Gip­fel der Un­ei­nig­keit

Auch G7-Plan für Flücht­lings­kri­se schei­tert am Wi­der­stand der USA

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Nachrichten & Hintergrund - Von Tho­mas Mig­ge und dpa

- Die Un­be­re­chen­bar­keit des US-Prä­si­den­ten Do­nald Trump und die Un­ge­wiss­heit beim Kli­ma­schutz und Han­del stür­zen die Staats- und Re­gie­rungs­chefs füh­ren­der In­dus­trie­na­tio­nen (G7) in ei­ne schwe­re Kri­se. Die Blo­cka­de der USA hat ei­nen um­fas­sen­den Plan von Gast­ge­ber Ita­li­en und an­de­ren G7Län­der für ei­ne bes­se­re Be­wäl­ti­gung der Flücht­lings­kri­se zu Fall ge­bracht.

Wie die Deut­sche Pres­se-Agen­tur am Frei­tag auf dem Gip­fel der sie­ben gro­ßen In­dus­trie­na­tio­nen im ita­lie­ni­schen Taor­mi­na auf Si­zi­li­en er­fuhr, be­stan­den die US-Un­ter­händ­ler dar­auf, statt­des­sen nur zwei Pa­ra­gra­fen in die Ab­schluss­er­klä­rung auf­zu­neh­men, die Grenz­si­che­rung und Si­cher­heits­as­pek­te her­vor­he­ben. Ent­wick­lungs­or­ga­ni­sa­tio­nen üb­ten schar­fe Kri­tik und warn­ten da­vor, den har­ten Text so auf­zu­neh­men.

Ita­li­en hat­te ei­gent­lich ei­ne Er­klä­rung zu den po­si­ti­ven Aspek­ten und Chan­cen der Zu­wan­de­rung ge­mein­sam mit den G7-Part­nern ver­ab­schie­den wol­len. Da­bei soll­te es auch um Rech­te von Flücht­lin­gen und Schutz vor Aus­beu­tung ge­hen. Es war ne­ben ei­ner eben­falls schon ge­schei­ter­ten Initia­ti­ve zur Er­näh­rungs­si­cher­heit der zwei­te Kern­punkt der Prä­si­dent­schaft Ita­li­ens, das den Gip­fel­ort in Si­zi­li­en ge­wählt hat­te, weil dort die meis­ten Flücht­lin­ge an­kom­men.

Im Ent­wurf der Ab­schluss­er­klä­rung zu den Flücht­lin­gen heißt es auf Wunsch der USA un­ter an­de­rem: „Wir be­stä­ti­gen die sou­ve­rä­nen Rech­te der Staa­ten, ih­re Gren­zen zu kon­trol­lie­ren und kla­re Gren­zen für die Zu­wan­de­rung zu set­zen.“Wie ge­schil­dert wur­de, hät­ten die USA bis­her auch kei­ner­lei Ver­hand­lungs­be­reit­schaft ge­zeigt. „Nimm es oder sonst ma­chen wir nichts“, hät­ten die US-Un­ter­händ­ler ge­sagt, schil­der­ten in­for­mier­te Krei­se. Das Flücht­lings­pro­blem steht auch heu­te bei dem Treffen der G7-Füh­rer mit Ver­tre­tern afri­ka­ni­scher Staa­ten – Tu­ne­si­en, Ni­ger, Ni­ge­ria, Ke­nia und Äthio­pi­en – auf der Ta­ges­ord­nung.

Kri­tik an US-Han­dels­po­li­tik

Das Treffen in Taor­mi­na war von An­fang an ein Treffen von 6 plus 2 ge­gen ei­nen. Von An­ge­la Mer­kel, Em­ma­nu­el Ma­cron, Pao­lo Gen­ti­lo­ni, Shin­zo Abe, Jus­tin Tru­da­eu, The­re­sa May, Do­nald Tusk und Je­an-Clau­de Juncker ge­gen Trump. Das der sich bis auf das Thema Ter­ro­ris­mus bei al­len an­de­ren Ta­ges­ord­nungs­punk­ten quer le­gen wer­de, war al­len Teil­neh­mern klar. „Es sei denn“, so Juncker, Prä­si­dent der EU-Kom­mis­si­on in Taor­mi­na, „es wird ein Wun­der ge­sche­hen, aber glau­ben Sie an Wun­der?“

Als Ant­wort auf den An­schlag in Man­ches­ter ha­ben die G7-Län­der ei­ne Er­klä­rung im Kampf ge­gen den Ter­ro­ris­mus ver­ab­schie­det. „Das ist ei­ne star­ke Bot­schaft der Freund­schaft, Nä­he und So­li­da­ri­tät mit Groß­bri­tan­ni­en“, sag­te der ita­lie­ni­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Pao­lo Gen­ti­lo­ni. Die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May be­dank­te sich für die Un­ter­stüt­zung im An­ge­sicht der „ent­setz­li­chen Atta­cke“. Es sei wich­tig, dass die Grup­pe ge­zeigt ha­be, ent­schlos­sen im Kampf ge­gen den Ter­ro­ris­mus zu sein.

Die G7-Staa­ten ha­ben In­ter­net­kon­zer­ne auf­ge­for­dert, här­ter ge­gen ex­tre­mis­ti­sche In­hal­te im Netz vor­zu­ge­hen. In ei­ner Er­klä­rung hieß es, Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­bie­ter und so­zia­le Me­di­en müss­ten „ih­re Be­mü­hun­gen ge­gen ter­ro­ris­ti­sche In­hal­te be­deu­tend stei­gern“.

Im Streit mit den USA über Frei­han­del und Schutz­zöl­le gibt sich die Eu­ro­päi­sche Uni­on selbst­be­wusst. „Wir müs­sen im­mer wie­der klar­ma­chen, dass Mil­lio­nen von US-Jobs vom Han­del mit der EU ab­hän­gen“, sag­te EU-Han­dels­kom­mis­sa­rin Ce­ci­lia Malm­ström dem „Spie­gel“. Die Han­dels­po­li­tik von Trump kri­ti­sier­te sie: „Die Me­tho­de der Ame­ri­ka­ner, plötz­lich be­stimm­te Stahl­pro­duk­te als si­cher­heits­re­le­vant ein­zu­stu­fen, fin­den wir sehr pro­ble­ma­tisch.“Auch Vor­schlä­ge ei­ner Grenz­steu­er oder so­ge­nann­te Buy-America-Vor­schrif­ten gin­gen in ei­ne pro­tek­tio­nis­ti­sche Rich­tung. Trump hat­te am Don­ners­tag mit EU-Spit­zen­po­li­ti­kern kein Ein­ver­neh­men über die Han­dels­po­li­tik er­zielt, aber im­mer­hin ei­ne Ar­beits­grup­pe ver­ab­re­det. In der Kli­ma­po­li­tik gab es kei­ne An­nä­he­rung zwi­schen Trump und den an­de­ren Teil­neh­mern.

FO­TO: DPA

Schwe­re Dif­fe­ren­zen: Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel beim G7-Gip­fel­tref­fen in Taor­mi­na auf Si­zi­li­en mit USPrä­si­dent Do­nald Trump. Hin­ter ihr steht Ka­na­das Pre­mier­mi­nis­ter Jus­tin Tru­deau.

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