Mu­si­ka­li­scher Bil­der­bo­gen ei­nes Le­bens vol­ler Kon­tras­te

An­ne Sim­me­ring und Ul­rich Pa­kusch be­geis­tern bei den Dros­te-Li­te­ra­tur­ta­gen mit Kurt-Weill-Abend

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Deggenhausertal/meersburg -

(chv) - Kurt Weill? Hat der nicht die Mu­sik zur „Drei­gro­schen­oper“kom­po­niert? Eben die­ser Re­duk­ti­on ei­nes un­ge­wöhn­lich viel­sei­ti­gen Kom­po­nis­ten auf die Zu­sam­men­ar­beit mit Bert Brecht hat der Kurt-Weill-Abend im Vi­n­e­um Meers­burg bei den Dros­te-Li­te­ra­tur­ta­gen ve­he­ment ent­ge­gen­ge­wirkt.

In ei­nem schil­lern­den Span­nungs­bo­gen hat die mit dem Köl­ner Thea­ter­preis 2003 und dem Thea­ter­preis Würz­burg 2006 aus­ge­zeich­ne­te Schau­spie­le­rin und Sän­ge­rin An­ne Sim­me­ring zu­sam­men mit dem Pia­nis­ten Ul­rich Pa­kusch den Kan­to­ren­sohn Kurt Weill bis zu sei­nen Mu­si­cal-Er­fol­gen am Broad­way be­glei­tet.

Doch be­vor sie sich ge­nüss­lich auf dem Pia­no rä­kel­te, hat Bür­ger­meis­ter Ro­bert Sche­rer dem 90-jäh­ri­gen Klaus Küh­ne­mann, der die­sen Schim­mel-Flü­gel für das Vi­n­e­um ge­stif­tet hat, für sein hoch­her­zi­ges Mä­ze­na­ten­tum für die Stadt Meers­burg ge­dankt. Zum Dank über­reich­te Sche­rer dem Spen­der ne­ben ei­nem Blu­men­strauß ei­nen Gut­schein zum im­mer­wäh­ren­den Ein­tritt ins Vi­n­e­um.

„Der rau­schen­de Ge­sang der Ster­ne oder der Kan­tor singt im Ki­no“hat An­ne Sim­me­ring ih­re mu­si­ka­li­sche Bio­gra­fie zu Kurt Weill über­schrie­ben, die kon­trast­reich mit „Jauch­zet, froh­lo­cket“aus Bachs Weih­nachts­ora­to­ri­um und Pe­ach­ums Mor­gen­cho­ral „Wach’ auf, du ver­rot­te­ter Christ“aus der Drei­gro­schen­oper be­gann. „Da­vids Psalm“aus Weills jü­di­schem Ora­to­ri­um „Der Weg der Ver­hei­ßung“ver­wies auf sei­ne Her­kunft als jü­di­scher Kan­to­ren­sohn und schon wir­bel­te sie sin­gend und Rad schla­gend über das klei­ne Po­di­um und ver­setz­te die Zu­hö­rer an den Broad­way.

Schon früh ha­be Weill als Mu­si­ker und Kom­po­nist Ge­gen­sät­ze mit­ein­an­der ver­bun­den: abends als Pia­nist im Bier­kel­ler und mor­gens als Chor­lei­ter in der Sy­nago­ge. Ge­gen­sät­ze, die sich bei­spiels­wei­se auch in Songs wie „Wie man sich bet­tet, so liegt man“zeig­ten, die auf ver­stö­ren­de Ver­se be­tö­ren­de Re­frains fol­gen las­sen. Von Des­sau führ­te An­ne Sim­me­ring nach Ber­lin, wo Weill nicht nur Ge­org Kai­ser und Bert Brecht, son­dern auch Lot­te Le­nya ken­nen­lern­te, sei­ne Mu­se, sei­ne Frau und be­rühm­tes­te In­ter­pre­tin sei­ner Songs, die Sim­me­ring so far­big nach­emp­fand – Im­mer bes­tens un­ter­stützt vom Kla­vier­part­ner Pa­kusch, der zu­wei­len auch zum Ge­s­angs­part­ner wur­de.

Vom quir­li­gen Show­girl ver­wan­del­te sich die Sän­ge­rin auch in die zärt­li­che, zer­brech­li­che, nach­denk­li­che Frau, sang nicht nur deut­sche, eng­li­sche und ame­ri­ka­ni­sche Songs, son­dern auch aus der Pa­ri­ser Exil­zeit die stil­le „Com­plain­te de la Sei­ne“, die Kla­ge der Sei­ne über die To­ten und Trä­nen auf ih­rem Grund. Aus­schnit­te aus Brie­fen würz­ten ih­re Mo­de­ra­ti­on, die Weill schließ­lich an den Broad­way führ­te, zum zärt­li­chen „That’s Him“. Ein fu­rio­ser Ritt durch die gro­ße Spann­wei­te ei­nes oft ver­kann­ten Kom­po­nis­ten.

Nur mit Atem­schutz ist die Be­kämp­fung des Bran­des mög­lich.

Die Flam­men ha­ben das Ge­bäu­de kom­plett zer­stört.

FO­TO: HEL­MUT VOITH

Mit ei­nem fu­rio­sen Abend über den Kom­po­nis­ten Kurt Weill be­geis­tern An­ne Sim­me­ring und Ul­rich Pa­kusch im Vi­n­e­um.

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