Va­ge Vi­sio­nen

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Nachrichten & Hintergrund - Von In­ge Gün­ther po­li­tik@schwa­ebi­sche.de

Es fällt ei­nem schwer, aus­ge­rech­net Do­nald Trump, der mit den Sau­dis ein Waf­fen­ge­schäft über Hun­der­te Mil­li­ar­den Dol­lar ab­schloss, die Rol­le ei­nes Frie­dens­stif­ters ab­zu­neh­men. Die knall­har­te In­ter­es­sens­po­li­tik, die da­mit ein­her­geht, bringt je­doch zu­min­dest fri­schen Wind in die er­starr­ten Ver­hält­nis­se im is­rae­lisch-pa­läs­ti­nen­si­schen Kon­flikt.

Die Rech­nung ist sim­pel. Die ara­bi­sche Welt un­ter sau­di­scher Füh­rung ist be­reit, sich mit Is­ra­el an der Sei­te Ame­ri­kas zu ei­ner Al­li­anz ge­gen Iran zu ver­bün­den. Vor­aus­ge­setzt, die Re­gie­rung Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu be­wegt sich auf die Pa­läs­ti­nen­ser zu. Si­cher ge­fällt dem is­rae­li­schen Pre­mier der ers­te Teil die­ses An­ge­bots aus Ri­ad bes­ser als der zwei­te. Aber der Schul­ter­schluss mit Trump hat für ihn Vor­rang, um dem ira­ni­schen He­ge­mo­ni­al­stre­ben zu be­geg­nen. So frag­wür­dig Trumps Dä­mo­ni­sie­rung des Re­gimes in Te­he­ran ist: Die Kon­stel­la­ti­on im Na­hen Os­ten ist für Is­ra­el güns­tig wie sel­ten, um neue Ver­hand­lun­gen auf den Weg zu brin­gen. Nach­druck von Trump hat Ne­tan­ja­hu kaum zu be­fürch­ten. Der be­ließ es bis zum Schluss bei va­gen Vi­sio­nen. Zu be­zwei­feln ist auch, dass der sprung­haf­te Trump wirk­lich am Ball bleibt. Zu­mal er von sei­nen Af­fä­ren in Wa­shing­ton als­bald ab­sor­biert wer­den könn­te.

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