas­se ge­be es auch heu­te nicht. „Da­mit tra­gen wir der be­son­de­ren Be­deu­tung der dua­len Aus­bil­dung zur Fach­kräf­te­si­che­rung der Wirt­schaft vor al­lem im länd­li­chen Raum Rech­nung“, so Ei­sen­mann.

Et­was kri­ti­scher blickt der ba­den­würt­tem­ber­gi­sche Hand­werks­tag auf Hauks Plä­ne. „Grund­sätz­lich ist das be­grü­ßens­wert aus Hand­werks­sicht“, sagt Ge­schäfts­füh­rer Ste­fan Ba­ron, der für Bil­dungs­po­li­tik zu­stän­dig ist. „Ob es der Aus­bil­dungs­qua­li­tät gut tut, ist mit ei­nem Fra­ge­zei­chen ver­se­hen.“Ba­ron nennt zwei Grün­de, die ge­gen klei­ne­re Min­dest­klas­sen­grö­ßen auf dem Land spre­chen. Zum ei­nen ge­be es schon jetzt ei­nen Man­gel an Be­rufs­schul­leh­rern im ge­werb­li­chen und tech­ni­schen Be­reich – vor al­lem länd­li­che Re­gio­nen sei­en für die Leh­rer we­nig at­trak­tiv. Zum an­de­ren müs­se si­cher­ge­stellt sein, dass es ge­nü­gend und mo­dern aus­ge­stat­te­te Un­ter­richts­räu­me gibt. „Die Land­krei­se als Schul­trä­ger hät­ten grö­ße­re In­ves­ti­tio­nen.“

Wohn­ort­nä­he nicht ent­schei­dend

Ba­ron zieht ei­nen Ver­gleich zu Bay­ern. Der Frei­staat be­zu­schusst seit Jah­ren die In­ter­nats­kos­ten für den Block­un­ter­richt von Be­rufs­schü­lern aus­kömm­lich – so wie es auch Ba­denWürt­tem­berg jüngst be­schlos­sen hat. „In Bay­ern dis­ku­tiert das Hand­werk das The­ma an­ders­rum: Fach­lich­keit geht vor Wohn­orts­nä­he.“

Die Fi­nan­zie­rung der zu­sätz­li­chen Kos­ten durch Klein­klas­sen sol­le nicht das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um über­neh­men müs­sen, for­dert Hauk. „Da die Auf­ga­be neu ist, kann man auch er­war­ten, dass neu­es Geld da­für zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den muss.“Er plä­diert für neue Mit­tel aus dem Lan­des­haus­halt.

FO­TO: DPA

Aus­zu­bil­den­de sol­len nach dem Wil­len von Pe­ter Hauk (CDU), Mi­nis­ter für den Länd­li­chen Raum, wohn­ort­nä­her zur Schu­le ge­hen kön­nen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.